
Rechtsextremismus in Deutschland - Aktuelle Entwicklungen und was wir an den Schulen dagegen tun können
Am 20. März 2012 veranstaltete die Landeskoordination Berlin von „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ in Kooperation mit der Friedrich-Ebert-Stiftung eine Fachtagung zum Thema Rechtsextremismus. Rund 130 SchülerInnen und PädagogInnen diskutierten an diesem Tag mit Fachleuten und Politikern über das Thema und was Schulen dagegen unternehmen können.
Anlass der Tagung sind die Morde der Zwickauer Neonazi-Zelle, die deutlich gezeigt haben, dass rechtsextreme Strukturen in der Bundesrepublik sehr viel stärker verankert sind als die breite Öffentlichkeit über lange Zeit glaubte – und glauben wollte. Auch in Berlin kommt es immer wieder zu Vorfällen mit rechtsextremem Hintergrund: Gewalttätige Überfälle auf Menschen anderer Hautfarbe oder Nationalität sind traurige Realität. Und auch all jene, die sich den Rechtsextremen entgegenstellen, sind immer wieder Zielscheibe von Gewalt.
Zudem versuchen Neonazis immer wieder SchülerInnen für ihre Inhalte zu gewinnen. So verteilen sie beispielsweise auf Schulhöfen kostenlose CDs mit rechtsextremer Musik, bieten Sport und Freizeitaktivitäten an oder tummeln sich in sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter. Schulen kommt bei der Bekämpfung des Rechtsextremismus eine wichtige Stellung zu.
So betonte der Vizepräsident des Deutschen Bundestages, Wolfgang Thierse, in seiner Einführungsrede, wie wichtig er ein Verbot der NPD findet: „Ich setze mich dafür ein, weil ich es für obszön halte, dass der Demokratische Staat seine Feinde mit finanziert.“ Thierse gehört zu den Politikern, die sich auch vor Ort gegen Neonazis und Rechtsextremismus einsetzen. Er nimmt an Demonstrationen teil, und er unterstützt Menschen, die sich für die Zivilgesellschaft einsetzen – ob in der ostdeutschen Provinz wie in dem hauptsächlich von Rechtsextremisten bewohnten Ort Jamel in Mecklenburg-Vorpommern oder in Berlin-Schöneweide. In Treptow-Köpenick gilt die Gegend um die Kneipe „Zum Henker“ als gefährlicher Ort. In der Diskussion mit den SchülerInnen berichtet Thierse auch über seine Versuche, mit Geschäftsleuten aus der Brückenstraße in Lichtenberg, unweit der Weitlingstraße, ins Gespräch zu kommen. „Keiner wollte mit mir reden – ich nehme an aus Angst vor den Konsequenzen in dieser Neonazi-Hochburg.“ Nachdrücklich betont er, dass man kein Held sein müsse, um sich den Neonazis in den Weg zu stellen: „Steht auf und geht weg, wenn jemand fremdenfeindliche Witze erzählt, prangert rassistische Äußerungen an und holt Hilfe, wenn ihr Zeugen von Gewalt werdet.“
In den anschließenden Workshops beschäftigten sich die SchülerInnen mit der Perspektive der Opfer rechtsextremer Gewalt, mit Geschlechterrollen in der rechtsextremen Szene, mit Rechts-Rock als Einstiegsdroge in die Neonazi-Szene, dem Rechtsextremismus im Spiegel der Medien, mit rechtem Lifestyle und Symbolen sowie mit der NSU und rechtsextremer Gewalt.
Bei der Abschlussdiskussion mit dem Sprecher der Arbeitsgruppe Rechtsextremismus der SPD-Bundestagsfraktion, Sönke Rix, ging es vor allem um die Frage der Prävention. Um Rechtsextremismus vorzubeugen könnte man, so eine Schülerin, zum Beispiel in der Schülerzeitung Aktionen gegen Neonazis bekannter machen, wie „Schöner weiden gegen Neonazis“, ein Projekt in Schöneweide. Ein Schüler forderte: „Rechtsextremismus und Rassismus müssen im Unterricht behandelt werden. Das Fach Demokratie gehört in den Rahmenplan“. Auch „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“-Inhalte sollten bekannter gemacht werden, etwa mit regelmäßigen Projekttagen und -wochen. Und Sönke Rix betonte: „Rassismus muss in der Schule ein Dauerthema sein ebenso wie das Demokratieverständnis“.
