Weser-Kurier: 1000 Besucher gegen Rassismus
GRÖPELINGEN. Trotz Hüpfburg, Luftballons und Kinderschminken - das Straßenfest des Nachbarschaftshauses Helene Kaisen lief nicht wie andere Partys dieser Art in der Hansestadt ab.
Mit zahlreichen Gästen und Livemusik feierten über 1000 Besucher trotz schlechten Wetters den Auftakt der Aktion "Gröpelingen gegen Rassismus - Gröpelingen mit Courage". Mittendrin: Altbürgermeister Hans Koschnick und sein amtierendes Pendant Jens Böhrnsen (beide SPD).
Es wird viel miteinander geredet unter den Besuchern. Junge Gäste sprechen mit alten, Deutsche mit Migranten, etwa mit Nadja. Mit ihrem Klemmbrett in der einen und dem Kugelschreiber in der anderen Hand läuft die junge Frau seit 14 Uhr über das Volksfest, spricht fremde Menschen an und sammelt Unterschriften für einen "lebendigen und bunten Stadtteil mit kultureller Vielfalt." Sie ist eine von 45 sogenannten Multiplikatoren, und am Revers ihrer Jacke prangt der schwarz-weiße Aufkleber mit dem Schriftzug "Gröpelingen gegen Rassismus - Gröpelingen mit Courage". "Den bekommt jeder, der unterschrieben hat", erklärt Nadja. Ein Bekenntnis dafür, dass "niemand aufgrund von Herkunft, Aussehen, Religion, Geschlecht und sexueller Orientierung ausgegrenzt und diskriminiert" werde.
Mindestens 5000 Unterschriften wollen Ulrike Pala vom Ortsamt West und die anderen Initiatoren der Aktion in den kommenden zweieinhalb Monaten sammeln. Ihr Ziel: Gröpelingen soll als erstes Quartier bundesweit den Titel "Stadtteil gegen Rassismus" erhalten. Bettina Hartwich trägt den Aktionsaufkleber ebenfalls am Revers ihres Mantels. "Ich habe heute Morgen bereits in der Stadtbibliothek unterschrieben", erzählt die Gröpelingerin. Gemeinsam mit ihren Töchtern Karo und Luka besucht sie das Straßenfest. Wichtig sei die Toleranz untereinander, meint sie. Eine Einstellung, die auch Bürgermeister und Aktionspate Jens Böhrnsen in seiner Begrüßungsrede unterstreicht. "Man muss aufeinander zugehen und voneinander lernen", so der Politiker. Doch oftmals sei bereits das Zusammenleben innerhalb einer Kultur schwierig. Dennoch gelte es, Konflikte friedlich zu lösen und jedem, der dies nicht wolle, "die rote Karte zu zeigen."
"Gröpelingen leidet darunter, dass sich die Welt verändert hat", bilanziert Sanem Kleff mit etwas Wehmut in der Stimme. "Es fehlen Arbeitsplätze und es gibt zu viele soziale und wirtschaftliche Spannungen." Die in Berlin lebende Projektleiterin der Bundeskoordination "Schule ohne Rassismus" ist im Stadtteil aufgewachsen und Patin der Unterschriftensammlung. Sie hofft auf eine wachsende Solidarität im Quartier. "Früher waren die Menschen hier in erster Linie Nachbarn", erinnert sich Altbürgermeister Hans Koschnick, ebenfalls Pate der Aktion. "Da zählte nur der Umgang miteinander." Noch bis Ende November läuft die Unterschriftensammlung "Gröpelingen gegen Rassismus - Gröpelingen mit Courage", begleitet von zwei Dutzend Informationsveranstaltungen.
Weitere Informationen darüber gibt es auf der Internetseite des Ortsamts West (www.ortsamtwest.bremen.de) oder telefonisch unter der Rufnummer 361-8470. Spenden für die Aktion bitte mit dem Verwendungszweck "Gröpelingen gegen Rassismus" an das Nachbarschaftshaus Helene Kaisen, Konto-Nummer 1001163 bei der Sparkasse Bremen.
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