Making Of Q-rage

Die erste Ausgabe der Zeitung des größten Schülernetzwerkes in Deutschland

 

Im Herbst 2005 haben SchülerInnen aus SOR-SMC-Schulen erstmals gemeinsam eine Zeitung produziert. Sie ist am 8. Dezember bundesweit in einer Auflage von 100.000 Exemplaren erschienen und lag unter anderem der tageszeitung (taz) bei.

 

Los ging es mit einem Wochenendseminar am 7. bis 9. Oktober 2005 in Chemnitz

 

17 SchülerInnen aus Chemnitz, Berlin, Bremen, Verden und Gemünden kamen in Chemnitz zusammen, um zu beratschlagen, wie die Zeitung aussehen und was in der Zeitung stehen soll. 

 

Alle Redaktionsmitglieder besuchen SOR-SMC-Schulen und sind in ihren Städten politisch aktiv. Die SchülerInnen aus Bremen und Chemnitz beteiligen sich seit Anfang 2005 an dem Projekt der Bundeskoordination "Unsere Stadt ohne Rassismus". Sie erarbeiten eine Nichtdiskriminierungsagenda für ihre Stadt und wollen in den nächsten Monaten für diese eine Zwei-Drittel-Mehrheit in ihren städtischen Parlamenten gewinnen. In Verden und in Gemünden/ Lohr beteiligen sich die SchülerInnen an Bündnissen gegen die Aktivitäten der NPD und rechter Kameradschaften. In Berlin setzen sich die SchülerInnen für das Bleiberecht von Flüchtlingen ein und engagieren sich gegen die Diskriminierung auf Grund der sexuellen Orientierung.

 

Los ging es am Freitag, den 7.10. mit der Vorstellung des Zeitungsprojektes "Unsere Stadt ohne Rassismus" durch die Projektleiterin von SOR-SMC Sanem Kleff und dem Geschäftsführer Eberhard Seidel. Um eine möglichst professionelle Zeitung zu erstellen, erklärten sich JournalistInnen bereit, die SchülerInnen als Mentoren bei der Produktion zu unterstützen. In einem Einstiegsreferat am frühen Morgen des 8.10. informierte Christian Füller, Bildungsredakteur der tageszeitung / taz, zum Thema: "Wie stellt man eine Zeitung her? Was muss man beachten? Tricks, Kniffs und anderes Mehr". Seine wichtigste Botschaft: "Eine Thema ist noch keine Geschichte! Denkt darüber nach, wie ihr eure Themen darstellen wollt, welche journalistische Form die geeignetste ist." 

 

Anschließend stellte sich das Mentorenteam der Profis den SchülerInnen vor. Redaktionelle Unterstützung erhielten sie von: Katrin Gottschalk, Redakteurin vom Spiesser - die Jugendzeitschrift aus Dresden; Tom Lehmann vom Stadtmagazin Chemnitz 371; Christian Füller, Bildungsredakteur der taz;  Onur Kömürcü, Mitarbeiterin der Bundeskoordination von SOR-SMC und Eberhard Seidel.

 

Bevor es an die Planung der Zeitung und der einzelnen Artikel ging, stellte Jörg Kohn, Chef-Lay-Outer der taz, klar: "Ihr könnt noch so schöne Artikel schreiben, wie ihr wollt, wenn das Lay Out und die Bebilderung nicht stimmen, legt der Leser euere Zeitung ganz schnell weg." Gemeinsam mit dem Bildjournalisten Metin Yilmaz vermittelte Kohn der Redaktionsgruppe, wie wichtig die visuelle Gestaltung einer Zeitung ist. 

 

Nachdem über einige Grundbegriffe des Zeitungsmachens geredet war, wurde es ernst. Stundenlang wurde am Nachmittag und am Abend des 8.10. darüber diskutiert: Was wollen wir mit der Zeitung erreichen? Welche Themen und Artikel sollten unbedingt darin stehen? Wer arbeitet mit wem in den nächsten Wochen an der Erstellung dieses oder jenes Artikels? Zu später Stunde des 8.10. war zwar in etwa klar, welche Artikel geschrieben werden sollen, aber die Stimmung war angespannt. Manche zweifelten, ob das alles zu schaffen sei. 

