Alle Fotos: Metin Yilmaz

Making Of Radio Q-Rage - 30.10.-04.11.2007 in Berlin

Die meisten Teilnehmer des Workshops kommen aus Berlin und haben damit keinen weiten Weg zu der Jugendbildungsstätte, die anderen treffen sich um halb vier am Ostbahnhof wo sie von Markus und Eva abgeholt werden. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln begeben sie sich jetzt in den Bezirk Treptow-Köpenick, über den sie im Laufe der nächsten Woche eine einstündige Radiosendung produzieren werden.

 

Nachdem alle angekommen sind und ihre Zimmer bezogen haben, treffen wir uns zum ersten Mal alle zusammen in dem Seminarraum, wo Ingo uns einen Ausblick auf den Verlauf der Arbeitswoche gibt. Ingo, Thomas, Eva und Markus sind die Betreuer. Sie haben alle auch etwas mit Radio zu tun und werden uns durch den Workshop führen.

 

Am nächsten morgen geht es gleich mit der Arbeit los. Wir teilen uns in vier Gruppen ein. Schnitt, Interviewtechnik, Schreiben fürs Radio und Recherche. Der Vormittag wird in den Workshops verbracht. Am Nachmittag werden dann die Themen festgelegt und wir bereiten uns auf die Exkursionen am nächsten Tag vor. Jetzt kann jeder sein neu hinzugewonnenes Wissen mit einbringen. Nur die Leute vom Schnitt müssen bis zum Schluss auf ihre Aufgabe warten.

 

Um 10 Uhr soll das erste Interview beginnen. Der Bezirksverordnete Dirk Retzlaff kommt zu uns. Lee, Ugur, Caro und Pascal werden ihn interviewen. Für die anderen beginnt es erst später. Die Café-Beauftragten Dorothee, Paul, Pauline und Samuel haben ihren Termin mit der Sozialarbeiterin Conny Heidrich um 13 Uhr.

 

Ein anderer Zielort für Recherchen zum Thema Treptow-Köpenick ohne Rassismus ist das Zentrum für Demokratie. Steffi, Steven und Tobias werden dort dem Mitarbeiter Björn Malycha ihre Fragen stellen.

 

Nicht fehlen darf auch die Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus. Max, Patrick, Leonie und Maria empfingen Matthias Müller in unserem Seminarraum und interviewten ihn. Am Abend sind alle sehr geschafft aber auch zufrieden mit ihren Ergebnissen. Diese tauschen wir noch aus, bevor es Abendessen gibt.

 

Der nächste Tag steht ganz im Zeichen der Beitragsproduktion. Um im Zeitplan zu bleiben, müssen bis zum Abend alle Beiträge fertig sein. Die Themengruppen suchen die O-Töne (Originaltöne) raus, die sie für ihre Beiträge verwenden wollen. Die Schnittgruppe hat jetzt alle Hände voll zu tun, sie muss auf die richtige Länge der Beiträge achten und die Moderation einbauen.

 

Am Abend treffen wir uns alle zusammen in dem Seminarraum, um die Ergebnisse zu begutachten. Unsere Teamer sind ganz überrascht – wir haben es natürlich schon immer gewusst – alle Beiträge sind fertig. Jetzt können wir uns am nächsten Tag ganz auf die Produktion der Livesendung konzentrieren. Optimistisch, das alles klappen wird und wir am Sonntag eine ordentliche Live-Sendung abliefern werden, beenden wir das heutige Programm.

 

Samstag, der letzte Tag vor der Livesendung. Heute Abend ist eine Generalprobe geplant, bis dahin ist allerdings noch einiges zu tun. Die Moderatoren müssen ihre Moderation schreiben und einüben. Die Musikredaktion muss die Musik aussuchen und der Sendeablauf-Gruppe geben. Diese muss genau auf die Länge der Lieder achten, um nicht die Sendedauer von einer Stunde zu überschreiten. Nebenbei werden auch die Jingles für die Radiosendung produziert.

 

Und dann die Schock Nachricht. Was zuerst für einen Scherz gehalten wird ist die grausame Wahrheit. Unser Studiogast Alex hat angerufen. Er ist krank. Er kann nicht zur Livesendung am nächsten Tag kommen, sagt er. Die Sendung war auf ihn ausgerichtet. 10 Minuten waren für ihn eingeplant. Alex darf nicht krank sein. Er darf nicht, das ist klar, nur weiß er das noch nicht. Ingo ruft ihn an, redet mit ihm, redet mit ihm, redet immer noch mit ihm. De Gesichter der Umstehenden werden blasser. Die letzten Fingernägel werden abgekaut. Ingo redet – und legt auf. Mit offenen Mündern starren ihn alle an, gefasst das Unmögliche zu erfahren. Und dann beginnt er zu sprechen. Mit einem Schlag ist alles Totenstill.

 

"Er kommt". sagt Ingo nur.