Ein Ausstellung zum Thema „Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus“ kann bei der
Friedrich-Ebert-Stiftung angefragt werden.
Und hier findet Ihr einen
Film von der Veranstaltung
Zwei siebte Klassen der Friedensburg-Oberschule besuchten im März 2012 Religionsgemeinschaften
„Mit der Playstation spielen, macht glücklich. Auch Schokolade macht glücklich und viel Geld sowieso, oder etwa nicht?“ fragt Jens Pingel, praktizierender Buddhist und an diesem Tag im tibetisch-buddhistischen Rigpa-Zentrum Dharma Mati in der Soorstraße mit der Aufgabe betreut, hibbligen zwölf- bis 13-Jährigen die Grundlagen des Buddhismus zu erklären.
Die Jungen und Mädchen sehen ihn skeptisch an. „Klar, das alles ist wichtig,“ schallt es unisono aus Kinderkehlen, „doch Familie ist wichtiger.“ Darin sind sie sich einig, aber ansonsten brauchen sie noch eine Weile, bis sie sich auf die so andere Welt mit ihrer
Vorstellung von „Geist“ und „innerer Sammlung“ einlassen können. Und dann erzählen Jens Pingel und sein Kollege Johnny Sommer den Heranwachsenden die Geschichte von Prinz Siddharta, dem Begründer des Buddhismus, der alle Reichtümer hatte, die man sich wünschen konnte und der dann doch irgendwann merkte, dass das alles nicht reichte, um wirklich glücklich zu sein.
Schließlich geht es in den geräumigen Schreinraum gleich nebenan. Hier können sich die Heranwachsenden, auf roten Sitzkissen thronend, zu Füßen eines über fünf Meter großen, vergoldeten Buddha, in der hohen Kunst der Meditation üben. Jens Pingel und Johnny Sommer helfen ihnen dabei und alle machen begeistert mit.
Die Kinder tauchen an diesem kalten Wintermorgen und noch an den darauffolgenden zwei Tagen gemeinsam mit ihren Klassenlehrern in eine fremde Welt ein. Sie tun dies im Rahmen von Projekttagen, die an der Charlottenburger Friedensburg-Oberschule zwei Mal im Jahr zu unterschiedlichen Themen durchgeführt werden. Diesmal ist es das Ziel, den Jugendlichen unterschiedliche Religionen nahezubringen, eventuelle Berührungsängste oder Vorurteile abzubauen und sie zu veranlassen, sich kritisch mit dem Gelernten auseinanderzusetzen. So unternehmen sie, neben dem Besuch des Buddhistischen Zentrums, auch eine Exkursion zum Dom in Berlin-Mitte, um hier etwas über das Christentum zu lernen und das imposante Bauwerk zu besichtigen. Den Abschluss bildet ein Besuch der Sehetlik-Moschee in Kreuzberg.
Am vierten Tag erfolgt die Aufarbeitung der gewonnenen Eindrücke in der Schule. Durch Gespräche im Klassenverband, Recherche in der schuleigenen Bibliothek, Erstellen von Texten und Plakaten verarbeiten die Jugendlichen das in den letzten
Tagen erworbene Wissen und dokumentieren es. Den Kindern hat’s gefallen. Und wer weiß – vielleicht denken sie, wenn sie das nächste Mal ihre Eltern bedrängen, ihnen unbedingt die neueste Playstation oder einen anderen letzten Schrei der Elektronikbranche zu kaufen, doch mal wieder daran, dass nur Besitz allein nicht glücklich macht.
