Islamisierter Antisemitismus

Seit Anfang dieses Jahrtausends sind Attacken und Beschimpfungen mit judenfeindlichen Inhalten vor allem in Städten mit einem hohen Anteil von Zuwanderer*innen zu beobachten. Eine Studie der Bielefelder Soziolog*innen Jürgen Mansel und Viktoria Spaiser zur Verbreitung antisemitischer Einstellungen unter Jugendlichen aus dem Jahr 2010 zeigt, dass bei Jugendlichen mit muslimischer Sozialisation vor allem ein israelbezogener, religiös legitimierter und klassischer Antisemitismus problematische Ausmaße erreicht. So stimmte in der erwähnten Studie etwa jeder fünfte Jugendliche mit arabischem Migrationshintergrund der Aussage zu: „In meiner Religion sind es die Juden, die die Welt ins Unheil treiben“. Noch höher lagen die Werte beim klassischen Antisemitismus. Der Aussage: „Juden haben in der Welt zu viel Einfluss“, stimmten 35,8 Prozent der Jugendlichen mit arabischem und 20,9 Prozent der Mädchen und Jungen mit türkischem Migrationshintergrund zu. Unter Jugendlichen ohne Migrationshintergrund lag der Wert bei lediglich 2,1 Prozent.

Während ein problematischer Antisemitismus in arabischen und türkischen Milieus als unstrittig gilt, wird seit Jahren über die religiöse Dimension dieses Phänomens kontrovers diskutiert. Die in islamisch geprägten Gesellschaften und in Zuwanderungsgesellschaften mit großer muslimischer Minderheit verbreitete Judenfeindschaft wird als „islamisierter Antisemitismus“ bezeichnet.

Eine ausführliche Beschreibung von islamisiertem Antisemitismus und Thesen zum pädagogischen Umgang damit findet ihr im Baustein Antisemitismus und Migration von Michael Kiefer.

Außerdem setzt sich die Bundeskoordination außerdem in dem Handbuch „Islam & Schule“ auf den Seiten 96 bis 108 ausführlich mit der Geschichte und den Besonderheiten des islamisierten Antisemitismus auseinander. In dem Handbuch werden auch Praxisbeispiele vorgestellt, wie eine pädagogische Auseinandersetzung mit dem islamisierten Antisemitismus aussehen kann. Darüberhinaus präsentieren wir Ansätze gelungener Gedenkstätten- und Erinnerungsarbeit in der Einwanderungsgesellschaft.