Karlstadt - Das Wunder vom Main
Das unterfränkische Karlstadt wurde die erste Stadt bundesweit, in der sich alle Schulen gemeinsam dem Projekt Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage anschließen.
von Gerasimos Warmann
Am 07.07.07, einem Tag an dem in ganz Deutschland heiter geheiratet wurde, waren im unterfränkischen Karlstadt tausende Menschen auf den Beinen. Alle Schulen der Stadt, fünf an der Zahl, trauten sich und wurden gemeinsam zu Schulen ohne Rassismus - Schulen mit Courage ernannt.
Mit der Musikerin Sana Abdallah, dem Basketballer Robert Garrett, den Politikerinnen Simone Tolle und Heidi Wright, sowie den Gebrüdern Narr, der fränkischen Faschingscombo, standen gleich fünf "Trauzeugen" bereit. Auch sie trugen neben vielen engagierten Schülern, Lehrern und Eltern zum bunten Rahmenprogramm an allen Schulen bei, das von künstlerischen Darbietungen, über das leibliche Wohl, bis hin zu den verschiedenen Infoständen reichte.
Stefan Lutz-Simon, der Leiter der kürzlich gegründeten Landeskoordination Nordbayern, überreichte am Nachmittag die SOR-SMC Titel. Somit ist das unterfränkische Karlstadt die erste Stadt bundesweit, in der sich alle Schulen gemeinsam dem Projekt Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage anschließen.
Bei strahlendem Sonnenschein hatten Schüler, Gäste und Besucher anschließend die Möglichkeit in einer Menschenkette ihr Statement gegen Rassismus auch optisch abzugeben. Am frühen Abend ließen die Organisatoren den Projekttag mit Reggae-Musik ausklingen.
Schüler setzen ein Zeichen für Toleranz
Günter Roth für die Mainpost (veröffentlicht am 9.7.2007)
Mehrere tausend Schüler und Erwachsene zeigten mit einer doppelreihigen Menschenkette rund um das Schulzentrum ihre Entschlossenheit, gegen Diskriminierung und Rassismus in allen Bereichen einzutreten. Die Abschlussveranstaltung zum Projekt aller Karlstadter Schulen "Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage" (SOR – SMC)geriet auch dadurch zu einer absolut eindrucksvollen Veranstaltung.
"Es ist doch egal, ob einer Deutscher, Engländer, Türke, Kurde oder Araber ist. Wir sind alle Menschen und sollten doch eigentlich Freunde sein", sagte der türkische Schüler Kayhan und brachte damit den Grundgedanken der Veranstaltung auf den Punkt. Zusammen mit seinen Freunden war auch er dabei und fand den Nachmittag prima. Eigentlich, meinte sein Freund Baycan, gebe es zumindest in Karlstadt kaum größere Probleme. Er versicherte, auch sehr viele deutsche Freunde zu haben. Selbstverständlich haben sie ebenfalls die Erklärung der Aktion "Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage" unterschrieben.
Ausführlicher Artikel im Pressespiegel
Das Wunder vom Main
Der 8. Mai war ein ganz besonderer Tag für das unterfränkische Karlstadt, nahe Würzburg gelegen. An allen sechs Schulen der 15.000 Einwohner-Stadt fanden zeitgleich Projekte zum Thema "Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage" statt, an dem sich mehr als 500 SchülerInnen beteiligten.
Altersgerecht wurden den Schülern die verschiedenen Formen der Diskriminierung näher gebracht. Es wurde gemalt, gebastelt, musiziert und nicht zuletzt diskutiert. Fleißig am Werk waren sowohl Schülerinnen und Schüler, als auch Helfer von außen. Außerdem durften die designierten Patinnen des Projekts, das Mitglied des Bundestages Heidi Wright (SPD), sowie die grüne Landtagsabgeordnete Simone Tolle natürlich nicht fehlen. Tolle sprach sich vor Ort klar "für ein buntes, sich gegenseitig bereicherndes Miteinander, gegen den braunen Einheitsbrei" aus.
Das war der Auftakt zur Unterschriftenaktion von SOR-SMC, bei dem sich alle Karlstadter SchülerInnen zu einer couragierten, demokratischen Gesellschaft bekennen können.
Den Höhepunkt der Aktion wird das anlässlich der Titelverleihung stattfindende Sommerfest am 07.Juli 2007 sein, an dem alle Schulen der Stadt beteiligt sein werden.
Vor etwa zwei Jahren wurde die Idee zur „Karlstädter Aktion“ im Johann-Schöner-Gymnasium geboren. Acht SchülerInnen und drei Lehrer bildeten zunächst einen Arbeitskreis. Sie trafen den Botschafter Israels bei der israelischen Woche in München und besichtigten das KZ Dachau. Schritt für Schritt wurde der Weg in Angriff genommen, alle Karlstädter Schulen zu einer SOR-SMC zu machen. Vor allem der Kollegstufenschülerin Eva Riedmann ist es zu verdanken, dass mittlerweile alle Karlstädter Schulen an einem Strang ziehen. Somit ist die Kreisstadt am Main auf bestem Wege zu einem leuchtendem Beispiel für ein antirassistisches Schulnetzwerk in einer Kommune zu werden.
Gerasimos Warmann







