Making Of Q-rage - November 2006

Die zweite Ausgabe der Zeitung der Bundeskoordination von SOR-SMC

 

Im Herbst 2006 haben 16 SchülerInnen aus SOR-SMC-Schulen die zweite Ausgabe von Q-rage erstellt. Sie ist am 30. November bundesweit in einer Auflage von 100.000 Exemplaren erschienen und lag unter anderem der tageszeitung (taz) bei.

 

Los ging es mit einem Wochenendseminar vom 15. bis 17. September in Berlin. 16 SchülerInnen aus Hennigsdorf, Oranienburg, Chemnitz, Berlin, Bremen, Rastede, Schleusingen und Glauchau/ Sachsen kommen in Berlin zusammen. Sie tagen in der Kreuzberger Adalbertstraße 23a im Nachbarschafts- und Begegnungszentrum der Arbeiterwohlfahrt, um zu beratschlagen, wie die Zeitung aussehen und was in der Zeitung stehen soll.

 

Am Spätnachmitag, des 15. September beginnt das Abenteuer bei strahlendem Sonnenschein mit der Vorstellung des Zeitungsprojektes durch die Projektleiterin von SOR-SMC Sanem Kleff und dem Geschäftsführer Eberhard Seidel. Um eine möglichst professionelle Zeitung zu erstellen, erklären sich JournalistInnen bereit, die SchülerInnen als Mentoren bei der Produktion zu unterstützen. In einem Einstiegsreferat informiert Christian Füller, Bildungsredakteur der tageszeitung / taz, zum Thema: "Wie stellt man eine Zeitung her? Was muss man beachten? Tricks, Kniffs und anderes Mehr". Seine wichtigste Botschaft: "Versucht so einfach und verständlich zu schreiben, dass Eure Großmutter versteht, was Ihr mitteilen  wollt."

 

Bevor es an die Planung der Zeitung und der einzelnen Artikel geht, stellt Jörg Kohn, Chef-Layouter der taz, klar: "Ihr könnt noch so schöne Artikel schreiben, wie ihr wollt, wenn das Layout und die Bebilderung nicht stimmen, legt der Leser Eure Zeitung ganz schnell weg." Gemeinsam mit dem Fotojournalisten Metin Yilmaz vermittelt Kohn der Redaktionsgruppe, wie wichtig die visuelle Gestaltung einer Zeitung ist.

 

Bereits am ersten Abend beschließt die Gruppe, dass die diesjährige Ausgabe von Q-rage nicht nur vom Inhalt, sondern auch von der äußeren Form her etwas Besonderes sein sollte. Statt im normalen Hochformat einer Zeitung wird Q-rage in einem um 90 Grad gedrehten Querformat erscheinen. Denn, so die Überlegung der BlattmacherInnen, das wird die LeserInnen bereits im ersten Moment irritieren und neugierig auf das Produkt machen.

 

Dann wird es ernst. Am Nachmittag und am Abend des 16.09. wird leidenschaftlich darüber diskutiert: Was wollen wir mit der Zeitung erreichen? Welche Themen und Artikel sollten unbedingt darin stehen? Wer arbeitet mit wem in den nächsten Wochen an der Erstellung dieses oder jenes Artikels? Am Abend herrscht eine gelassene Stimmung und jeder hatte das Gefühl, die fertige Zeitung schon vor dem inneren Auge zu sehen. Am Abend besucht die Gruppe die "Rote Harfe", ein Lokal im Kreuzberger Kiez SO 36. Vor allem die angereisten TeilnehmerInnen sind beeindruckt über die lässige Stimmung in einem Viertel, dass sie bisher nur vom Hörensagen kennen. Sie entspricht so gar nicht den Medienbildern über gewalttätige Jugendgangs und Randale am 1. Mai.