 

Mehr oder weniger ausgeschlafen traf sich die Redaktionsgruppe am Morgen des 9.10. zu einer weiteren Redaktionssitzung. Die Spannung des Vorabends war verflogen und mit frischem Elan erarbeiteten die RedakteurInnen in Arbeitsgruppen Ideen, wie sie ihre Artikel in den nächsten Wochen umsetzen wollen. Gegen Mittag war sich die Redaktionsgruppe einig: Aus Chemnitz soll ein Report über die rechte Jugendszene verfasst werden und ein Bericht über das Treiben rechter Burschenschaften an den Schulen. Eine Berliner Gruppe will sich mit dem Bleiberecht von jugendlichen Flüchtlingen beschäftigen, eine andere Gruppe mit der Medienberichterstattung in Deutschland zu Diskriminierung und zu Rechtesextremismus. Drei Schülerinnen drängen darauf, sich kritisch mit der Patriotismusdebatte in Deutschland auseinanderzusetzen. Die Verdener wollen sich den Konflikten zwischen Antifas und Bürgerlichen im lokalen Bündnis gegen Rechtsextremismus widmen. Andere wollen bunte Elemente, die die Leser unterhalten und nicht nur schwere Kost vorsetzen. Klar war auch, dass ein großer Artikel zu den Bremer und Chemnitzer Projekt "Unsere Stadt ohne Rassismus" in der Zeitung stehen muss.

 

Am Schluss des Wochenendseminars wurden die Telefonnummern und die Emailadressen ausgetauscht, um bis zum nächsten Seminar fünf Wochen später in Bremen (11. bis 13.11.) ständig in Kontakt zu bleiben.

 

Die fünf Wochen zwischen den Seminaren in Chemnitz und Bremen waren die spannendsten des Projektes. Werden die SchülerInnen es schaffen, ihre Ideen umzusetzen? Ihre Texte bis zur Deadline hinkriegen? Wer wird abspringen, weil ihm das doch alles zu anstrengend ist? Viel wurde in diesen Wochen zwischen den SchülerInnen und den MentorInnen telefoniert und gemailt. Textentwürfe diskutiert, modifiziert oder gar verworfen.

 

Voller Spannung kam die Redaktionsgruppe vom 11. bis 13.11. zu einem Wochenendseminar in Bremen zusammen. Verstärkt wurde die Redaktionsgruppe durch zwei weitere SchülerInnen, Anna Schüler aus Chemnitz und Alex Freier aus Berlin.

 

Bereits am Abend des ersten Tages traf sich die Textredaktion, um die vorliegenden Texte zu sichten und einen Seitenplan zu erstellen. Eine schwierige Diskussion. Hochprofessionell legten die SchülerInnen fest, was die Aufmachergeschichte ist, zu welchen Themenschwerpunkten die Texte gebündelt werden und was keinen Platz im Blatt finden wird. Parallel dazu tagte die Lay Out - Gruppe, die wichtige Fragen diskutierte und festlegte: Wie soll die Zeitung aussehen? Welchen Schrifttypus nehmen wir, wie sieht die Bebilderung aus? Und wie wird das Kind, die Zeitung, eigentlich heißen?

 

Am Morgen des 12.11. informierten sich die Textredaktion und die Lay Out - Gruppe über die am Vorabend gefällten Richtungsentscheidungen. Noch stand ein Problem an - es gab immer noch keinen Namen für die Zeitung. In einer hitzigen Diskussion und einem spannenden Gruppenprozess stand irgendwann der Name "Q-rage" im Raum. Alle fanden ihn gut. Nun war der Weg frei, sich nach dem Mittagessen an die Endproduktion der Texte zu machen. Während die Lay-Out-Gruppe mit dem Cheflayouter Jörg Kohn Form und Länge der einzelnen Artikel festlegte, verteilten sich die AutorInnen mit den Mentoren in stille Ecken der Jugendherberge an der Weser und redigierten und feilten an den Texten.

 

Das Abendbrot wurde serviert, aber noch war nicht abzusehen, wann die Artikel fertig sein werden. Die Redaktionsgruppe merkte: Zeitungmachen kann weh tun. Nach einer kurzen Pause saß die Redaktion wieder vor ihren Rechnern und die Köpfe rauchten. Gegen 22:30 Uhr war es soweit. Die Texte standen, waren von "Unbeteiligten" gegengelesen und für gut befunden. Die Rechner wurden ausgeschaltet.

 

Erschöpft traf sich die Redaktionsgruppe am Sonntag morgen zur letzten Runde. Wie geht es nun weiter? Wer kommt am 26.11. zur Endproduktion ins Lay Out der taz? Wer verteilt wie viele Exemplare von Q-rage in seiner Stadt? Wer vermittelt den in den USA lebenden Illustrator Peter O. Zierlein, was die Motive der Illustrationen sein sollen, die er für Q-rage erstellen soll? Nachdem alles gesagt und geplant war, stieß die Redaktion mit Sekt und Selters erleichtert an. Nun wusste jeder: Wir haben es geschafft. Q-rage wird es am 08.12. 2005 geben.

 

Am 26.11. trafen sich drei Schülerinnen mit ein paar Mentoren und dem Lay Outer Jörg Kohn in der taz in Berlin, um die Zeitung technisch fertigzustellen. Ein paar Tage später die SchülerInnen in Chemnitz, um den Vertrieb der Zeitung für den 8. Dezember zu planen. 


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