Die Friedensburg-Oberschule ist eine Europa-Schule mit Schülerinnen und Schülern aus allen Teilen der Welt. Seit 2010 ist sie Teil des bundesweiten Netzwerks von „Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage“.
Martina-M. Thulcke
Am 9. November 2011 erhielt die Autorin und Zeitzeugin Margot Friedlander von Bundespräsident Christian Wulff das Bundesverdienstkreuz. Im Rahmen der Zeremonie las Frau Friedlander vor Courage-SchülerInnen aus der Dathe- und der Wilma-Rudolph-Oberschule aus ihrer Autobiografie.
15 Monate hatte sich Margot Friedlander von 1943 bis 1944 in Berlin mit Hilfe von Mitbürgern verstecken können und wurde dann doch nach Theresienstadt deportiert. Sie ist die einzige Überlebende ihrer Familie.
Unser Besuch im Bundespräsidialamt hat einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Zur Vorbereitung auf diesen Tag hatten wir die Autobiografie von der Jüdin Margot Friedlander gelesen und erlebten nun bei der Lesung die bewegten Momente aus ihrem Leben noch einmal mit.
Frau Friedlander beantwortete nicht nur umfassend unsere Fragen. Mit Ausdauer signierte sie auch die mitgebrachten Exemplare ihres Buches.
In einen regen Gesprächsaustausch traten unsere SchülerInnen auch mit dem Bundespräsidenten Christian Wulff sowie dem Staatssekretär für Kultur, André Schmitz, und weiteren Gästen.
Frau Friedlander ist von unseren SchülerInnen in unsere Schule eingeladen worden, damit auch weitere MitschülerInnen sie als Zeitzeugin treffen können.
Jutta Bartz (Dathe-Oberschule, Berlin)
Fatma ist emanzipiert, Michael ein Macho!?
Am 8. November 2011 lud die Landeskoordination Berlin zur Veranstaltung "Dialogtische" vom Antirasstisch-Interkulturellen Informationszentrum Berlin (Aric) ein. An der Veranstaltung mit dem Titel „Fatma ist emanzipiert, Michael ein Macho!?“ nahmen PädagogInnen, Berufsberaterinnen sowie eine Vertreterin eines kurdischen Vereins aus Berlin teil.
Der Dialogtisch begann mit einer Diskussion über rigide familiäre Maßnahmen gegenüber Jugendlichen, wenn sie sich auf interethnische Liebesbeziehungen einlassen. Anhand konkreter Beispiele wurde deutlich, dass die strenge soziale Kontrolle, die vor allem Jugendliche aus konservativ-religiösen Milieus erfahren, oft eher traditionellen Statuserwartungen als religiösen Moralvorstellungen entspringt.
Lebhaft diskutiert wurde die Frage, warum die strikte Kontrolle sexueller Freiheiten in den Medien zuerst als religiöse Konflikte interpretiert werden. Entsprechend wird häufig nur „der Islam“ und nicht die spezifischen Lebensbedingungen, Bildungsdefizite und patriarchalen Traditionen der Betroffenen problematisiert.
Einigkeit bestand darüber, dass gerade junge Mädchen aus sozial benachteiligten und traditionell geprägten türkischen oder arabischen Familien Schwierigkeiten sowohl mit den Heiratserwartungen der Familien als auch den eigenen Wünschen bezüglich Partner- und Berufswahl haben. Dass eine frühe Familiengründung viele junge Mütter im Teenageralter überfordert, deckt sich auch mit den Erfahrungen der Berufsberaterinnen – sie versuchen, die jungen Frauen mit niedrigschwelligen sozialen und beruflichen Beratungsangeboten zu unterstützen.
Auch die geschlechtersensible Perspektive auf männliche Jugendliche in der Schule war Thema des Dialogtischs. Die These, nach der die Jungs gegenwärtig den Wettstreit mit den Mädchen um die besten Abschlüsse im Bildungssystem zu verlieren scheinen, wurde kontrovers diskutiert. Generell wurde der Einsatz geschlechtsspezifischer pädagogischer Konzepte zu den Themen Sexualität, Liebesbeziehungen und Geschlechterrollen für sinnvoll gehalten, auch wenn in der Praxis nicht immer die entsprechenden Ressourcen zur Verfügung stünden.
