
Vom 15.-17. Juni fand das diesjährige Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage Treffen in Goslar statt. 85 Teilnehmerinnen und Teilnehmer von 19 Schulen waren aus ganz Deutschland nach Niedersachsen gereist.
Nach der Begrüßung durch die Projektleiterin Sanem Kleff und den Geschäftsführer Eberhard Seidel stellten die SchülerInnen unterschiedliche Projekte vor, die auf großes Interesse stießen.
Eine dieser Schulen war die Regine-Hildebrandt-Schule in Birkenwerder, nördlich von Berlin gelegen, die den Titel seit Dezember 2006 trägt. Campino, Sänger der "Toten Hosen", und Siena Christen, Paralympic-Siegerin, sind die Paten der Schule.
"Die Regine-Hildebrandt-Schule ist eine besondere Schule", so Catherina, Klassensprecherin. "Bei uns sind Behinderte in Klassen mit Schülern ohne Handicap integriert", so Pauline, ebenfalls Klassensprecherin.
Catharina und Pauline stellten den Bandcontest "Rock the School" vor. Unter dem Motto "Für Toleranz und gegen Rassismus" traten dort verschiedene Bands gegeneinander an. Eine kompetente Jury zeichnete die beste Band aus. - Ihr Gewinn: eine professionelle Studioaufnahme. Als Nächstes findet unter der Schirmherrschaft von Nina Hagen ein großes Sommerfest statt, das weit über die Schule hinausreichen wird.
Die SOR-AG des Clara-Schumann-Gymnasiums in Holzwickede berichtete von einer spektakulären Aktion zum internationalen Welt-Aids-Tag: Mit Unterstützung der örtlichen Feuerwehr befestigten sie eine zwölf Meter hohe rote Schleife am Rathaus der Gemeinde. Die Aktion stieß auf große Resonanz.
Auf dem zeitgleich stattfindenden Weihnachtsmarkt verkauften die AG-Mitglieder rote Aids-Schleifen und informierten die Passanten. Bei einer weiteren Aktion informierten sich die SchülerInnen in einer Gesprächsrunde mit dem ehemaligen NPD-Kader, Matthias Adrian, über Strategien der Rechtsextremen, Jugendliche für ihre Ziele zu ködern.
Seit 2002 ist das Nicolaus-Otto-August Berufskolleg in Köln-Deutz Mitglied im Netzwerk. Regelmäßig werden vielfältige Projekte zum Thema Toleranz durchgeführt. Großes Interesse erweckte eine wissenschaftliche Umfrage zum Thema Gewalt. Der so genannte "Bochumer Gewaltfragebogen" bietet die Möglichkeit, unterschiedliche Facetten von Gewalt(-erfahrung) zu verdeutlichen und diese in verschiedenen Regionen miteinander zu vergleichen.
Schülerinnen der IGS Laatzen stellten ihre Aktivitäten als SOR-SMC-Schule mit Video-Clips vor, in denen sie sich mit Situationen von Alltagsrassismus und der Integration von Ausländern auseinandersetzen und klischeehafte Vorstellungen der deutschen Mehrheitsbevölkerung auf den Arm nehmen. Diese Clips sind während eines Projekttages entstanden, der sich gegen Rassismus richtete und für die Integration von Ausländern warb.
Unter
Fotogalerien findet ihr Impressionen von dem Bundestreffen, von unserer Aktion "Spuren hinterlassen" in Goslar, von dem Theater- und Rap-Workshop.
Thomas Guthmann von der Globalen Medienwerkstatt, der für SOR-SMC in Kooperation mit der Medienanstalt Berlin-Brandenburg auch "Radio Q-rage - die Stimme von SOR-SMC" mit entwickelt, war während des Bundestreffens in Goslar und begleitete die Aktionen mit seinem Mikrofon.
Hier eine Auswahl von seinen Eindrücken als mp3-Dateien zum hören bzw. zum herunterladen.
Schule ohne Rassismus bietet während des Bundestreffens gemeinsam mit den Kooperationspartnern Workshops an, wie das illustrieren von Plakaten zum Thema Rassismus oder die akustische Umsetzung in Form von Rap oder Radio-Jingles.
