Unsere Stadt ohne Rassismus

Wie wäre es, wenn sich nicht nur Eure Schule, sondern Eure ganze Stadt verpflichten würde, sich engagiert gegen jede Form von Diskriminierung einzusetzen. Ist das nur ein Traum?

 

In Chemnitz und in Bremen arbeiten Schülerinnen und Schüler aus SOR-SMC-Schulen im Augenblick daran, das Unmögliche wahr zu machen. Sie erarbeiten eine Antidiskriminierungsagenda, für die sie dann in der Bevölkerung von Chemnitz und Bremen um breite Unterstützung werben. Geht alles gut, soll anschließend möglichst eine Zwei-Drittel-Mehrheit im städtischen Parlament gewonnen werden, damit die Antidiskriminierungsagenda nicht nur ein Stück Papier bleibt, sondern das Handeln in der Stadt verändert.

 

Vom 1. Oktober 2004 bis zum 30.April 2006 sorgt das Projekt "Unsere Stadt ohne Rassismus" für große Aufmerksamkeit. Es ist ein Projekt der Bundeskoordination, von "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" (SOR-SMC), das in Kooperation mit der Bundeszentrale für politische Bildung, "Projekt P - Misch dich ein" und dem Entimon-Projekt "SOR-SMC-Schulen stärken demokratiefördernde Netzwerke" durchgeführt wird.

 

Hauptakteure des Projekts sind Schülerinnen und Schüler aus Schulen in Bremen und Chemnitz. Einige dieser Schülerinnen und Schüler sind ja bereits an einer "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" und haben sich somit für ein Engagement gegen Rassismus und Diskriminierung entschieden. Andere wiederum wollen in Zukunft eine "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" werden. Warum dann nicht gleich auf diesem Wege?!

 

Der Projektansatz

Das Projekt bietet Schülerinnen und Schülern die einmalige Chance, Schritt für Schritt die Prinzipien und das Selbstverständnis von "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" auf ihre Kommune zu übertragen. Das heißt: sie sind dazu aufgefordert, das Schulgebäude zu verlassen und in ihrer Stadt und ihrem Stadtparlament für die Idee einer antirassistischen Agenda zu werben. Wie diese Agenda im Verlauf des Projekts aussehen wird, ist von den lokalen Gegebenheiten, den notwendigen Veränderungen innerhalb der Kommune und den Schwerpunkten und Interessen der Schülerinnen und Schüler abhängig. Um die Antidiskriminierungsagenda auf kommunaler Ebene durchzusetzen, sind die Schülerinnen und Schüler auf die Unterstützung der Bürgerschaft und der kommunalen Politikerinnen und Politiker angewiesen, die sie für eine Partnerschaft gewinnen sollten.

 

Netzwerkarbeit

Tatkräftige Unterstützung bieten außerdem lokale Vereine, Initiativen, Jugendverbände und weitere bundesweite und lokale Projekte, die das Anliegen der lokalen Jugend auch als das ihre ansehen. Netzwerke aufzubauen heißt schließlich auch mit gebündelter Energie einen gemeinsamen Willen durchzusetzen. Die Politikerinnen und Politiker aus den Stadtparlamenten sollten sich diesem Netzwerk ebenfalls anschließen.

 

Umsetzung des Projekts

Im Prinzip ist das Projekt eine Übertragung der Schritte zu einer "Schule ohne Rassismus- Schule mit Courage" auf eine ganze Stadt. Dass heißt, dass die Schülerinnen und Schüler der verschiedenen städtischen Schulen zunächst ihr Anliegen formulieren und es an die Öffentlichkeit bringen, so dass alle relevanten Bezugspersonen in der Kommune über das Projekt informiert sind. Währenddessen entwickeln sich die ersten Netzwerke und die Schülerinnen und Schüler kommen in Kontakt mit zahlreichen Gleichgesinnten oder vielleicht auch Widersacher/innen.

 

Die Formulierung der Antidiskriminierungsagenda ist innerhalb eines längeren Prozesses der Themenfestlegung und des Kenntniserwerbs um die Formen der Diskriminierung und die Möglichkeiten der Umsetzung auf die kommunale Ebene eingebettet. Diese sind als Teilziele anzusehen, die sich im Laufe der Projektphase entwickeln.  Zudem legen  die Arbeitsgruppen ihre spezifischen Arbeitsschwerpunkte fest, die Politik, Öffentlichkeitsarbeit, Vernetzung, Sponsoring und Eventorganisation umfassen.

 

Die Vorschläge und Eingaben an die ParlamentsvertreterInnen werden in einem nächsten Schritt auf der Grundlage der Antidiskriminierungsagenda als Forderungen aufgestellt und durch eine entsprechende Öffentlichkeitsarbeit publik gemacht.