 

Ausgeschlafen und voller Elan trifft sich die Gruppe am Morgen des 17.09.  zu einer weiteren Redaktionssitzung. Inzwischen ist klar, an welchen Artikeln die SchülerInnen in den nächsten Wochen arbeiten wollen. Unter anderen soll aus Chemnitz ein Bericht über den Kampf der Jugendlichen für die Einrichtung eines Jugendparlaments erscheinen. Eine Berliner Gruppe will sich mit dem politischen Streit um den Bau einer Moschee beschäftigen. Auch aus Bremen soll es eine Geschichte zum Verhältnis Muslime und Mehrheitsgesellschaft geben. Aus Pirna wird es einen Report zu der Dominanz der rechten Jugendszene und über die Schwierigkeiten antirassistischer Arbeit im Süden Sachsens geben. Und wie sieht die Lage der Jugendlichen in Oranienburg unweit von Berlin aus? Und die Arbeit von Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage AGs in Rastede oder Bremen?

 

Bevor alle wieder nach Hause fahren, werden letzte Verabredungen getroffen, was in den sieben Wochen bis zum zweiten Wochenendseminar zu erledigen ist. Bis dahin wird zwischen den SchülerInnen und den MentorInnen viel telefoniert und gemailt. Textentwürfe diskutiert, modifiziert oder gar verworfen.

 

Voller Spannung kommt die Redaktionsgruppe vom 03.11. bis 05.11. zu einem weiteren Wochenendseminar in Berlin zusammen. Eberhard Seidel von der Bundekoordination ist reichlich nervös. Er hat den Eindruck, dass bislang zu wenige Texte fertiggestellt sind und überlegt sich bereits klammheimlich, ob nicht besser nur acht anstatt der geplanten zwölf Seiten produziert werden sollten. Er hat die Rechnung  aber ohne die Leidenschaft der JungredakteurInnen gemacht. Bereits am ersten Abend wird bis in die späten Abendstunden an den Texten gefeilt, Interviews abgetippt, bereits scheinbar fertige Texte mit Unterstützung der Mentoren redigiert.

 

Bereits am Mittag des 04.11. steht fest: Es gibt eine ganze Reihe hervorragender Texte. Und, das ist die große Überraschung. Nicht jeder wird Platz in der Ausgabe finden.  Enttäuschungen bleiben nicht aus. Aber auch das gehört zu einer Zeitungsproduktion: Die Entscheidung, welcher Text in welcher Länge ins Blatt kommt. Liegt es daran, dass überwiegend junge Frauen die Zeitung machen? Auch unangenehme Entscheidungen werden sachlich und ruhig diskutiert. Keine bitteren Enttäuschungen, keine Wutausbrüche, keine stillen Tränen. 

 

Zum Abschluss des zweiten Wochenendes präsentiert Jörg Kohn das Layout-Konzept, dass er nach Vorschlägen der SchülerInnen entworfen hat. Es stößt auf einhellige Zustimmung. Auch hat sich die Gruppe inzwischen auf ein außergewöhnliches Fotokonzept geeinigt. Im Mittelpunkt stehen Fotos von Metin Yilmaz, die er in den letzten 18 Monaten bei Aktivitäten der Bundeskoordination von Schule ohne Rassismus –Schule mit Courage gemacht hat.

 

Zufrieden und glücklich trifft sich die Redaktionsgruppe am Sonntag morgen zur letzten Runde. Wie geht es nun weiter? Wer kommt am 18.11. zur Endproduktion in die taz? Wer verteilt wie viele Exemplare von Q-rage in seiner Stadt?

 

Ab 11.00 Uhr am 18.11. treffen sich sechs Redakteure mit ihren Mentoren und dem Layouter Jörg Kohn in der taz in Berlin, um die Zeitung technisch fertigzustellen. Überschriften, Zwischenüberschriften und Unterzeilen müssen getextet werden. Manche Texte sind zu kürzen. Bei anderen werden die letzten aktuellen Informationen eingearbeitet. Gegen 21.00 Uhr schaltet Jörg erschöpft und zufrieden die Maschinen aus. Die Zeitung steht.

 

Die erste Ausgabe von Q-rage erschien am 8. Dezember 2005.


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