09.07.07

Mainpost: Schüler setzen ein Zeichen für Toleranz

Von: Günter Roth

Mehrere tausend Schüler und Erwachsene zeigten mit einer doppelreihigen Menschenkette rund um das Schulzentrum ihre Entschlossenheit, gegen Diskriminierung und Rassismus in allen Bereichen einzutreten. Die Abschlussveranstaltung zum Projekt aller Karlstadter Schulen "Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage" (SOR – SMC)geriet auch dadurch zu einer absolut eindrucksvollen Veranstaltung.

"Es ist doch egal, ob einer Deutscher, Engländer, Türke, Kurde oder Araber ist. Wir sind alle Menschen und sollten doch eigentlich Freunde sein", sagte der türkische Schüler Kayhan und brachte damit den Grundgedanken der Veranstaltung auf den Punkt. Zusammen mit seinen Freunden war auch er dabei und fand den Nachmittag prima. Eigentlich, meinte sein Freund Baycan, gebe es zumindest in Karlstadt kaum größere Probleme. Er versicherte, auch sehr viele deutsche Freunde zu haben. Selbstverständlich haben sie ebenfalls die Erklärung der Aktion "Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage" unterschrieben.

 

In dieser freiwilligen Erklärung verpflichteten sich die Schüler, aktiv gegen diskriminierende und rassistische Handlungen oder Äußerungen vorzugehen, einander in ihrer Verschiedenheit zu achten und auch in Zukunft weitere Projekte zur Verbesserung des Zusammenlebens aktiv mitzugestalten. 70 Prozent der Schüler müssen sich so durch ihre Unterschrift bereit finden, damit ihre Schule von der SOR – SMC anerkannt wird. In Karlstadt wurde diese Quote deutlich übertroffen, am Gynmasium lag sie nahe bei 90 Prozent.

 

Wochenlang hatten die Schüler und ihre Lehrkräfte des Förderzentrums der Leo-Weismantel-Schule, der Grundschule, der Konrad-von-Querfurt Hauptschule, der Johann-Rudolph-Glauber-Realschule und des Johann-Schöner-Gymnasiums in verschiedenen Einzelprojekten das Thema Diskriminierung und Rassismus im und außerhalb des Unterrichts bearbeitet und am vergangenen Samstag in einem riesigen Fest mit gewiss viertausend Besuchern einen tollen Abschluss gefeiert.

 

"Es ist doch reiner Quatsch, dass man Ausländer oder Andersfarbige nur deshalb schräg anschaut", meint auch der junge junge Realschüler Jonas Gerhard, der gerade mit Klassenkameraden den Auftritt der "Gebrüder Narr" verfolgt. Es sei viel besser, den anderen erst einmal kennen zu lernen, um zu sehen, was wirklich in ihm steckt, sagt er.

 

Die "Gebrüder Narr", die Paten der Realschule, zeigen die Wege zur Diskriminierung in ihrer bekannten ironischen Art. Ein "Fax aus aller Welt" zeigt zunächst die Verbundenheit aller, doch dann geht es mit der Ausgrenzung schon wieder los: Die Exoten aus Oberbayern werden angesprochen und zuletzt natürlich die "andersartigen Rassen" aus den Karlstadter Stadtteilen. Diskriminierung beginnt eben schon vor der Haustür!

 

Es brodelte im Bereich der Schulen an der Bodelschwinghstraße, allein auf dem Pausenhof der Grundschule drängten sich bei der Begrüßung und der Titelverleihung über 1500 Menschen. Zwischen 14 und 17 Uhr waren die Schulgebäude sowie die angrenzenden Straßen rappelvoll. In einer schier unüberschaubaren Fülle von Einzelveranstaltungen.

 

Lebendig wurde die Veranstaltung besonders durch die teilweise schulartspezifischen Aktionen der einzelnen Schulen. Das bemerkenswerte Theaterstück "Die gelbe und die blaue Stadt" von der Klasse 3d der Grundschule, die Szenenfolge "Poetry, Slam, Lyrik und Reggae" am Gymnasium oder die Rollenspiele "Helfen statt gaffen" der 6b an der Hauptschule passten zu den Kindern und wirkten deshalb echt. Eindrucksvoll war auch das Spiel in der Förderschule "Das Märchen vom Auszug aller Ausländer", in dem die Kinder zeigten, wie unser Leben ohne ausländische Produkte aussähe.

 

Die einzelnen Schulen hatten sich auch Paten gesucht, die ihre Aktionen unterstützten. Dabei fand der Profi-Basketballer Robert Garett in der Förderschule große Aufmerksamkeit und seine Autogramme waren sehr begehrt. Die "Gebrüder Narr" unterstützten die Realschule, die Bundestagsabgeordnete Heidi Wright die Hauptschule, die Landtagsabgeordnete Simone Tolle das Gymnasium und die Trommlerin Sana Abdallah aus Togo die Grundschule.

 

"Das ist einmalig in ganz Deutschland", schwärmte Steffen-Lutz Simon, von der Landeskoordination des SOR- SMC-Verbandes. Als einzige Stadt im Bundesgebiet ist es in Karlstadt gelungen, alle Schulen in einem gemeinsamen Projekt zu vereinen. Als Anerkennung überreichte er den Schülersprechern das Schild mit dem Logo "Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage".

 

Eine riesige doppelte Kette von vielen tausend Menschen mit schwarzen und weißen Plakaten demonstrierte zum Abschluss der Veranstaltung den Willen, Diskriminierung und Rassismus im Keim zu unterbinden. Das soll so bald wie möglich beginnen – in der Schule.

 

Dafür kann dieser Tag ein hervorragendes Zeichen sein.



Druckversion der Seite Seite drucken



Trägerverein
Logo Aktioncourage

SOR-SMC T-Shirts und Portemonnaie bestellen