16.07.08

Stuttgarter Wochenblatt: Gegen Gewalt und Mobbing

Von: Gerlinde Ehehalt

Die Politik-AG des Paracelsus-Gymnasiums Hohenheim (PGH) gestaltete am letzten Donnerstag eine Veranstaltung zum Thema "Gewalt hat viele Gesichter". Es gab "faire Kickspiele", einen Film über Rassismus in Namibia, Rollenspiele zum Thema Konflikt, Streit, Gewalt und Gespräche mit den Streitschlichtern.

HOHENHEIM - "Die Mädchen hatten den Ball und haben einfach nicht zurückgespielt, das ist ungerecht", beklagten sich die Jungs der sechsten und siebten Klassen. Sie spielten am letzten Donnerstag gemeinsam mit ihren Mitschülerinnen beim Aktionstag "Gewalt hat viele Gesichter" im "Kick Fair - einem Fußballturnier mit besonderen Regeln". Dass die Tore der Jungen erst gezählt wurden, nachdem die Mädchen eines geschossen hatten, erschien den Jungs zunächst alles andere als "fair".

In den Moderationsrunden nach den einzelnen Spielen, geleitet von den Oberstufenschülern Julian Huber und Vincent Teichmann, kam jedoch alles zur Sprache, auch diese besonderen Regeln. Und natürlich übten sich Jungs wie Mädchen mühelos im "Fair play" und im gegenseitigen Verständnis füreinander. "Mobbing an unserer Schule ist nicht besonders schlimm, es gibt auch keine größere Gewalt unter den Schülern", betonten Teresa Alber und Sabine Kubinsky, die den Aktionstag gemeinsam mit den anderen rund 20 Mitgliedern des Politik-Arbeitskreises am PGH initiierten und organisierten.

"Gewalt ist an jeder Schule ein Thema, aber eher in Form von "kleinen Gemeinheiten" in den Klassen", sagten Vincent Teichmann und Julian Huber. Das ganz alltägliche Mobbing eben. Davon ist auch das PGH nicht frei. Vor allem in der Unterstufe. "Die Schüler sollen sich im Hinschauen üben, eine Antenne dafür entwickeln", bestätigte Lehrer Ulrich Storz, der das Projekt mit begleitete. Die Gewalt an Schulen habe heutzutage einen eher subtilen Charakter, werde von den Schülern oft gar nicht als solche wahrgenommen. Um die Schüler aller Klassenstufen dafür zu sensibilisieren, ihr Bewusstsein für mehr gegenseitige Toleranz, das Verständnis für Schwächere zu stärken, arrangierten die Mitglieder der Politik-AG deshalb diesen Aktionstag.

Und brachten damit die ganze Schule auf Tab. "Alle machten begeistert mit, die Aktion wurde von Schülern und Lehrern positiv aufgenommen, alles lief sehr konstruktiv", freuten sich Sabine Kubinsky und Teresa Alber, die sich schon seit längerem in der Politik-AG engagieren. An diesem Vormittag informierten die Streitschlichter, die es für jede Klassenstufe gibt, über den Umgang mit Konflikten, Streit und Gewalt, es gab das Fußballturnier "Kick Fair" mit besonderen Regeln nach dem Vorbild von Peace Counts aus Ostfildern. Anhand von Infoblättern zum Thema "Gewalt hat viele Gesichter" spielten die Mitglieder der Politik-AG mit Schülern der Mittelstufe bestimmte konfliktreiche Szenen nach, um die Jugendlichen in der sensiblen Wahrnehmung zu schulen.

Schulleiter Dr. Siegfried Frey zeigte einen Film mit dem Titel "Rassisimus" aus seiner ehemaligen Schule in Namibia als Einstieg in eine Diskussion über dieses Thema. Seit dem 6. März gehört das Paracelsus-Gymnasium-Hohenheim zu dem bundesweiten Netzwerk "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage", in dessen Rahmen solche Aktionen einmal pro Jahr stattfinden sollen. Das PGH hat sich damit verpflichtet sich künftig aktiv gegen jede Form von Diskriminierung an der Schule einzusetzen und regelmäßig Projekttage durchzuführen.

Es gelang sogar, zwei ehemalige prominente Schüler als Paten zu gewinnen. Petra und Thomas Fröschle, besser bekannt als die berühmten Zauberer Topas und Roxanne, begleiteten den Aktionstag. "Wir sind natürlich keine Schule mit rassistischen Tendenzen", lächelt Teresa Alber. Doch gerade beim Thema Gewalt seien eine frühzeitige Prävention und eine fundierte Aufklärung unglaublich wichtig. Das ist am letzten Donnerstag gewiss prima gelungen.



Druckversion der Seite Seite drucken



Trägerverein
Logo Aktioncourage

SOR-SMC T-Shirts und Portemonnaie bestellen