Eine Europäische Idee macht Schule

Das Projektziel, die Struktur, die Akteure
Junge Menschen stehen traditionellen Organisationen wie Parteien, Kirchen oder Gewerkschaften oft kritisch gegenüber. Dies bedeutet aber nicht, dass sie nicht am gesellschaftspolitischen Leben teilhaben wollen.

Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage entfaltet sich dort, wo Kinder und Jugendliche bereits sind: an ihren Schulen. In ihrem unmittelbaren Lebensumfeld finden sich vielfältige Möglichkeiten, das Schulklima mitzugestalten, Ideen spontan zu entwickeln und eigenständig umzusetzen. Dies ist ein ungewöhnlicher Rahmen für Schulen in Deutschland. Er ermöglicht SchülerInnen, erste Schritte zur Beteiligung an integrativen Prozessen einzuüben und maßgeblich an der inhaltlichen Ausgestaltung der schulischen Menschenrechtsbildung mitzuwirken.

Erstmals entwickelten diese Vorstellung SchülerInnen und PädagogInnen Ende der 80er Jahre in Belgien. Vor dem Hintergrund der zunehmenden fremdenfeindlichen und rechtsextremistisch motivierten Gewalt erklärten sie ihre Schulen zu rassismusfreien Orten, eben zu einer „Schule ohne Rassismus“. Sie wollten dieses Ziel erreichen, in dem sie Kinder und Jugendliche dabei unterstützten, ihren eigenen Beitrag zur Entwicklung einer demokratischen Alltagskultur zu leisten.

Der Bonner Verein Aktion Courage e.V. übertrug 1995 die Idee von „Schule ohne Rassismus“ auf Deutschland. Bis 2000 war das Projekt im Bonner Büro des Vereins Aktion Courage e.V. angesiedelt und agierte überwiegend an Schulen in Nordrhein-Westfalen und dem benachbarten Niedersachsen.

„Schule ohne Rassismus“ entstand 1988 in Belgien. 1992 wurde der Ansatz auch in den Niederlanden übernommen. Nach der Übernahme der Idee für Deutschland (1995) kamen dazu noch Gründungen in Österreich (1999) und in Spanien (2002).

Gemeinsam ist „Schule ohne Rassismus“ in allen Ländern folgende Grundidee: Schulen, die sich dem Netzwerk anschließen, einigen sich in einer Selbstverpflichtung mehrheitlich darauf, aktiv gegen Rassismus vorzugehen. Diese Grundidee wird  wegen der andersartigen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und Schullandschaften in den einzelnen Ländern auf sehr unterschiedliche Weise umgesetzt.


Im Jahr 2000 machte das Projekt große Schritte. Die türkisch-deutsche Expertin für interkulturelle Pädagogik und Lehrerin Sanem Kleff übernahm die Leitung der Bundeskoordination, verlegte deren Sitz nach Berlin und entwickelte die heutige Organisationsstruktur.
Von nun an wurde die Bundeskoordination bundesweit aktiv.

Der Titel wurde – und dies ist mehr als ein Detail – erweitert. Er lautet nun: Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage. Der heutige Name unterstreicht, dass der Ansatz nicht ausschließlich den „klassischen Rassismus“ in den Blick nimmt, sondern alle Ideologien der Ungleichwertigkeit von Menschen.

Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage
orientiert sich dabei an der 2009 auch in Deutschland in Kraft getretenen Grundrechte-Charta der Europäischen Union. Dort heißt es: „Diskriminierungen, insbesondere wegen des Geschlechts, der Rasse [sic!], der Hautfarbe, der ethnischen oder sozialen Herkunft, der genetischen Merkmale, der Sprache, der Religion oder der Weltanschauung, der politischen oder sonstigen Anschauung, der Zugehörigkeit zu einer nationalen Minderheit, des Vermögens, der Geburt, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Ausrichtung, sind verboten.“

Letztendlich reicht es sicherlich nicht, alleine gegen menschenfeindliche Ideologien zu sein. Es geht vielmehr um das positive Ziel, das Schulklima nachhaltig so zu verändern, dass im Schulalltag die Stärkung von Zivilcourage gezielt gefördert wird und gegenseitige Achtung mit der Suche nach gemeinsamen Werten und Regeln einhergeht.

Um sich den Titel Schule ohne Rassismus-Schule mit Courage  zu holen, müssen sich mindestens 70 Prozent aller SchülerInnen, LehrerInnen und MitarbeiterInnen einer Schule mit ihrer Unterschrift zu den drei Punkten des Selbstverständnisses des Projektes bekennen. Sie verpflichten sich selbst dazu, Aktivitäten gegen Gewalt,  Diskriminierungen aller Art, insbesondere Rassismus durchzuführen und künftig nicht wegzuschauen, wenn derartiges geschieht.

Koordinieren, Vernetzen und Unterstützen
Die Berliner Geschäftsstelle der Bundeskoordination ist die zentrale Koordinierungsstelle des Netzwerkes. Sie gewährleistet, dass die Aktivität von Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage nicht als lokale Initiative einzelner Schulen wahrgenommen wird, sondern als eine nachhaltige europäische Idee, die deutschlandweit Kinder und Jugendliche vernetzt, qualifiziert und motiviert, sich aktiv gegen jede Form der Diskriminierung zu stellen.

Als erste Anlaufstelle für Interessierte Schulen, informiert sie diese über die Voraussetzungen für den Erwerb des Titels Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage, nimmt Schulen in das Netzwerk auf, versendet die Anerkennungsurkunden und die Schilder mit dem Logo für das Schulgebäude.

Um die Aktiven standortnah bei ihren selbst bestimmten Aktionen nachhaltig zu unterstützen, benennt die Bundeskoordination in den Bundesländern Träger der Landeskoordinierungsstellen. Diese können ganz unterschiedliche Organisationen sein. Dabei reicht die Bandbreite vom Kultusministerium über die Regionale Arbeitsstelle für Bildung, Integration und Demokratie (RAA) über das Netzwerk Demokratie und Toleranz bis zu Landeszentralen für politische Bildung.

Inhaltliche Unterstützung bei der Umsetzung der Projektideen erhalten die Schulen wiederum von den rund 300 außerschulischen Kooperationspartnern.

Zu dem Konzept von Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage  gehört auch, dass sich jede Schule eine Patin oder einen Paten sucht. Diese sind zumeist Personen des öffentlichen Lebens aus Politik, Sport, Kunst und Medien, welche die Jugendlichen motivieren oder diesen öffentliche Aufmerksamkeit in den Medien verschaffen.

Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage hat sich in den vergangenen 20 Jahren zu einer handlungsstarken, demokratischen Jugendbewegung entwickelt und bildet heute das größte Schulnetzwerk in Deutschland, indem bundesweit rund 2000 Schulen den Titel tragen.