Ein Problem der pädagogischen Praxis ist der Umgang mit diskriminierenden Äußerungen von Jugendlichen. Die Frage nach dem „richtigen“ Umgang konnte auch auf der Veranstaltung nicht endgültig beantwortet werden. Zwar sollten PädagogInnen nicht zu empfindlich auf Aussagen Jugendlicher reagieren, wenn sie mit ihnen über ihre Wahrnehmung von Lebensrealität diskutieren wollen. Gleichwohl kann ein gewaltfreies Schulklima aber nur entstehen, wenn diskriminierende Äußerungen problematisiert werden.
Mehr Geld für Chancengleichheit
Anlässlich der Wahlen zum Abgeordnetenhaus am 18. September 2011 lud die Berliner Landeskoordination von „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ unter der Leitung von Sanem Kleff zu einer Veranstaltungsreihe von Berliner SchülerInnen mit Berliner PolitikerInnen ein. Unter dem Motto „Chancengleichheit für alle in Berlin! Stand und Perspektiven der Menschenrechtserziehung“ diskutierten die bildungspolitischen Sprecher von SPD, CDU, Die Linke, Bündnis 90/Die Grünen und der FDP mit SchülerInnen aus verschiedenen Sekundarschulen und Gymnasien über die Unterstützungsmöglichkeiten für Antidiskriminierungsarbeit und Vielfalt an den Schulen.
Eines der Hauptthemen dieser Veranstaltung drehte sich um den Faktor Zeit.
In der Kritik, vor allem der SchülerInnen, stand die hohe Pflicht-Stundenbelastung in der Oberstufe. Zwar wollte niemand auf dem Podium die Schulzeitverkürzung für Gymnasien (G8) zurücknehmen. Aber es gab eine lebhafte Diskussion darüber, wie mit den Lehr- und Rahmenplänen umzugehen sei. So merkte der Linken-Abgeordnete Steffen Zillich an, wenn „das Lernen fächerübergreifend, interdisziplinär organisiert wird, gewinnt man Zeit, die dann für die Demokratie- und Menschenrechtserziehung verwendet werden könnte“. Auch die Grünen halten eine Revision der Inhalte und damit ein „Entrümpeln der Rahmen- und Lehrpläne“ für unumgänglich. Und in diesem Zusammenhang, so Özcan Mutlu von den Grünen, müsste man auch über neue Arbeitszeitmodelle für LehrerInnen nachdenken.
Sanem Kleffs Forderung, dass mehr Lehrpersonal mit Migrationshintergrund eingestellt werden sollte, teilten alle PolitikerInnen. Da eine Quote rechtlich unzulässig ist, einigte man sich auf die Herkunftssprache als Qualifizierungsmerkmal. Auch eine bessere finanzielle Unterstützung der Schulen war Thema. So verlangte z.B. Hans-Jürgen Pokall (CDU) mehr LehrerInnen zu beschäftigen und mahnte die Bezirke, Schulen bei der Renovierung wichtiger zu nehmen als die eigenen Bürohäuser. Auch Mutlu setzte sich für mehr Personal und mehr Geld ein: „Die Schulen brauchen 400 zusätzliche LehrerInnen und die Mittel für die Schulsanierungen müssen verdoppelt werden.“ Und Sanem Kleff ergänzte: „Wir brauchen dringend mehr sozialpädagogisches Personal an den Schulen.“
Parteienvertreter betonten, dass die Gemeinschaftsschule ein wichtiger Schritt in Richtung individueller Förderung sei. Steffen Zillich (Die Linke): „Die beste Bildung kann es nur mit einer bestmöglichen individuellen Förderung geben - die Linke plant den weiteren Ausbau der Gemeinschaftsschulen.“
Auf die drängende Frage der anwesenden AbiturientInnen, warum nicht genügend Studienplätze für die Doppeljahrgänge vorhanden sind, erklärte Felicitas Tesch (SPD): Der Senat habe sowohl von den Universitäten als auch von der Handwerkskammer Zusagen für zusätzliche Ausbildungs- und Studienplätze bekommen. Aber eine Bevorzugung der Berliner Absolventen widerspreche dem Gleichheitsgrundsatz. Auch die Abschaffung der Wehrpflicht führe im Moment zu Engpässen bei der Platzvergabe. Mieke Senftleben (FDP) erhofft sich eine umfassendere Berufsberatung an den Schulen: „SchülerInnen sollten die Informationen vor allem frühzeitiger bekommen und sich kompetent beraten lassen können.“ Dann fiele es ihnen auch leichter, ihre Ausbildung in anderen Ländern zu beginnen.
