Bundestreffen 2010 in Berlin
Das Bundestreffen begann am Freitag, den 11. Juni 2010. Bei strahlendem Sonnenschein trudelten ab dem Nachmittag 200 Schülerinnen und Schüler aus dem ganzen Bundesgebiet im Garten des Jugendgästehauses der Schreberjugend in Berlin-Kreuzberg ein.
Richtig los ging es am Abend des 11. Juni. Nach dem Abendessen unternahmen die Teilnehmenden einen kurzen Spaziergang zum nahe gelegenen Jüdischen Museum. Nachdem ein Gruppenfoto gemacht war, versammelten sich die 200 Schülerinnen und Schüler im Konzertsaal des Jüdischen Museums zur Auftaktveranstaltung.
Die Leiterin der Bundeskoordination Sanem Kleff und der Geschäftsführer Eberhard Seidel begrüßten die Gäste und führten durch den Abend. Sie stimmten die Schülerinnen und Schüler auf das Motto der Veranstaltung ein: "Land der Vielfalt – wie wollen wir zusammen leben?" Um die Frage des Zusammenlebens in einer von Vielfalt geprägten Gesellschaft sollten die Diskussionen des Bundestreffens kreisen.
Austausch über Aktivitäten
Der erste Teil des Abends diente dem Austausch im Netzwerk. Die SchülerInnen und auch einige der aktiven LehrerInnen stellten verschiedene Projekte vor, in denen deutlich wurde, wie sie den Gedanken von SOR-SMC an ihrer Schule mit Leben füllen.
Der Bericht der "AG für den Frieden" von der KGS Gesamtschule in Rastede stach besonders heraus: Die Schülerinnen und Schüler beschäftigen sich schon seit langer Zeit intensiv mit dem Thema Antiziganismus, und konnten auch den Vorsitzenden des Zentralrates der Sinti und Roma in Deutschland, Romani Rose, als Paten für ihre Schule gewinnen.
Die Lehrer Armin Ahlheim und Christoph Wesemann vom Nicolaus-August-Otto-Berufskolleg in Köln stellten zusammen mit einigen SchülerInnen ihre vielfältigen Aktivitäten vor. Eines ihrer vielen Projekte, ein "Sportfest gegen rechts" sorgte zunächst für Heiterkeit – entpuppte sich aber als sehr ernstzunehmender Ansatz, sich unter Einbeziehung von SchülerInnen mit Begriffen wie Ausgrenzung, Diversität, Leistung auseinanderzusetzen.
Konzerte und Collagen
Zwei SchülerInnen aus dem niedersächsischen Ritterhude berichteten von einem selbst organisierten großen Benefizkonzert gegen Diskriminierung, bei dem auf dem Schulgelände viele lokale Bands für ein friedliches Miteinander auftraten.
Zwei aus Bayern stammende Schüler erzählten, wie sie SOR kennen gelernt und an ihrer Schule eingeführt hatten. Dort wurde eine große Collage aus Portraitfotos der Schülerinnen und Schüler gemacht: Zusammengesetzt ergaben die Fotos den Schriftzug "Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage" - um zu verdeutlichen, von wie vielen Menschen das Projekt mitgetragen wird.
Angesichts der Hitze – die Außentemperatur betrug 30 Grad – bestand die Haupttätigkeit der Gastgeber nun darin, möglichst viel Wasser auszuschenken. Ständig liefen SchülerInnen in SOR-SMC-T-Shirts herum und sorgten für Nachschub an Getränken.
Der zweite Teil des Abends diente schließlich der Vorstellung der am nächsten Tag stattfinden 16 Workshops und der Klärung von vielfältigen organisatorischen Fragen.
Workshops am Samstag
Am nächsten Morgen wuchs die Gruppe noch einmal um etwa 100 Tagesgäste aus Berlin an. Auch sie kamen im Garten der Schreberjugend an und trafen dort das erste Mal auf die externen Gäste.
Die Berliner SchülerInnen waren bereits vorab per Rundmails der Landeskoordination Berlin über die Inhalte der Workshops informiert worden.
