Neuß-Grevenbroicher Zeitung: Gewappnet gegen Rechts
Rechtspopulisten haben Dormagen im Wahljahr 2009 zu einem Aktionsschwerpunkt erklärt. Fünf Schulen reagieren: Sie machen beim kreisweit bislang einmaligen Projekt "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" mit.
Sie standen am Eingang des Hackenbroicher Schulzentrums, sprachen Schüler an, die auf dem Weg nach Hause waren und verteilten Flugzettel. "An den genauen Inhalt erinnere ich mich nicht mehr, aber es ging ein einen Mehmet, der alles andere als gut wegkam", sagt Alois Moritz, Leiter der Städtischen Realschule Hackenbroich. "Das war ausländerfeindliche Hetze."
Moritz verwies die "Besucher", die sich als Mitglieder der Jugendgruppe "Pro NRW" vorstellten, von Schulgelände und Parkplatz. Am nächsten Tag kamen sie wieder - mit einem Schreiben, dass der Parkplatz nicht zum Schulgelände gehöre.
Rechtspopulisten sind im Wahljahr 2009 offenbar bereit, um jede Stimme zu kämpfen und setzen dabei nicht nur auf Großaktionen wie die geplante Demonstration am 8. Mai in der Dormagener Innenstadt. Die Zielgruppe sind vor allem Erstwähler - doch die wollen den Akteuren aus dem rechten Lager jetzt deutlich machen, wo sie stehen: Fünf weiterführende Schulen in Dormagen wollen sich am kreisweit bislang einmaligen Projekt "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" beteiligen.
Die Initiative hatte der Integrationsrat der Stadt Dormagen ergriffen und zu einem ersten Treffen in der vergangenen Woche eingeladen. "Anlass war nicht nur der Vorfall am Schulzentrum Hackenbroich, sondern insgesamt der Eindruck, dass Rechtspopulisten Dormagen als einen Schwerpunkt für ihre Aktionen entdeckt zu haben scheinen", sagt Mehmet Güneysu, Vorsitzender des Integrationsrates.
Bereits die ersten Gespräche mit den Schulen bewertet er als rundum positiv. "Es war erfreulich zu sehen, wie viele Jugendliche da waren und wirklich ernsthaftes Interesse an dem Thema haben", sagt er. "Ich habe mich als jemand mit Migrationshintergrund sehr wohl gefühlt."

