12.07.08

Märkische Allgemeine: Couragierte Initialzündung für die Stadt

Von: Uta Köhn

Sportchef des ZDF-Morgenmagazins Thomas Skulski ist Pate für das Wittstocker Gymnasium geworden.

WITTSTOCK - Die Besucher hatten ganz gut zu tun, um in anderthalb Stunden all die Präsentationen anzuschauen, die die Wittstocker Gymnasiasten in der zurückliegenden Woche erarbeitet hatten. Hier eine Powerpoint-Präsentation, im nächsten Raum eine Wäscheleine mit Plakaten, auf den Fluren Tische mit erschütterndem Archivmaterial und im Altbau zeitweise ohrenbetäubend laute Musik einer Hardrock-Band. In insgesamt 20 Gruppen hatten sich die Schüler und Beschäftigten eine Woche lang mit dem Thema Rassismus und Courage auseinander gesetzt. Die Besucher zeigten sich beeindruckt.

Den Titel "Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage" tragen inzwischen schon über 400 Schulen in ganz Deutschland. In Brandenburg ist das Wittstocker Gymnasium die Nummer 33.

Es gehört dazu, dass sich alle Schulen prominente "Paten" suchen, die ab und zu mal nachschauen, was in "ihrer" Schule so los ist. Sportler, Politiker, Schauspieler, Künstler – also Promis aller Bereiche – haben schon zugesagt, das Projekt zu unterstützen. Das Wittstocker Gymnasium hat sich einen Paten gesucht, der nicht nur die Stadt Wittstock kennt, sondern auch das Gymnasium, denn hier hat auch er bis zu seinem Abitur 1978 die Schulbank gedrückt, als es noch die "Erweiterte Oberschule" war: Thomas Skulski. Er ist heute leitender Sportredakteur beim ZDF-Morgenmagazin. Obwohl er seit langem in Berlin wohnt, versicherte er vorgestern in der Aula des Gymnasiums, dass Wittstock seine Heimatstadt sei. Er bedauerte es, dass Wittstock in den Medien eigentlich nur wegen der Auseinandersetzungen mit dem Bombodrom und wegen ausländerfeindlicher Übergriffe wahrgenommen werde. "Das ist der Fluch unserer Branche", sagte er. Dabei zeige gerade die Projektwoche, dass Wittstock und die Menschen der Stadt ganz anders seien, als es die oberflächliche Berichterstattung vermittle.

Co-Patin für die Schule ist Brandenburgs Sozialministerin Dagmar Ziegler. Schulen ohne Rassismus und mit Courage seien ein wichtiger Bestandteil des Handlungskonzeptes "Tolerantes Brandenburg", sagte sie. Damit werde die Zivilgesellschaft im Land gestärkt. Der Einsatz dafür benötige starke, streitbare Geister und die Aufgabe gehe alle etwas an.

Die Landeskoordinatorin Regionale Arbeitsstellen für Ausländerfragen, Jugendarbeit und Schule, Brandenburg (RAA), Birgit Funke, sagte, das Gymnasium habe ein öffentliches Zeichen gesetzt, dass nicht weggesehen und ignoriert werde, sondern dass man sich für die Gestaltung der Gemeinschaft einsetzt. Sie sprach vom "Recht und der Pflicht zu einem weltoffenen Miteinander".

Bernd Frühauf, stellvertretender Schulleiter, betonte, dass die Titelverleihung nur ein Zwischenergebnis darstelle. Die Initiative sei schon 2006 von den damaligen Schülersprechern gestartet worden. Die beiden derzeitigen Schülersprecher Robert Meyer und Maximilian Heusler hätten diese jetzt aufgegriffen. Während der Projektwoche sei es den Schülern gelungen, ihren Horizont zu erweitern und sich mit Intoleranz und Rassismus couragiert auseinander zu setzen.

Auch Bürgermeister Jörg Gehrmann war zur Titelvergabe gekommen. Er wünscht sich, dass das Projekt übergreift auf die ganze Stadt: "Wittstock ohne Rassismus – Wittstock mit Courage". Die Schüler hätten eine Initialzündung ausgelöst, jetzt dürfe man das Thema nicht mehr aus den Augen lassen.

Der Titel ist kein Preis und keine Auszeichnung für bereits geleistete Arbeit, sondern ist eine Selbstverpflichtung für die Gegenwart und die Zukunft.

Eine Schule, die den Titel trägt, ist Teil eines Netzwerkes, das sagt: Wir übernehmen Verantwortung für das Klima an unserer Schule und in dem Umfeld.



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