Das lernende Netzwerk

Projekte an der Schule

Landestreffen Berlin 2013. Foto: Aris Papadopoulos
Landestreffen Bayern 2014. Foto: Rolando Lemuria
Bundeskanzlerin Merkel zu Besuch an der Robert-Jungk-Oberschule in Berlin, 2014. Foto: Aris Papadopoulos

Beispiele und ein Wegweiser

Die nötigen Unterschriften unter das Selbstverständnis von Schule ohne Rassismus– Schule mit Courage einzusammeln, geht oft schneller als gedacht. Und schon bald ist die Titelverleihung mit der Schulpatin oder dem Schulpaten Geschichte, die Plakette fest an der Schulfassade angeschraubt. Aber damit ist eine Courage-Schule nicht am Ziel. Denn das unterschriebene Selbstverständnis enthält die Verpflichtung, (mindestens) einmal im Jahr ein Projekt durchzuführen.

Projekte sind das A und O einer Courage-Schule. Sie fördern den Zusammenhalt für das gemeinsame Anliegen und sind ein wichtiger Baustein auf dem Weg zum „Klimawandel in der Schule“. Workshops an Projekttagen bieten klassen- und jahrgangsübergreifende Informations- und Qualifikationsangebote. Sie werden häufig von externen ReferentInnen durchgeführt, die – da eure LehrerInnen ja nicht Alles wissen können – ExpertInnen für die angebotenen Themen sind.

Aber es geht nicht nur um die Vermittlung von Faktenwissen. Im Zentrum kann mehr als im ‚normalen’ Schulbetrieb auch die nonverbale Kommunikation stehen. Zum Beispiel bei sport- und kunstpädagogischen Angeboten wie einem Capoeira-, Rap- oder Graffiti-Workshop. Kunstpädagogische Angebote ermöglichen euch, auch den eigenen Gefühlen einen Ausdruck zu verleihen – ein wichtiger Schritt für den Austausch über Werte und Haltungen.

Mehr Zeit schafft mehr Austausch. Komplexe Themen brauchen ihre Zeit, wenn die Auseinandersetzung darüber in die Tiefe gehen soll. Zeit ist in der Schule aber meist knapp bemessen – ein Problem, mit dem alle Beteiligten umgehen müssen. Dennoch liegen die Vorteile mehrtägiger Veranstaltungen auf der Hand. Anliegen der Teilnehmenden können stärker in den Workshop einbezogen werden, es ist genügend Raum für Austausch zu offenen Fragen und eigenen Erfahrungen gegeben. Zu mehrtägigen Workshops können auch mal mehrere ReferentInnen eingeladen werden, die jeweils eigene Perspektiven und Schwerpunkte einbringen.



Landestreffen Bayern 2014. Foto: Rolando Lemuria
Fotoworkshop zum Thema Mobbing in Berlin. Foto: Sead Husic
Landestreffen NRW 2014. Fotos: SOR-SMC Archiv
Rapworkshop auf dem Landestreffen in NRW 2014.
Titelverleihung an die Stadt Unna 2014. Foto: Hellweger Anzeiger/Hennes

Ihr bestimmt, was geht

Es gibt keinen festen ‚Courage-Fahrplan’ für Projekttage. Und das ist auch gut so. Denn wichtig ist es, sich an Projekttagen mit den Themen und Diskriminierungen auseinander zu setzen, die an eurer Schule gerade aktuell sind oder euch unter den Nägeln brennen. Workshops und Themen sollen zu den konkreten Bedürfnissen der jeweiligen Schule passen. Aber es ist nicht verkehrt, sich mal die Formate und Beispiele, die in den letzten Jahren entwickelt, erprobt, weiterentwickelt und verbessert wurden, zur Orientierung anzuschauen. Viele Berichte darüber, was andere Schulen im Netzwerk tun, finden sich auch auf der Facebookseite und der Homepage der Bundeskoordination.

Wie so ein Projekttag aussehen kann, möchten wir am Beispiel der Gesamtschule in Schwerte beschreiben. Sie veranstaltet für alle SchülerInnen des 10. Jahrgangs einmal im Jahr einen ‚Jugendkulturtag gegen Rechts’. Mit Unterstützung des Fördervereins der Gesamtschule und anderen Förderern wurden zuletzt Workshops zu Themen angeboten wie ‚Die Rechte – eine ganz normale Partei oder Hitlers Erben?’, ‚Streetdance’, ‚The real Bushido / Kampfkunst mit Verstand’, ‚ Cyber-mobbing, Mobbing, Abzocke und rechte Propaganda im Netz’, ‚Parkour – quer durch den Großstadtdschungel’, ‚Wat’n Theater’, ‚Islam und Jugendkultur’, ‚Abenteuersport’ und ‚ SchLAu – Liebe, Sexualität und Partnerschaft’. Der Workshop ‚Auf den Spuren der neuen Nazis’ führte die Teilnehmenden nach Dortmund zu verschiedenen Schauplätzen neonazistischer Aktivitäten. Die Angebote wurden von externen TeamerInnen, aber auch von eigenen Kräften der Gesamtschule geleitet. Der 13. Jahrgang der Schule berichtete an diesem Tag über seine Fahrt in die Gedenkstätte des Konzentrationslagers Auschwitz.

