Südwestpresse: "Courage wird Kult-Festival"
Von: VERENA HERWIG
Mit einem Projekt hat das Mörike-Gymnasium in Göppingen Diskriminierung in jeder Form den Kampf angesagt. Das Highlight bildet dabei das "Courage wird Kult-Festival" am kommenden Wochenende.
"Rechtsradikalismus ist keine politische Meinung - er ist ein Verbrechen", findet der Schülersprecher des Mörike-Gymnasiums in Göppingen, Kornelius Friz. Deswegen brachte er das Projekt "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage", kurz SOR - SMC, am Mögy ins Rollen. "Das Projekt gab es schon an meiner alten Schule in Welzheim", erzählt der engagierte 19-Jährige. Dort sei Rechtsradikalismus stärker spürbar gewesen, als hier in Göppingen. Aber in letzter Zeit seien ihm auch in Göppingen immer mehr rechtsradikale Aufkleber aufgefallen. "Wenn ich solche Aufkleber sehe - da kochts richtig in mir", beschreibt der Abiturient seine Wut.
Insgesamt rund 750 Schulen in Deutschland können sich "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" nennen. Das Mörike-Gymnasium ist jetzt eine von ihnen - und die erste in Göppingen. Dragos Oprea, Profi bei Handball-Bundesligist Frisch Auf Göppingen, ist der prominente Pate der SOR - SMC am Mögy. Der Titel bringt aber auch Verpflichtungen mit sich: Schüler und Lehrer einer SOR - SMC Schule müssen sich aktiv gegen Rassismus und andere Formen der Diskriminierung einsetzen. Eine "Schule mit Courage" ist beispielsweise dazu verpflichtet, regelmäßig Aktivitäten, Projekte und Initiativen zum Thema Mobbing, Rassismus und anderen Formen der Diskriminierung zu entwickeln.
Das "Courage wird Kult-Festival" ist eine solche Aktivität. Es findet vom morgigen Freitag bis kommenden Sonntag im Alten E-Werk in Göppingen statt, und ist das erste seiner Art. An jedem der drei Abende gibt es Programm - Einlass ist jeweils um 19 Uhr, Beginn um 20 Uhr: Freitags kommen Reggaekünstler wie "Jahcoustix" und die "Jagga-Bites Combo". Am Samstagabend heizen vier Rockbands ein, darunter "Underpaid" und "Bakkushan". Am abschließenden Sonntagabend wird ein Dichterwettstreit, ein so genannter Poetry Slam, geboten. An diesem Dichterwettstreit wird auch der Schülersprecher des Mögy, Kornelius Friz teilnehmen. "Ich denke, man sieht schon sehr meine Handschrift an dieser Veranstaltung", erzählt der leidenschaftlicher "Slammer" lachend.
Auch wenn das Feiern im Vordergrund der Benefizveranstaltung steht, darf die inhaltliche Auseinandersetzung zum Thema Rassismus nicht fehlen. Sie erfolge sowohl durch die gesellschaftskritischen Texte der Musiker, als auch durch Wandzeitungen, die im Unterricht gestaltet wurden. Während der Umbaupausen würden zudem Kurzfilme gezeigt, wie Kornelius Friz erzählt. Die Gruppe, die das Festival auf die Beine gestellt hat, habe "auf Null kalkuliert". Dennoch könnte der Erlös im Bestfall bis zu 5000 Euro ausfallen. "Wir haben auf jeden Fall schülerfreundliche Preise", wirbt Friz. Der Erlös der Veranstaltung soll für einen guten Zweck ausgegeben werden. "Die eine Hälfte des Erlöses wird dem Haus Linde in Göppingen zugute kommen, die andere der bundesweiten Organisation Gesicht Zeigen!", verrät er.
Organisiert haben das "Courage wird Kult-Festival" etwa 15 Schüler des Mögy. Der Großteil von ihnen ist auch in der SMV, der Schülermitverantwortung, tätig. "Aufgabe der SMV sollten nicht nur Spaßveranstaltungen sein", erklärt Friz. Er sehe die SMV nicht nur als "Eventmanager", sondern möchte als Schülersprecher des Mögys "vor allem Bewusstsein für Diskriminierung schaffen." Denn das sei auch an einem Gymnasium allgegenwertig. "Auch wenn es in kleinerem Ausmaß passiert, ist es deswegen nicht weniger schlimm", betont er. Diskriminierung wegen des Aussehens, der Religion, der Sexualität und der sozialen Herkunft ist kein einfaches Thema. Trotzdem hat es der Gruppe Spaß gemacht, das Courage wird Kult-Festival zu organisieren.
Mehr Informationen zu ähnlichen Projekten an anderen Schulen in Deutschland gibt es im Internet: www.schule-ohne-rassismus.org
Quelle:
Südwestpresse