Und weil das Beschwerdemanagement etwa bei Mobbingfällen nur unzureichend für LehrerInnen, Eltern und SchülerInnen funktioniert, einigten sich die ParteienvertreterInnen auf die Einführung einer Art Kummerkasten-Hotline.
Zum Ende der Veranstaltung wünschten sich die SchülerInnen das muslimische Zuckerfest als allgemeinen Feiertag – zumindest in Berlin. Doch die PolitikerInnen waren nicht zu überzeugen. Ihre einhellige Meinung: „Dann müssten wir an allen religiöse Feiertagen die Schulen schließen. Das kann nicht in eurem Interesse sein – dann gebe es viel zu wenig Unterricht.“
Die Landeskoordination Berlin bietet Fortbildungsseminare zu vielfältigen Themen an. In Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern qualifiziert die Landeskoordination PädagogInnen in folgenden Bereichen:
Zudem setzt sie sich seit vielen Jahren intensiv mit dem Themenfeld interkulturelle Kompetenz sowie mit Islam und Islamismus auseinander. Sie konzipiert u.a. Fortbildungen für LehrerInnen zum Thema „Jugendkulturen zwischen Islam und Islamismus“ sowie zum Thema „Islam und Islamismus im Klassenzimmer – eine Herausforderung für die Bildungsarbeit“ (auch als Buchbeitrag erschienen: Sanem Kleff (Hrsg.): „Islam im Klassenzimmer – Impulse für die Bildungsarbeit; edition Körber-Stiftung, Hamburg 2005, 232 Seiten, EUR 12.).
Das Interesse der PädagogInnen daran ist ebenso groß wie der Nachholbedarf. Immer wieder wurde bei den Seminaren deutlich, dass das Ausmaß der Verbreitung islamistischer Ideologien unter den SchülerInnen schon deswegen unbekannt ist, weil die allermeisten LehrerInnen diese Ideologien nicht erkennen.
Für mehr Information sorgt seit 2008 auch das Themenheft „Jugendkulturen zwischen Islam und Islamismus“ (2010 aktualisiert und erweitert).
Innensenator Körting wird Pate
Die Friedensburg-Oberschule in Berlin-Charlottenburg ist "Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage". Die Titelverleihung fand am 16. Juni 2010 im Rahmen eines Schulfestes statt. Pate der Schule ist der Berliner Innensenator Ehrhart Körting. Er bekräftigte die Schülerinnen und Schüler in ihrem Engagement: "Das Projekt Schule ohne Rassismus trägt dazu bei, in der Schule gemeinsam sensibler gegenüber Rassisten und Extremisten zu werden."
Sanem Kleff, die Leiterin von "Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage" (SOR-SMC) überreichte das Schild an den Schulleiter Paul Schuknecht und die engagierten Schülerinnen und Schüler.
Hier die Rede von Sanem Kleff, zur Titelverleihung:
"Sehr geehrter Herr Senator,
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
ganz besonders aber
liebe Schülerinnen und Schüler,
ich freue mich sehr, heute hier zu sein und der Friedensburg- Oberschule den Titel "Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage" zu überreichen.