 

Am Abend ist alles fertig und wir können die Generalprobe durchführen. Unseren Computerraum haben wir zum Tonstudio umgebaut, hier treffen sich aber nur die, die auch wirklich live etwas zu tun haben. Die anderen gehen in den Seminarraum, wo sie die Radiosendung aufmerksam verfolgen.

 

Alle sind Zufrieden mit dem Ergebnis ihrer 5-tägigen Arbeit. Es gibt zwar noch ein paar Textunsicherheiten bei den Moderatoren und auch mit der Technik lief doch noch nicht alles glatt aber dafür war es auch erst die Generalprobe.

 

Sonntag, mit der Livesendung am Vormittag der krönende Abschluss eines insgesamt sehr gelungenen Workshops. Die aus Franken Angereisten fahren schon etwas früher und können nicht mehr bei der Auswertung dabei sein, es reicht gerade noch für ein Gruppenfoto. Tränenreich werden sie verabschiedet. Im Laufe des frühen Nachmittags gehen auch alle anderen wieder nach Hause. Morgen beginnt der Schulalltag.

 

Ein Bericht von Samuel Lennartz

Making Of Radio Q-Rage - Mai 2007

Fotos: Thomas Guthmann

Fotos: Thomas Guthmann

Schule ohne Rassismus goes Eberswalde

 

Vom 09. – 13. Mai produzierten 16 Schülerinnen und Schüler von SOR-SMC-Schulen aus Berlin, Brandenburg und anderen Städten die zweite Sendung von Radio Q-Rage. Untergebracht im brandenburgischen Werftpfuhl gingen sie der Frage nach: Eberswalde – Stadt der Vielfalt?!

 

Am Mittwoch ab 15 Uhr stehen Eva Völpel und Thomas Guthmann, die Teamer von der "Globalen Medienwerkstatt" mit frisch gebügeltem SOR-SMC T-Shirt auf dem Bahnhof Berlin-Lichtenberg, um sich mit der angehenden Radio-Redaktion zu treffen und gemeinsam ins Kurt-Löwenstein-Haus zu fahren. Trotz langer Anfahrtswege aus Stuttgart, Wunsiedel, dem Münsterland, Hannover und Chemnitz kommen alle pünktlich an.

 

Nach dem Abendessen findet die erste Redaktionssitzung statt. Ingo Grastorf, Mitarbeiter der Bundeskoordination, informiert über das Motto und die Hintergründe der zu produzierenden Radio-Sendung: Eberswalde – Stadt der Vielfalt?! Eine Frage, dee die SchülerInnen nachgehen wollen, war: Hat sich die Stadt in Bezug auf Rechtsextremismus seit dem Tod von Amadeu Antonio verändert?". Amadeu Antonio wurde im November 1990 von einem rassistischen Mob ins Koma geprügelt. Er starb an den Folgen der schweren Verletzungen.

 

Bereits am ersten Abend kristallisieren sich vier Beitragsthemen heraus, die am nächsten Morgen auch personell besetzt werden. Robert, Carolin, Julia und Katta wollen sich auf die Spuren von Amadeu Antonio begeben und recherchieren, wie knapp 17 Jahre nach dem ersten rassistisch motivierten Tötungsdelikt im wiedervereinigten Deutschland in Eberswalde daran erinnert wird.

 

Claudia, Bedia, André und Melvin hingegen nehmen sich vor, Passanten auf dem Eberswalder Marktplatz zu befragen, wie in Eberswalde mit dem Thema Rechtsextremismus heute umgegangen wird. Sie verabreden sich auch mit André Koch von der Bürgerstiftung Barnim-Uckermark, um mit ihm ein Interview zu diesem Thema zu führen.

 

Nadine, Viktoria, Elena und Jan hingegen wollen wissen, welche Aktivitäten an einer der beiden Eberswalder Schulen ohne Rassismus ablaufen. Sie bereiten die Gespräche mit SchülerInnen sowie der Schulleiterin der Goethe-Realschule vor.

 

Doch auch im außerschulischen Bereich gibt es in Eberswalde Angebote für Jugendliche. Monika, Theresa, Jenny und Ramona wollen den Jugenclub Exil besuchen und dort mit dem Leiter, Kai Jahns, über die Angebote sprechen.

 

Nicht nur die inhaltlichen Themen snd zu bearbeiten, auch die Techniken des Radio-Machens müssen erlernt werden. Denn ohne Technik keine Radiosendung. Wie in einem professionellen Radiosender gliedert sich die Redaktionsgruppe in vier unterschiedliche Bereiche auf. Sie recherchieren, schreiben Skripte, üben Interview- und Aufnahmetechniken. Die Technikbegeisterten werden von den Teamern der "Globalen Medienwerkstatt" in das Schnittprogramm Audacity eingeführt.

 

Zurück in ihren Recherchegruppen bearbeiten die Kleingruppen Aufträge, um jeweils einen Mini-Beitrag zu erstellen. Wer war Kurt Löwenstein? Was ist die Geschichte des Jugendbildungshauses? So lauten zwei der vier Fragen. Innerhalb von 90 Minuten muss nun recherchiert, interviewt, getextet und geschnitten werden, denn bereits vor dem Abendessen sollen die Beiträge präsentiert werden. Nach dem Abendessen ist noch lange nicht Feierabend, sondern die Redaktionsgruppen recherchieren weiter zu Eberswalde.