An 16 Tischen im Hof des Hauses konnten sie sich nun nach einem Startzeichen in die Teilnahmelisten eintragen und sich dann zu ihren jeweiligen ReferentInnen gesellen. Begleitet durch Berliner SchülerInnen zogen sie wenig später los.
Das besondere an den Workshops in diesem Jahr: Sie fanden dezentral statt – die Teilnehmenden sollten die Möglichkeit haben, die Stadt zu erleben. Die Grundidee hinter diesem Konzept: Die Themen des Netzwerkes sind mit der Geschichte der Stadt Berlin eng verbunden – so fanden Workshops zu den Themen Antisemitismus und Jüdisches Leben im Jüdischen Museum und im Anne-Frank-Zentrum statt.
Ein Workshop in der Gedenkstätte Hohenschönhausen beschäftigte sich mit Menschrechtsverletzungen in der DDR.
Die Jugendeinrichtung "Alte Feuerwache" in Kreuzberg war als wichtiger Kooperationspartner von SOR-SMC Veranstaltungsort für die künstlerisch orientierten Workshops zu den Themen Theater, Tanz und Rap – das Haus ist mit professionellen Tanz- und Musikstudios ausgestattet.
Zwei andere, stärker inhaltlich ausgerichtete Workshops fanden ebenfalls dort statt: Eine Gruppe beschäftigte sich mit dem Thema türkisch- oder deutsch-sein, eine weitere mit "Identität und Ausgrenzung". Eine dritte Gruppe befasste sich mit dem Thema SOR-SMC an Oberstufenzentren.
Unterwegs durch die Stadt
Die Teilnehmenden des Workshops "Kreuzberg interkulturell" waren ebenfalls in dieser Gegend unterwegs – sie machten eine Führung durch den Bezirk, geleitet von einer Referentin vom Bezirksmuseum Friedrichshain-Kreuzberg.
Auch die TeilnehmerInnen des Workshops zum Thema Homophobie von Martin Ganguly liefen durch die Stadt: Rechercheaufträge führten sie zum gleichzeitig stattfindenden schwul-lesbischen Straßenfest am Schöneberger Nollendorfplatz.
Die Analyse von rechtsextremer Propaganda schließlich stand im Mittelpunkt des von Michael Weiß aus dem apabiz geleiteten Workshops "Antikapitalistische Rhetorik der Nazis".
Im Haus der Schreberjugend fanden zwei Workshops statt: Jochen Müller referierte zum Thema "Islam und Islamismus", und Wolfgang Brust befasste sich mit Mobbing.
Präsentation im OSZ Handel
Am Abend kamen die 300 Teilnehmenden wieder zusammen, um die Ergebnisse aus den Workshops zu präsentieren. Treffpunkt war die Mensa des Oberstufenzentrums Handel in Kreuzberg, der größten Schule in Europa, wo nunmehr die Präsentation der Ergebnisse stattfand.
Bei der Präsentation waren jeweils 3 Fragen zu beantworten: 1. Was war neu für euch? 2. Was nehmt ihr mit? 3. Was wollt ihr dem Plenum mitteilen?
In der Präsentation des gut besuchten Workshops zum Thema Mobbing wurde sehr deutlich, dass dieses für viele Schülerinnen und Schüler ein wichtiges Thema ist. Es zeigte sich eindringlich, dass trotz der kurzen Zeit der Workshopleiter Wolfgang Brust einiges an Verhaltenstipps mitgeben konnte, und auch zu einem besseren Verständnis dessen, was Mobbing ist - nämlich Gewalt - beitragen konnte.
Höhepunkt des Abends war jedoch die Präsentation des Tanz-Workshops. Die Schülerinnen und Schüler führten auf, was sie an nur einem Tag als Vorführung erarbeitet hatten und – die Standing Ovations waren redlich verdient.
Zum Abschluss des Treffens gaben die einheimischen SchülerInnen wertvolle Tipps für das Berliner Nachtleben und die besten Anlaufstellen für Fußballfans. Es endete mit einer kurzen Einstimmung auf den abschließenden Festakt am nächsten Morgen.






















