22.05.06

Neues Deutschland: Interkulturelle Kommunikation stärken

Von: Folke Havekost

In Hamburg beschäftigte sich eine Fachtagung mit dem "Islam im Klassenzimmer"

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In Hamburg beschäftigte sich eine Fachtagung mit dem "Islam im Klassenzimmer"

 

 

Der "Islam im Klassenzimmer", so lautete der etwas missverständliche Titel einer mit 200 Wissenschaftlern und Lehrkräften in Hamburg abgehaltenen Tagung. Mehr als etwa um die Gestaltung eines islamischen Religionsunterrichts kreisten die Debatten um die schulische Integration muslimischer Kinder und Jugendlicher.

 

Iyman Alzayed muss etwas nachdenken, als sie nach positiven Integrationstendenzen aus Deutschland gefragt wird. »In Deutschland ist man sehr vorsichtig in der Unterstützung privater Schulen«, fällt ihr schließlich ein. Ein positiver Faktor, denn jede Form der privaten Schule mit einheitlichem Charakter verhindere den Dialog mit dem Anderen.

 

Das Eine und der oder die Andere – Alzayed kennt die Problematik an eigenen Leib, war ihr doch das Unterrichten mit Kopftuch an einer staatlichen Grundschule im niedersächsischen Soltau verwehrt worden. Heute arbeitet die in Deutschland geborene und 1990 zum Islam konvertierte Pädagogin an der Islamischen Religionspädagogischen Akademie Wien. "Wir stehen täglich vor der Herausforderung, etwas Fremdem zu begegnen und müssen uns dabei auch die Frage ›wer bin ich persönlich?‹ stellen", sagt Alzayed und fordert eine interkulturelle Begegnung "auf dem Fundament von Verfassungstreue und Menschenrechten". Dazu gehöre auch die Freiheit, in Bildungseinrichtungen religiöse Symbole zu tragen.

 

Dass es dabei auch allgemein um den Status von Migranten und ebenso um die tendenzielle Bildungsferne sozial benachteiligter Bevölkerungsgruppen gehen müsse, stellten gleich mehrere Referenten heraus. "Der Trend beim Erklären von Konflikten geht weg von sozialen und kulturell-traditionellen Aspekten hin zu rein theologischen Erklärungsmustern", bemängelte Sanem Kleff von der Aktion Courage: "Es gibt in Deutschland mittlerweile einen ›gefühlten Islam‹, über den Islamisten sich die Hände reiben, weil er genau das Bild entwirft, das sie propagieren." Zumal sich nur eine Minderheit der Muslime primär über den Islam definiere, seien viele der auftretenden Konflikte nicht auf Religion zurückzuführen, sondern auf traditionelle Einstellungen und Geschlechterrollen, die vor allem in bildungsfernen Schichten verbreitet seien, so Kleff.

 

Eine weitergehende Öffnung der Schulen "hin zum Gemeinwesen", etwa durch stärkere Einbeziehung der Eltern, forderte Yasemin Karakasoglu. "Wir brauchen einen ganzheitlichen Ansatz anstatt uns einzelne Gruppen herauszugreifen", plädierte die Bremer Professorin für interkulturelle Bildung für »Gelegenheitsstrukturen«, in denen die Schüler durch interkulturelle Kommunikation auch in das oft beschworene "deutsche Sprachbad" tauchen würden.

 

"Wir müssen die Persönlichkeit der betroffenen Schüler stärken", forderte Lothar Dittmer von der gastgebenden Körber-Stiftung, "das würde möglicherweise auch vielen anderen Schulproblemen begegnen". Ein Aspekt, den auch der Amsterdamer Soziologe Gijs von der Fuhr beim Blick auf die Niederlande herausstellte. Trotz des »sehr unangenehmen verbalen politischen Klimas« nach der Ermordung Theo van Goghs sei ihm um die Integration von Muslimen (und anderen Migranten) in den Niederlanden nicht bange: "Die Holländer haben gemerkt, dass ihre Gesellschaft ohne die Migranten nicht mehr funktionieren würde. Und die Migranten haben realisiert, dass es für sie kein Zurück mehr gibt." In Zusammenarbeit mit Moscheen sei es sogar gelungen, ein Haus für muslimische Jugendliche einzurichten, die sich aufgrund ihrer Homosexualität in familiären Schwierigkeiten befinden.

 



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