Ein wichtiges Thema war die Vernetzung von mehreren Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage. Dabei ging es darum, wie auf regionaler Ebene im Kampf gegen Rassismus vorgegangen werden kann.
Weitere Workshops informierten über rechte Symbole und Homosexualität. Im Sportkurs sind Äußerlichkeiten, wie die Hautfarbe unwichtig, hier zählen Toleranz, Teamwork und Fairness!
Im Workshop "Rechte Musik und Symbole" erläuterte der Referent Michael Weiß vom antifaschistischen Pressearchiv und Bildungszentrum Berlin e.V.(apabiz) die Bedeutung unterschiedlicher Symbole der rechtsextremen Szene. Viele dieser Symbole sind verboten, einige können jedoch legal verwendet werden.
Beispielsweise das Zahnrad. "Dieses Zahnrad setzen die Nationalsozialisten immer mehr in der Öffentlichkeit ein", so Weiß. Auf der anderen Seite gibt es natürlich viele anderen Symbole, die nur leicht verändert wurden, um sie weiterhin in der Öffentlichkeit tragen zu können.
Ein weiteres Thema war die, von rechtsextremen Bands in Verbindung mit der NPD produzierte, "Schulhof CD". Auf dieser CD sind Titel wie "Leb dein Leben" oder "Rebellion" von rechtsextremen Bands zu hören. Die Texte der einzelnen Songs zeigen den politischen und rassistischen Hintergrund der NPD-Anhänger.
"G1"-"G2"-"G3"-"G4" "G5"-"G6"- "G7"-"G8"- "Wir sind die mächtigsten der Welt!", der Theaterworkshop stellte innerhalb eines Tages ein komplettes Theaterstück zum Thema Rassismus in unserer Gesellschaft auf die Beine. Dazu berichtete zunächst jeder über seine persönlichen Erfahrungen mit Rassismus. Auf der Suche nach einem aktuellen Bezug kam schnell die Frage auf, ob nicht auch der G8-Gipfel etwas mit Rassismus zu tun habe. Schließlich kommen die vermeintlich mächtigsten Staaten der Welt zusammen, um über globale Probleme zu sprechen und Entscheidungen zu fällen, die auch die nicht vertretenen 87% der Weltbevölkerung direkt betreffen.
Schnell war aus der Idee ein konkretes Projekt geworden, in dem die 9 Akteure unter der Leitung von Lutz Bublitz eine G8-Sitzung nachspielten. Unter dem Motto "Wir sind die acht mächtigsten, ohnmächtigsten Menschen der Welt" führten die G8-Staaten mit dem Entwicklungsland G0 Verhandlungen.
Obwohl die lebensnotwendigen Hilfsleistungen nur auf Sparflamme erfolgen, werden für diese Verehrung und hohes Ansehen von der vollkommen entblößten 3. Welt erwartet. Auch beim Zuschauer entstehen berechtigte Zweifel am System.
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Der Workshop "Q-Rage - Zeitung und Onlineausgabe" beschäftigte sich unter der Leitung des SOR-SMC Geschäftsführer Eberhard Seidel und Gerasimos Warmann mit der Vernetzung von SOR-Schulen an Beispielen aus Main-Franken, Friedrichsthal und Bremen sowie dem Aufbau der Zeitung und der Q-Rage Onlineausgabe.
Die TeilnehmerInnen tauschten ihre Erfahrungen auf dem Weg zu einer "Stadt ohne Rassismus" aus und diskutierten dabei unterschiedliche Strategien für die Zukunft des Projekts. Wie lassen sich KommunalvertreterInnen von diesem Projekt so überzeugen, dass sie es nicht nur durch ihre Unterschrift unterstützen, sondern vor Ort mit Leben erfüllen?
In gleicher Runde entwickelten die Engagierten gemeinsame Ideen für die Online-Ausgabe der Q-Rage, um diese zu einer attraktiven Internetplattform für Schulen in allen Regionen Deutschlands zu machen.