Dieser Titel ist keine Auszeichnung und kein Preis für bereits geleistete Arbeit. Dieser Titel weist nicht auf die Vergangenheit zurück, sondern setzt ein Zeichen für die Zukunft. Weit mehr als 70 Prozent aller Schulmitglieder der Friedensburg-Oberschule haben in den vergangenen Tagen die drei Punkte des Selbstverständnisses von "Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage" unterschrieben. Ihr bestätigt mit eurer Unterschrift, dass ihr euch aktiv gegen jede Form von Diskriminierung und Gewalt, insbesondere gegen Rassismus, einsetzen werdet.
Wir alle sind Realisten. Wir wissen, dass damit Diskriminierungen, Rassismus, Mobbing, Sexismus an eurer Schule nicht ab morgen schlagartig aufhören werden. Verletzende, diskriminierende Sprüche wie "Blöder Neger", "Du schwule Sau" "Jude" oder "Kanake" werden nicht ab morgen vom Schulhof verschwunden sein. Auch nächste Woche wird möglicherweise noch einer in der siebten Klasse gemobbt werden, weil er vermeintlich zu dick ist, oder weil seine Klamotten angeblich nicht cool genug sind. Sogar Lehrer beleidigen manchmal und sagen: "Ihr seid wohl zu blöd für diese Schule!". Niemand ist naiv. Wir alle sind Realisten und wissen das.
Aber genau aus diesem Grund habt ihr auch den zweiten Punkt unterschrieben:
Wenn an eurer Schule Ausgrenzung und Gewalt geschehen, dann wollt ihr nicht einfach wegschauen. Ihr wollt euch einmischen. Ihr wollt Verantwortung übernehmen. Ihr wollt gemeinsam nach Wegen suchen, friedlich miteinander zu leben.
Mit unserem Innensenator Körting habt ihr euch einen guten Paten ausgesucht:
• Er ist schließlich verantwortlich für die Einhaltung von Frieden in der Stadt. Genau so wie ihr die Verantwortung für ein friedliches Zusammenleben an eurer Schule übernommen habt.
• Er sorgt damit auch für die Einhaltung eines respektvollen Umganges der Menschen miteinander.
• Er setzt sich ein gegen jede Form von Gewalt. Genau wie ihr.
Wir sind aktiv gegen jede Form von menschenverachtender Ideologie und Handlung.
Wer mit Splittersprengsätzen auf Polizeibeamte wirft, handelt genau so menschenfeindlich wie ein Neonazi, der einen dunkelhäutigen Schüler in der S-Bahn zusammenschlägt. Religiösen Fundamentalisten, die gegen Homosexuelle hetzen, ist zu widersprechen. Die freie Wahl der Partnerin und des Partners sowie die sexuelle Selbstbestimmung sind ein Grund – und Menschenrecht, das von niemandem in Frage gestellt werden darf.
Liebe Schulmitglieder, der Titel, den ich euch sehr gerne überreiche, ist eine Selbstverpflichtung in die Zukunft.
Irgendeinen Text zu unterschreiben ist leicht, gemeinsam ein Schulfest zu feiern, ist wunderschön, aber das Selbstverständnis von "Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage" tagtäglich mit Leben zu erfüllen ist nicht immer leicht. Denn ganz allgemein für den Weltfrieden zu sein ist einfacher als sich in der Klasse täglich mit Respekt zu begegnen.
Ich bin sehr zuversichtlich, dass euch dies gelingen wird. Gerade als Staatliche Europaschule Spanisch-Deutsch seid ihr auf die Ideale der Verständigung über Sprachgrenzen hinweg und des vorurteilsfreien Miteinanders von Menschen unterschiedlicher Herkünfte verpflichtet.
Viele engagierte Kolleginnen und Kollegen machen dies erst möglich. Eine Kollegin möchte ich besonders erwähnen. Liebe Kollegin Paul-Ahmed, dir danke ich sehr für dein unermüdliches Engagement."