 

Gut vorbereitet und voller Fragen im Gepäck geht es dann am Freitagvormittag nach Eberswalde. Jede Gruppe hat bis zum Mittag Zeit, ihre Recherchen durchzuführen.

 

Mit gefüllten Aufnahmegeräten triff sich die ganze Redaktion von Radio Q-Rage um 14 Uhr 30 im Eberswalder Medienhaus. Hier informiert uns Herr Neubert über die Struktur lokaler Radio-Sender und gibt uns wertvolle Tipps für das Erstellen von Radio-Beiträgen gab. Highlight ist der Besuch im Studio des BB-Radios.

 

Pünktlich zum Abendessen zurück in Werftpfuhl tauschen sich alle TeilnehmerInnen in der Redaktionssitzung über die geführten Gespräche aus. Bis spät in den Abend hinein hören die RedakteurInnen das gesammelte Tonmaterial ab und fixieren schon einmal die wichtigsten Aussagen.

 

Der Samstag ist eine Prüfung für Mensch und Material. Nach einer Redaktionssitzung in großer Runde treffen sich die Kleingruppen. Sie alle texten an den Skripten, schneiden und bearbeiten die Aufnahmen, recherchieren Informationen bis Köpfe und Computer rauchen. Spätestens ab Mittag ist auch dem letzten klar, wie viel Arbeit in die einzelnen Beiträge zu investieren ist. Trotzdem verlassen einige Interessierte ihre Kleingruppen, da sie das Livesendungs-Team bilden. Mit Monika und Jan hatten sich Sprecherin und Sprecher bereits am Morgen gefunden. Sie machen sich nun daran, ihre Moderationen zu schreiben und einzustudieren. Die Musikredaktion hört und diskutiert unterschiedliche Musikbeiträge für die Sendung, das Jingle-Team nimmt begrüßende Worte in unterschiedlichen Sprachen auf und produziert ein eigenes Jingle. Ein Sendeablaufplan wird erstellt, der sekundengenau die einzelnen Elemente koordiniert.

 

Obwohl alle bis zur Belastungsgrenze arbeiten und die Computertechnik gar an manchen Stellen überfordert ist, so dass einige Beiträge mehrmals geschnitten werden müssen, rückt die Uhr vor und damit die Generalprobe immer näher. Nach kurzer Pause zum Abendessen ist es dann um 20 Uhr 30 soweit: Die Generalprobe findet statt. Noch niemand hat alle Segmente der Sendung in Gänze gehört und schon soll der Probelauf erfolgen.

 

In einem von Markus Plate eingerichteten Sendestudio nehmen Monika und Jan als Moderatorin und der Moderator ihren Platz vor den Mikrophonen ein. André ist der Mann am Mischpult und Theresa kümmert sich als Sendeassistentin um den genauen Ablauf der Sendung.

 

Die restliche Redaktion versammelt sich im Nebenraum, um sich ein Bild von der Qualität des Livestreams sowie der Gesamtsendung zu machen.

 

Noch mit kleinen Wacklern versehen, läuft die Sendung einmal durch. Erst jetzt fügen sich die einzelnen, bisher isolierten Mosaiksteinchen zu einem Bild und alle begreifen: Es ist geschafft. Eine einstündige Magazinsendung für das Radio ist erstellt.

 

In einer abschließenden Feedback-Runde wird Kritik und Lob getauscht. Die Anspannung steht noch allen im Gesicht und will bis spät in die Nacht nicht abfallen.

 

Davon unbesehen erwachen die Radioredakteurinnen und Redakteure am nächsten Morgen mit dem Ziel der Live-Sendung. Denn an der Deadline gibt es nichts zu drehen. Um 11.00 Uhr wird Radio Q-rage auf Sendung sein. Eine Übungsrunde lockert die Stimmen, bevor allerletzte Änderungen an den Moderationen vorgenommen werden.

 

Noch einmal die Technik überprüfen, dann ist es soweit. Die Livesendung beginnt um Punkt 11 Uhr und ist als Livestream im Internet zu hören. Professionell führen Monika und Jan durch die Sendung. Auch die Musik kommt nicht zu kurz. Zentralen Raum nehmen jedoch die erarbeiteten Beiträge ein.

 

Reichlich erschöpft doch zu Recht stolz auf die selber geschaffene Radiosendung geht nach dem Mittagessen der Radio-Workshop zu Ende. Für viele sicherlich ein Anreiz,  sich weiter mit dem Radio zu beschäftigen und garantiert können wir schon bald wieder zuhören, wenn es erneut heißt: "Radio Q-Rage – Die Stimme von Schule ohne Rassismus".

 

Unterstützt wird das Projekt "Radio Q-rage" von der Medienanstalt Berlin-Brandenburg und von dem Bundesprogramm "Xenos – Leben und Arbeiten in Vielfalt".


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