Die dritte Ausgabe der Zeitung Q-Rage wird am 30. November 2007 in einer Auflagenhöhe von einer Million Stück erscheinen.
Was ist Rap und wo kommt diese Musik her? Mit dieser Frage beschäftigten sich die 5 Schülerinnen und Schüler im Rap-Workshop! Sie bekamen Informationen zum Ursprung von Hip Hop und Rap. Sie erfuhren Details über verschiedene Ausprägungen und Richtungen dieses Musikstils und mit welcher Technik man seine Ideen umsetzen kann.
Kritsch setze sich die Gruppe mit den Folgen vom so genannten "Gangster-Rap" auf Jugendliche auseinander und diskutierte über die Inhalte dieser Texte. Alle Workshopteilnehmer verarbeiteten eigene Erfahrungen und Ansichten in selbst geschriebenen Texten zum Thema Diskriminierung und Rassismus um.
In einer öffentlichen Session präsentierten sie ihre Ergebnisse den anderen aktiven SchülerInnen. Highlight dieses Auftrittes war Jeffrey John, der Gewinner des Contest "Rap for Q-Rage 2006".
Der bildlichste Workshop von allen war der Illustrations-Workshop mit Peter O. Zierlein und Sanem Kleff.
Hier illustrierten die Schüler mit der Unterstützung von Illustrator Peter, der unter anderem für die New York Times arbeitet, Poster und sammelten Ideen für den Nachmittag.
Nach einer Stärkung beim Essen ging es gemeinsam in die Innenstadt von Goslar, um dort Spuren zu hinterlassen. Mit großer Unterstützung der Einwohner von Goslar wurden in der Einkaufsstraße Kreidebotschaften in mehreren Sprachen auf den Gehweg gemalt. Dabei wurden Flyer verteilt, um Passanten für unser Projekt zu begeistern. "Hebt die Köpfe, nicht die Hände" lautet einer von über 50 Aussagen.
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Den größten Zulauf beim diesjährigen Bundestreffen hatte das Seminar "Schwul Lesbisch – Na und?" Die Workshopleiter Steffi und Alex stellten im Seminar den Erfahrungsaustausch homosexueller Lebensweisen in den Vordergrund.
15 TeilnehmerInnen diskutierten über eigene Erfahrungen und die Situation von jungen Schwulen und Lesben an der Schule. Für Laura und Janina aus Bremerhaven eine gute Möglichkeit, um sich auszutauschen. Denn in ihrer Heimatstadt gibt es wenig Möglichkeiten und kaum Angebote für homosexuelle Jugendliche. Die beiden Schülerinnen erzählten weiter, dass die meisten sich mit einem unbefangenen Umgang schwer tun. Janina, die selbst lesbisch ist, wird auch schon mal gefragt, "Du bist lesbisch?"oder "Wie, aber du siehst ja gar nicht so aus?", eine Frage, mit der heterosexuelle Schülerinnen und Schüler wohl kaum konfrontiert werden.
Im Workshop sollen Vorurteile abgebaut und über Möglichkeiten diskutiert werden, wie Schülerinnen und Schüler offensiver mit ihrer Homosexualität umgehen können.
Für Referent Alex geht es darum homosexuelle Lebensweisen stärker in das Projekt Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage zu tragen, heterosexuelle SchülerInnen zu sensibilisieren und schwul-lesbische Jugendliche zu stärken.
Die Teilnehmer des Workshops "Sport und Rassismus" sammelten Ideen zur Frage: "Wie organisiere ich eine Sportveranstaltung im Rahmen von SOR-SMC?"
Neben organisatorischen Fragen wurden auch konkrete Anregungen gegeben. Zum Beispiel die Einladung ausländischer Spieler oder ein Staffellauf mit Mannschaften, die aus Schülern mit verschiedenen Nationalitäten bestehen.
Auf dem Markt der Möglichkeiten stellten sich einige der SOR-SMC Schulen mit verschiedensten Anschauungsmaterialien vor. Ausgestellt wurden unter anderem T-Shirts und Zeitungsartikel der verschiedenen Schulen.