Der Jugendkulturtag wird ergänzt durch das mehrstündige Projekt ‚Gefrierfleischorden’ – ein von Museumspädagogen entwickeltes und angeleitetes Rollenspiel für Gruppen zur Auseinandersetzung mit dem Thema Zwang und Herrschaft im Nationalsozialismus. Die SchülerInnen nehmen hier die Rollen von Zwangsarbeitern im 2. Weltkrieg ein, die den sogenannten „Gefrierfleischorden“ für die in Russland gefallenen Soldaten herstellen müssen. Das Spiel zeigt, wie schnell Menschen im nationalsozialistischen Wertesystem von Angst, Unterordnung, Macht und Zerstörung ihre Autonomie verlieren können. Im zweiten Teil des Projekts findet ein Gespräch mit einem Aussteiger aus der Neonaziszene über Strukturen, Ideologie, Musikformen und interne Codes der neuen Nazis statt.

Keine Angst, nicht immer müssen Projekttage so aufwendig sein. Wichtig bei eurer Planung ist: geht mit Elan und Visionen an die Planung der Projekttage an, aber überfordert euch und die Ressourcen eurer Schule nicht. Was in diesem Jahr nicht geht, klappt womöglich im nächsten Jahr. Meist haben auch kleinere Aktionen wie ein Flashmob zu einem Thema, eine Schulveranstaltung mit einem Zeitzeugen oder eine Lufttballonaktion zu einem Thema auch große Wirkung. Wichtig ist: Ihr bestimmt, was an euerer Schule möglich und notwendig ist.

Um euch bei der Organisation von Projekttagen zu unterstützen, haben SchülerInnen aus verschiedenen Courage-Schulen einen Weg-weiser verfasst, wie man erfolgreich einen Projekttag an der Schule organisieren kann:

Wegweiser zum Projekttag

  • Setzt euch als SOR-SMC AG am besten gemeinsam mit der Schülervertretung zusammen und legt das Thema eures Projekttages fest.

  • Sammelt Vorschläge zu inhaltlich passenden Workshops und Arbeitsgruppen.

  • Geht mit diesen Vorschlägen an die Schulleitung, um diese zu informieren und einen verbindlichen Termin für den Projekttag auszumachen. Auch wenn scheinbar kein passender Termin im laufenden Schuljahr gefunden werden kann, gebt nicht auf und sucht weiter. Am Ende wird es in der Regel klappen.

  • Informiert euch, welche ReferentInnen zu euren Workshops passen würden. Spätestens jetzt solltet ihr euch auch an die Landeskoordination von SOR-SMC in eurem Bundesland wenden. Hier könnt ihr wertvolle Tipps und Infos bekommen. Die Landeskoordinationen haben ein Netz von Kooperationspartnern mit ReferentInnen zu so unterschiedlichen Themen wie Cyber-Mobbing, Antisemitismus, Rassismus oder Homophobie.

  • Kontaktiert eure WunschkandidatInnen: Haben sie Zeit und Interesse? Benötigen sie ein Honorar? Manche Angebote der Kooperationspartner sind kostenlos, aber leider nicht alle.

  • Beratet euch gemeinsam mit der Landeskoordination und der Schulleitung über die Abdeckung der Kosten. Hier bietet sich eine Spendensammelaktion an. Zum Beispiel über den Verkauf von Kuchen und Brötchen in den Pausen oder auch ganz andere Aktivitäten. Nun sind die Formalitäten geklärt und es kann unter SchülerInnen und dem Lehrerkollegium publik gemacht werden. Das geht zum Beispiel über Plakate, Flyer, eure Schulzeitung, Facebook, Whatsapp, über persönliche Gespräche, das Schulradio oder auch über einen Brief an alle Klassen.

  • Klärt im Vorfeld die maximale Teilnehmerzahl für jeden Workshop, um eine Überfüllung eines Kurses zu vermeiden.

  • Nun werden die Workshops bekannt gegeben und die Schüler erhalten ein Schreiben, auf dem sie ihren favorisierten Kurs angeben. Um Alternativen zu bieten, sollten mehrere Wünsche abgegeben werden.

  • Nun geht es an die Feinplanung des Projekttages. Auf einem Treffen der Aktiven-Gruppe wird nun über viele Punkt entschieden: Wann geht es los? Wo treffen sich die TeilnehmerInnen? Wer begrüßt und betreut die schulfremden Gäste? Wo finden die Workshops statt? Sind die Räume ausgeschildert und mit benötigtem Material und der Technik  (Fernseher, Beamer, Video, CD-Player etc.)  ausgestattet?

  • Und wie sieht es mit der Verpflegung während des Projekttages aus?

  • Wie und durch wen (Schulsprecher, Schulleitung, Patin oder ein besonderer Gast) wird der Projekttag eröffnet und wie soll er wieder ausklingen?

  • Benötigt ihr dazu eine Musikanlage, Beamer, Mikrofone?

  • Den größten Teil der Arbeit habt ihr jetzt geschafft. Am Projekttag solltet ihr für die TeilnehmerInnen ständig zu erreichen sein, damit ihr bei möglichen Problemen und Fragen behilflich sein könnt. 

  • Nun bleibt nur noch zu hoffen, dass die SchülerInnen von den Angeboten viel lernen und mit Begeisterung den Tag genießen. Wenn alles getan ist, könnt ihr mit Stolz auf euren selbstorganisierten Projekttag zurückblicken.