30.04.08

E&W plus: Signierstunde mit Bundesaußenminister Steinmeier

Von: Renate Stiebitz

Außenminister Steinmeier stellte "Schulhof-CD" gegen Rechts am Hennigsdorfer Puschkin-Gymnasiums vor.

E&W plus 5/2008: "Starke Stimmen gegen Rechts". Die CD "Starke Stimmen gegen Rechts" kommt an bei den jungen Leuten. 50 000 davon sollen auf Schulhöfen verteilt werden.

 

[Als PDF-Datei zum herunterladen: Der Artikel aus E&W plus 5/2008, Interview mit Schulleiter Uwe Mirau und Schülersprecher Stefan Wiechmann]

 

Kein alltägliches Bild: Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) als Gast des Puschkin-Gymnasiums im kleinen Städtchen Hennigsdorf. So ganz ohne roten Teppich, in gelöster Atmosphäre und mit riesigem Medienaufgebot. Schließlich kam der Staatsmann am 8. April 2008 in besonderer Mission, stellte die neue CD "Starke Stimmen gegen Rechts" vor.

 

Ihm zur Seite standen Prof. Dieter Gorny, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes Musikindustrie, und die Band Jennifer Rostock. Auch die schuleigene Band legte sich mächtig ins Zeug. Mit Sorge sprach der Politiker von rechten Einflüssen und rief zu mehr Zivilcourage auf. "Wenn wir rechtsextremer Gewalt nicht Einhalt gebieten, dann geht es irgendwann nicht mehr nur um die Bedrohten, sondern um die Freiheit von uns allen", sagte Steinmeier. Aufklärung sei wichtig.

 

Mit der CD gegen Rechts haben die Macher einen Gegenpol zu den so genannten "Schulhof-CDs" der NPD geschaffen. "Endlich konnten wir mal zeigen, dass wir uns gegen Rechts engagieren", bemerkte die stellvertretende Schülersprecherin Maria Euler nach dem Auftritt des Vizekanzlers erleichtert. Auch für die 17-jährige war das Ganze "sehr aufregend und mit viel Arbeit verbunden". Am Tag der CD-Vorstellung übernahm Moderatorin Mo Asumang die Patenschaft über das Puschkin-Gymnasium als "Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage". Seit 2006 trägt das Gymnasium diesen Titel. Doch so richtig wahrgenommen wurde dies durch die Öffentlichkeit bisher kaum. Maria Euler kennt den Grund: "Viele haben einfach Angst, sich den Rechtsradikalen öffentlich zu zeigen. Doch in unserer Schule passiert einiges gegen rechtes Gedankengut."

 

Dass Frank-Walter Steinmeier nach Hennigsdorf kam, hat seinen besonderen Grund. Schon mehrfach ist die Stadt wegen rechtsextremer Übergriffe und Gewalttaten in die Schlagzeilen geraten. Die Politik wollte ein Zeichen setzen. Sogar von "rechtem Terror auf Hennigsdorfs Straßen" ist die Rede. Auch Deutschlehrerin Frau Plötz spürt "schon eine gewisse Bedrohung", ist entsetzt, wie sich die "Rechten breit machen auf Plätzen, vor dem Bahnhof". Nicht nur Schülersprecher Stefan Wiechmann ist der rechte Szeneladen "On the Streets" ein Dorn im Auge. "Dagegen muss etwas getan werden", empört sich der 18-jährige. "Er war schon mal geschlossen, wurde an anderer Stelle wieder aufgemacht, genau gegenüber der Polizei, vor den Augen des Gesetzes."
Rechtsextrem sein unter Jugendlichen ist wieder "cool", erfahren oft genug Jugendsozialarbeiter vor allem in ländlichen Gebieten und kleinen Städten Brandenburgs. Laut jüngster Umfragen des Meinungsforschungsinstitutes Emnid gehören von den 18- bis 30-jährigen 12 Prozent zum Kreis der potentiellen NPD-Wähler. Ein Alarmsignal für die Puschkin-Gymnasiasten.

 

Nicht ganz so extrem, wie oft betont, sieht Jugendbeauftragter Bernd-Udo Rinas die Lage. Für die Jugend werde einiges getan in Hennigsdorf. So sei beispielsweise das städtische Jugendzentrum "für alle offen", für Iraner, Russen rechte oder linke Jugendliche. Nur verfassungsfeindliche Symbole sind tabu. Einen alternativen, städtischen Treffpunkt, wo Neo-Nazis draußen bleiben müssen, gibt es in Hennigsdorf nicht. Gegen den Szene-Laden der Neo-Nazis hat die Stadt am Oberhavelkanal "keine rechtliche Handhabe".

 

Auch Hennigsdorf ist trotz des vorbildlichen Engagements der Puschkin-Gymnasiasten nicht frei von rechtsextremen Umtrieben. Ganz in der Nähe der Schule beispielsweise befindet sich ein rechter Szene-Laden. Laut einer Mitteilung von "Blick nach Rechts" werden dort verbotene CDs und andere Nazi-Devotionalien verkauft.



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