Die Werner-Stephan-Oberschule gestaltete sogar eine große Fotowand zum Thema Streitschlichtung und Fotos zur neuen Schulordnung.
Ein T-Shirt vom eigenen Bandcontest gegen Rassismus wurde von der Regine-Hildebrandt-Schule ausgestellt. Die SchülerInnen haben anderen Teilnehmern gerne Hintergrundinformationen gegeben.
Eine große Überraschung brachte Yasemin Yüce aus Berlin mit.
"Im Februar 1981 unterrichtete ich meine erste Klasse an einer Hauptschule in Berlin. Ich brachte einer bunt gewürfelten Gruppe ausländischer Schüler ab 14 Jahren die deutsche Sprache bei. In den ersten Wochen fielen mir zwei türkische Mädchen ganz besonders auf, Bilgül und ihre ältere Schwester Razye. Jede große Pause versteckten sie sich in einer abgelegen Ecke des Schulhofes und kehrten erst nach dem Klingeln verunsichert aber glücklich lächelnd in die Klasse zurück. Was hatten diese Mädchen bloß zu verbergen? Wovor hatten sie Angst? Verwirrt begann ich mich zu fragen, warum diese beiden so fleißigen und vorbildlichen Schülerinnen sich so verschanzten.
Um der Sache auf den Grund zu gehen, folgte ich ihnen unauffällig. Als sie mich entdeckten, versteckten sie plötzlich etwas unter ihren Jacken. Meine Neugier spannte sich ins Unermessliche. Ich war erschrocken als ich sah, was sie unter ihnen Jacken versteckten: Ein Pausenbrot!
Wie war das zu verstehen? Erst nach energischem Nachhaken, erklärten sie mir verlegen, das sie es nicht gewohnt waren in der Öffentlichkeit zu essen. Nach 2 Jahren verließen sie die Schule, um ihre Stelle bei Siemens anzutreten. Man hörte sich nie wieder."
Bis zu dem Tag, an dem Sanem einen Gruß ausgerichtet bekam. Ein viertel Jahrhundert später stand plötzlich die Tochter ihrer ehemaligen Schülerin vor ihr. Yasemin Yüce ist kaum älter, als Bilgül damals…
Bei der Abschlussveranstaltung des bundesweiten Treffens 2007, dem "Open-Space" diskutierten die aktiven Schüler über zukünftige Projekte von "Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage". Es wurden Themen angesprochen wie die Organisation eines SOR- Konzertes in Berlin mit den musikalischen Paten der Schulen.
Einen weiteren großen Themenkomplex bildete Europa und die damit zusammenhängende europäische Verbreitung des Projektes, sowie ein mögliches europaweites Treffen von SOR-SMC, natürlich möglichst in der Wärme!
Interessiert wurde auch zugehört, als über die Geschichte von SOR gesprochen wurde. Kritisiert wurde von den Schülern, dass das bundesweite Treffen 2007 zu kurz war, da nur an einem Tag in den Workshops gearbeitet werden konnte. Leider musste festgestellt werden, dass es fast unmöglich ist, das Treffen zu verlängern, da dies mit den Schulischen Terminen nicht zu vereinbaren ist.
Wenn andere schon lange pausierten, saßen wir noch vor den Kisten. Die Fingerkuppen glühen, der Drucker dampft, um Euch einen Einblick zu geben, was wir in dieser kurzen Zeit geschafft haben.
Wir schrieben, korrigierten und diskutierten über unser Verfasstes. Wir hatten wenig Zeit, viel Spaß und die Möglichkeit uns alle Workshops anzusehen. Bei uns vermischten sich Dialekte und Ansichten zu einheitlichen (mehrheitlich) hochdeutschen Artikeln, die euch einen kleinen Einblick in die Arbeit der TeilnehmerInnen gewähren.
Wir, das Doku-Team mit Stefanie Gross, Thomas Clausing, Hendrik Behr, Sören Behr, Robin Miska, Philipp Rossow, Metin Yilmaz und Ingo Grastorf, hoffen, dass ihr viel Spaß beim Stöbern und Lesen hattet!