 

Zum Ende der Projektarbeit hin sollte dann im besten Fall ein Beschluss des Stadtparlaments stehen, bei dem sich mindestens 70 Prozent der Vertreterinnen und Vertreter auf die Antidiskriminierungsagenda der Schülerinnen und Schüler einigen.

 

Im Rahmen des Projekts werden die Schülerinnen und Schüler von der Bundeskoordination unterstützt. Die in Bremen und Chemnitz gesammelten Erfahrungen werden im Rahmen des Entimonprojektes "SOR-SMC-Schulen stärken demokratiefördernde Netzwerke" Schülerinnen und Schülern aus anderen Städten zur Verfügung gestellt. Dazu führt die Bundeskoordination entsprechende Workshops und Informationsveranstaltungen durch. Im Dezember 2005 veröffentlicht die Bundeskoordination in Kooperation mit dem Presse- und Informationsamt der Bundesregierung eine Zeitung, in der beispielhafte Ansätze lokaler Netzwerkarbeit von SOR-SMC-Schulen vorgestellt werden. Diese Zeitung wird bundesweit erscheinen.

 

Teilziele des Projekts

Innerhalb des Projektvorhabens kommen die Schülerinnen und Schüler mit einer Vielfalt von unterschiedlichen Themen, neuen Menschen und Institutionen, aber auch neuen Herausforderungen und Konflikten in Berührung.

 

Die Teilziele des Projekts können in drei Kategorien unterteilt werden.

 

1. Die politische Ebene

 

Die Schülerinnen und Schüler lernen alle politischen Partizipationsformen entsprechend dem Grundgesetz kennen. Sie trainieren anhand der Auseinandersetzung mit den Antidiskriminierungsrichtlinien und der Gestaltung ihres Aktionsplanes ihre politischen Kenntnisse einzuschätzen, ihr Wissen bezüglich des politischen Systems zu erweitern sowie ihre Vorstellungen von Politik und ihrer Rolle im Rahmen des politischen Systems der Bundesrepublik Deutschland und der Europäischen Union einzuschätzen und sich darin einzubringen. Politik wird dabei als konkreter alltäglich erfahrbarer Lebensbereich verstanden. Dies geschieht anhand der Beschäftigung mit politischen Themen, die die Jugendlichen bewegen und dem Aufbau von Kontakten zu kommunalen politischen und zivilgesellschaftlichen Akteuren, wie beispielsweise den VertreterInnen der Stadtparlamente, den Gewerkschaften und verschiedener Vereine.

 

Die Fokussierung des Projekts auf die kommunale Ebene, wird durch die Auseinandersetzung mit der Länder- und Bundesebene in Verbindung gesetzt und diskutiert. Zudem findet eine detaillierte Beschäftigung mit dem Themenfeld der Antidiskriminierungsarbeit statt. Sowohl die EU-Richtlinien, wie auch die umstrittene Gesetzesvorlage der Bundesregierung und die Stellungnahmen namhafter Nichtregierungsorganisationen werden jugendgerecht vermittelt, so dass die Jugendlichen eine fundierte Basis für ihre eigene Agenda entwickeln können.

 

Auch die Medien als Vermittler politischer Informationen und der öffentlichen Meinungen werden thematisiert und die Möglichkeiten der Mitwirkung von Jugendlichen als Medien- und PR-Macher im Rahmen des Projekts angewandt.

 

Einen weiteren Themenbereich bildet die Auseinandersetzung mit der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland sowie der Deutschen Demokratischen Republik und der Wiedervereinigung. Die verstärkte Präsenz von rechten und rechtsextremistischen Parteien, Gruppierungen und Einzelpersonen, deren Existenz die Schülerinnen und Schüler nicht selten unmittelbar betrifft, ist ein weiterer eigenständiger Themenbereich, den wir in Rahmen des Projektes aufgreifen.

 

Durch die Einbeziehung politisch engagierter, aber nicht unmittelbar in politische Aktivitäten involvierter Personen und Unternehmen, lernen die Schülerinnen und Schüler Menschen kennen, die ihr Vorhaben maßgeblich mit unterstützen.

 

2. Die schulische Ebene

 

Die an dem Projekt beteiligten Schülerinnen und Schüler sind aufgrund ihrer schulischen Einbindung an das Projekt "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" bereits durch zahlreiche schulinterne und externe Aktivitäten mit dem Selbstverständnis einer "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" in Berührung gekommen. Durch das Teilprojekt "Unsere Stadt ohne Rassismus" können sie ihr bisher zumeist schulinternes Engagement nun auf die kommunale Ebene ausweiten. Das bedeutet auf schulischer Ebene für die Jugendlichen, mit Jugendlichen aus anderen Schulen, die den Titel "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" tragen oder/ und ihn erwerben wollen, in Kontakt zu treten, langfristige Kooperationen aufzubauen und gemeinsam an einer Projektidee zu arbeiten. Dabei lernen sich Schülerinnen und Schüler aus unterschiedlichen Schulformen, Klassenstufen und sozialen Kontexten kennen, mit allen Herausforderungen, Überraschungen und Konflikten, die damit einhergehen - sowohl auf städtischer Ebene als auch auf der Ebene des Zusammentreffens von Ost- und Westschulen.

