14.01.07

Kölnische Rundschau: Rassismus Rote Karte gezeigt

Von: PHILIPP SCHUMACHER

Bonn soll zu einer "Stadt gegen Rassismus" werden, "besser noch zu einer Stadt ohne Rassismus.

Am Mittag hatten sich die Lehrer und Schüler der Gesamtschule Beuel bereits zu einer Menschentraube vor der Schule zusammengefunden, um dem Rassismus die Rote Karte zu zeigen. Fünf mal acht Meter ist das Signalbanner groß, 1000 Schüler und Lehrer setzten damit symbolisch ein Zeichen. Bonn soll zu einer "Stadt gegen Rassismus" werden, "besser noch zu einer Stadt ohne Rassismus. Ich bin sicher, dass wir da dicht dran kommen können", gab sich Oberbürgermeisterin Bärbel Dieckmann bei der anschließenden Nachmittagsaufführung mit Tanz-, Musik- und Showeinlagen optimistisch.

 

Videogruß der Ministerin

Gemeinsam mit den Schülervertretungen (SV) der Integrierten Gesamtschule Bad Godesberg und der Realschule Medinghoven hat die SV der Beueler Gesamtschule bei einem Aktionstag zu den Kampagnen "Alle anders - alle gleich" und "Zeig Rassismus die Rote Karte" das neue Projekt vorgestellt.

 

Besonders ergreifend lauschte das Publikum der Geschichte von Lucas Eliseu Muangombe. Der 19-jährige Schüler berichtete aus seinem Leben: Erzählte vom Tod seines in Ruanda politisch verfolgten Vaters, von seiner verschollenen Mutter und der Einsamkeit, die ihn in Nordrhein-Westfalen manches Mal beschleicht. Geduldet ist der Schüler nur in diesem Bundesland. Es ist noch nicht einmal sicher, erzählte er, dass er an der Abifahrt teilnehmen darf.

 

Zur musikalischen Unterhaltung trugen Schüler die "Bonner Kinderhymne" vor, die sie im vergangenen Jahr auch mit dem Beethoven-Orchester eingespielt hatten. Die Tanzvorführung "Alle anders, alle gleich" zeigte ein Potpourri von afrikanischen und europäischen Choreografien.

 

Die Schüler schafften es, eine ganze Reihe an Prominenten zu ihrer Auftaktveranstaltung einzuladen. Lediglich die Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt ließ sich entschuldigen, sendete aber einen Videogruß zur Unterstützung. Die drei Moderatoren, zwei Schüler und der Bonner Schauspieler Hanno Friedrich, führten ein Gespräch mit dem Direktor für Jugend und Sport im Europarat, René Weingärtner, dem ehemaligen Menschenrechtsbeauftragten der Bundesregierung, Klaus Stoltenberg, und Bodo Berg von der Kampagne "Zeig Rassismus die Rote Karte". Weingärtner berichtete über ähnliche Projekte in vielen Staaten der Europäischen Union. Solche Schulprojekte seien gar nicht hoch genug einzuschätzen, so Stoltenberg.

 

Nicht bloß gegen Ausländerfeindlichkeit richten sich die Aktionen der Bonner Schüler. Das Theaterstück "Morgen bist du dran" zeigte, dass auch Außenseiter die volle Unterstützung ihrer Mitschüler brauchen. Eine Auswahl der deutschen Nationalmannschaft der Menschen mit Behinderten kam ebenfalls auf die Bühne. Spieler Andreas Timm erzählte von der Euphorie aus dem Jahr der Fußballweltmeisterschaft in Deutschland: "Der Sport kann Vorurteile abbauen". Sein Ballgefühl stellte Timm später in der Turnhalle der Schule unter Beweis. Dort simulierten auch die Telekom-Baskets eine Trainingseinheit.



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