04.01.08

epd: Zornibold und Heulibold kennen 20.000 Kinder

Von: Sabine Damaschke

Zwischenbilanz zur Gewaltprävention im Kindergarten-, Grundschul- und Jugendalter.

München (epd). Mobbing, Bullying, Stalking - Gewalt unter Jugendlichen hat viele Namen. Ebenso vielfältig sind die Projekte, mit denen Landesregierungen, Schulen und die Jugendhilfe darauf reagieren. In den vergangenen Jahren ist die Prävention immer stärker in den Blick gerückt. An Konzepten und Strategien mangelt es nicht. Doch sie werden nicht überall umgesetzt, wo es notwendig wäre, meint das Deutsche Jugendinstitut in München in einem aktuellen Bericht.

 

"Zornibold", "Heulibold", "Bibberbold" und "Freudibold" heißen die Stars vieler Kindergärten. Seit fünf Jahren gibt es die vier "Kistenkobolde"; sie haben eine steile Karriere hinter sich: Mehr als 20.000 Kinder lernten die Gefühls-Puppen im Rahmen des Sucht- und Gewaltpräventionsprojekts "Papilio" kennen. Das vom Augsburger beta Institut entwickelte Programm will die sozial-emotionalen Kompetenzen von Kita-Kindern fördern, damit sie später nicht gewalttätig oder drogenabhängig werden.

 

Ob "Papilio", "Faustlos" oder "Sicher Stark": Gewaltprävention im Vor- und Grundschulalter hat in Deutschland Konjunktur. Ebenso die dazugehörigen Handbücher, Videos und Methodenkoffer. Viele Programme werben damit, dass sie für "alle Kinder" geeignet seien und Erzieherinnen, Lehrer oder Eltern die Inhalte schon nach einer kurzen Schulung vermitteln könnten. Doch ob sie tatsächlich für alle Kinder geeignet sind, bezweifelt Bernd Holthusen von der Arbeitsstelle Kinder- und Jugendkriminalitätsprävention des Deutschen Jugendinstituts (DJI) in München.

 

Gemeinsam mit Kollegen hat er einen Bericht über "Strategien der Gewaltprävention" in Deutschland vorgelegt. "Ein wirksames und nachhaltiges Programm muss sich an der Lebenswirklichkeit der Kinder und Jugendlichen orientieren", sagt Holthusen. "Und die kann sehr unterschiedlich aussehen." So spielten Alter, Geschlecht und Migrationshintergrund in vielen Projekten kaum eine Rolle. Außerdem würden die Programme häufig nur als einzelne und isolierte Projekte angeboten, die nicht in der Kita- oder Schulstruktur verankert seien. "Wir brauchen aber eine Kultur der Gewaltprävention."

 

Eine Kritik, der der Wuppertaler Lehrer Ulrich Schultze zustimmt. Vor drei Jahren hat der 46-jährige Pädagoge begonnen, in Zusammenarbeit mit dem Jugendamt und der Polizei in der Gesamtschule, in der er unterrichtet, Projekttage zur Gewaltprävention anzubieten. "Diese Trainings sind ein wichtiger Impuls, führen aber noch nicht zu einer dauerhaften Änderung des Schulklimas", sagt er. Schultze, der Mitarbeiter des Projekts "Schule ohne Rassismus" ist, würde die Gewaltprävention gerne als festen Bestandteil der pädagogischen Aus- und Fortbildung etablieren.

 

Der vollständige Text erscheint in:   epd sozial Nr. 1 vom 4. Januar 2008



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