 

Aufgrund starker Umstrukturierungen in den Schulen sowohl im Land Sachsen wie auch im Land Bremen, lernen die Schülerinnen und Schüler zudem die Auswirkungen finanz- und bildungspolitischer Entscheidungen zu verstehen und/oder gegebenenfalls sich für ihre Interessen stark zu machen und zu organisieren.

 

3. Die individuelle Ebene

 

Im Rahmen des Projekts machen die Jugendlichen zahlreiche neue Erfahrungen, die ihnen die Möglichkeit bieten, sich mit ihrer eigenen Person und ihrer Rolle in ihrem spezifischen Milieu sowie in der Gesellschaft reflektierend zu beschäftigen.

 

Die Einbeziehung der "Anderen", derer also die von Diskriminierung betroffen sind, bedeutet auch eine Beschäftigung mit sich selbst und der eigenen Sozialisation.

 

Unterschiedliche Lesarten und Meinungen, beispielsweise bezüglich des Antidiskriminierungsgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland, der Einbeziehung homosexueller MitschülerInnen in das Projekt,  stereotyper Vorstellungen bezüglich Menschen mit Migrationshintergrund, die nach wie vor vorhandenen Diskrepanzen zwischen Ost- und Westdeutschen und viele weitere zumeist emotional besetzte Lebensbereiche und Selbstkonstruktionen tauchen in den Diskussionen mit den Jugendlichen immer wieder auf.

 

Gerade diese individuelle Ebene ist es, die in besonderem Maße beachtet werden muss und sich nur durch langfristige und kontinuierliche Arbeit mit allen beteiligten Akteuren entwickeln kann.

 

Liste der SOR-SMC-Schulen in Bremen und Chemnitz.

 


Druckversion der Seite Seite drucken


Pressespiegel Aktuell

12.03.10

kreiszeitung.de: Ohne Engagement kein Titel

"Schule ohne Rassismus": Aktivitäten am Ratsgymnasium haben nachgelassen


10.03.10

Rotenburger Rundschau: Mit Schutz von den Älteren

Wümmeschule: Patenschaften helfen bei Gewaltproblemen


10.03.10

nh24: Rock mit Courage - SV-Konzert in der Burg

Die Veranstaltung, bei der vier junge Bands für gute Musik und Stimmung sorgen, steht unter dem...


08.03.10

Magdeburger Volksstimme: Magdeburgs Kulturlandschaft ist reicher als die Stadtkasse

Wie der Fachausschuss des Stadtrats die Fördermittel für Projekte Freier Träger verteilt


04.03.10

Donaukurier: Motto für 2011: "Neue Wege zum Miteinander"

Interkulturelle und interreligiöse Wochen wird es heuer in Pfaffenhofen nicht geben.Im...


03.03.10

Coburger Tageblatt: "Niemand sagt: Tritt in die NPD ein!"

Theater Im Rahmen des Projekts "Schule ohne Rassismus" am Gymnasium Ernestinum soll das Stück...


26.02.10

kreiszeitung.de: "Es ist schön, etwas bewegt zu haben"

"Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage" in Dörverden: Titelverleihung mit Kultusministerin...


26.02.10

Weser Kurier: Schulzentrum setzt Zeichen gegen Neo-Nazis

Auszeichnung mit Titel "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage"


26.02.10

Freie Presse: Keine Eintagsfliege - Titel verpflichtet dauerhaft

Evangelische Mittelschule Schneeberg sagt Rassismus und Gewalt den Kampf an


22.02.10

Der Westen: Schulverweis für Mobbing und Co.

Engagiert jeglichem Rassismus entgegenzutreten – das ist das Ziel des SV-Teams am...


02.02.10

Neues Deutschland: Journalistenpreis, Rechtsextremismus im Spiegel der Medien

Bei der Gala präsentierten zudem stellvertretend für die rund 50 Schulen ohne »Rassismus und mit...


29.01.10

Gießener Allgemeine: Ehemalige Zwangsarbeiterin berichtet an TKS Grünberg

Seit 1996 trägt die Theo-Koch-Schule Grünberg den Titel »Schule ohne Rassismus«, letztlich Ergebnis...


28.01.10

Gießener Anzeiger: Lebensgeschichte in Aula präsentiert

Zeitzeugin berichtete über Zwangsarbeit in Deutschland. Die Theo-Koch-Schule ist seit vielen Jahren...


28.01.10

Hellweger Anzeiger: Holzwickede ist die dritte Gemeinde mit Courage

Am Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus wurde Holzwickede gestern zur Gemeinde ohne...



Trägerverein
Logo Aktioncourage

SOR-SMC T-Shirts und Portemonnaie bestellen