Bundestreffen 2010 in Berlin
Festakt im Jüdischen Museum Berlin
"Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage" feierte am Sonntag, den 13. Juni sein 15-jähriges Jubiläum mit einem Festakt. 400 Gäste kamen in den Glashof des Jüdischen Museums in Berlin. Durch das bunte Programm führten die Journalisten Pia Castro und Jan Lerch.
Die Veranstaltung bildete einen würdigen Abschluss für das Bundestreffen 2010, das unter dem Motto "Land der Vielfalt – wie wollen wir zusammenleben" stand.
Die Veranstaltung begann mit mächtigem Krach: Die Trommelgruppe Bando brachte die Wände des Jüdischen Museums zum Wackeln. Nachdem sich die Ohren der Anwesenden erholt hatten, begrüßten Sanem Kleff, Leiterin der Bundeskoordination und der Geschäftsführer Eberhard Seidel die Gäste und stellten die Moderatorin und den Moderator des Festaktes, Pia Castro und Jan Lerch, vor.
Tanja Petersen begrüßte im Namen des Jüdischen Museums die Gäste.
Förderer würdigten Arbeit
Dr. Ronald Hirschfeld, Vertreter der Bundeszentrale für politische Bildung, würdigte als Förderer von "Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage" (SOR-SMC) die Arbeit des Netzwerkes.
Ulrich Thöne, Bundesvorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaften (GEW), auf der Bühne als weiterer Förderer vertreten, betonte, dass "ein gemeinsames Unterhaken gegen Intoleranz" unerlässlich sei.
Cem Özdemir erinnert an Ignatz Bubis
Cem Özdemirr erinnerte an einen Mann, mit dem er 1995 das Projekt auf einer Pressekonferenz vorgestellt hatte: Ignatz Bubis, damals Vorsitzender des Zentralrats der Juden in Deutschland. Özdemir würdigte dessen herausragende Bedeutung bei der Gründung von Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage.
Er freute sich sehr, als ihm Sanem Kleff auf der Bühne ein gerahmtes Foto von dieser Pressekonferenz überreichte. Özdemir versprach: "Das wird einen Ehrenplatz in meinem Büro bekommen."
Özdemir sprach auch davon, wie gerne er, der gleich zwei Patenschaften übernommen hat, Schulen besuche – er lerne heute bei Schulbesuchen mehr als damals in seiner Zeit als Schüler.
Mazyek & Kramer – ein starkes Team
Viele Besucherinnen und Besucher waren sich einig: Der gemeinsame Auftritt von Stephan Kramer und Aiman Mazyek war der Höhepunkt der Veranstaltung.
Die Generalsekretäre vom Zentralrat der Juden und dem Zentralrat der Muslime sind gemeinsam Paten des Oskar-Picht-Gymnasiums in Pasewalk.
Die beiden, die sich sichtlich gut verstanden, berichteten davon, wie schwierig das Zustandekommen der gemeinsamen Patenschaft war. In beiden Organisationen hätten die Entscheidungsgremien zurückhaltend reagiert – doch Kramer und Mazyek ließen sich davon nicht abschrecken.
Kramer sagte: "Wenn der Zentralrat als Institution das nicht machen kann, dann mache ich das eben persönlich in meiner Eigenschaft als Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland".
Aiman Mazyek zeigte sich sehr gerührt, als er Stephan Kramer dafür dankte, dass dieser nach dem rassistisch und islamfeindlich motivierten Mord an Marwa El-Sherbini im Juli 2009 so schnell reagiert hatte: Kramer war demonstrativ nach Dresden gereist, um den Ehemann der Ermoderten zu besuchen. Dies sei ein sehr wichtiges Zeichen gewesen, für das er persönlich außerordentlich dankbar sei.
Aktivitäten aus dem Netzwerk
Ein besonders gelungenes Projekt stellten Schülerinnen und Schüler des Berliner Manfred-von-Ardenne-Gymnasiums vor. Sie hatten für ihr Projekt "Backen für den Bäcker" die Geschichte einer Bäckerfamilie erforscht, die in Berlin-Lichtenberg Juden vor ihren nationalsozialistischen Verfolgern versteckt und ihnen so das Leben gerettet hatten. In Erinnerung an diese Geschichte initiierte die Gruppe ein gemeinsames Backen zusammen mit einer der Überlebenden - mit dem Ziel, eine Gedenktafel zu finanzieren.
Mit der Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus und Rassismus beschäftigte sich ein weiterer Programmpunkt: Jannik Kirchner von der Jenaplan-Schule in Jena sprach über sein Engagement gegen die NPD, und die Studentin Derya Ovali, aktiv beim Türkischen Bund Berlin-Brandenburg, über ihre Auseinandersetzung mit Alltagsrassismus in Deutschland.
Alexander Freier, seit Jahren für SOR-SMC aktiv, berichtete von seinem Engagement gegen Homophobie und sprach sich dafür aus, "Religion und Ressentiments voneinander zu trennen" – die Ursachen für Homophobie seien nicht in Religionen zu suchen.
Medienprojekte von SOR-SMC
Der Geschäftsführer Eberhard Seidel stellte am Beispiel der Zeitung Q-rage weitere Aktivitäten des Netzwerkes vor. Q-rage erscheint einmal im Jahr und wird von einer Redaktion aus Schülerinnen und Schülern produziert. Gerade solche Publikationen spielten bei einem so großen und weiter wachsenden Netzwerk eine immer wichtigere Rolle. SOR-SMC bietet Jugendlichen neben der Zeitung auch weitere Möglichkeiten, sich journalistisch zu betätigen: in den zahlreichen Radioseminaren von Radio Q-rage.
Satus, Yeomen und Ohrbooten
Für viele Schülerinnen und Schüler waren die Tanz- und Musikeinlagen der Höhepunkt der Veranstaltung.
Der Rapper Satus, Gewinner des Rap-for-Q-rage-Wettbewerbs 2009, stellte einen neuen Song vor. Dieser wird auch auf der nächsten, von SOR-SMC herausgegebenen CD mit Rap-Musik erscheinen.
Die Mitglieder der Streetdance Connection und Kooperationspartner von SOR-SMC zeigten auf der Bühne ein beeindruckendes Tanzprogramm.
Es waren jedoch nicht nur die Schülerinnen und Schüler, die von den auftretenden Bands wie Yeomen und Ohrbooten begeistert waren. Auch die Projektleiterin Sanem Kleff tanzte während des Auftrittes der Ohrbooten mit Stephan Kramer und Aiman Mazyek, umringt von begeisterten Schülerinnen und Schülern.
AktionCourage-Vorstand dankt Sanem Kleff
Zum Ende der Veranstaltung versammelten sich alle Beteiligten auf der Bühne, und die Ohrbooten spielten als Abschluß der Veranstaltung eine Zugabe.
Brigitte Erler, Vertreterin des Vorstandes von Aktion Courage, Trägerverein von SOR-SMC, überreichte der Leiterin Sanem Kleff einen großen Blumenstrauß und dankte ihr für zehn Jahre hervorragende Arbeit in der Bundeskoordination.
Sie sagte: "Als Du, Sanem, damals die Arbeit übernommen hast, waren es fünfzig Schulen. Jetzt sind es 750. Vielen Dank dafür."



















