
170 SchülerInnen aktiv beim Projekttag "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" am 21. November in Dörverden
Auf Initiative des Kreisjugendringes Nienburg e. V. und des FLORA-Büros hat am 21. November im Tagungshaus Drübberholz in Dörverden ein breites Bündnis aus der Region Nienburg/Verden einen Projekttag "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" durchgeführt. Unterstützt wurde das Projekt durch den Landespräventionsrat und dem Büro der der Ausländerbeauftragten des Landes Niedersachsen.
170 Schülerinnen und Schüler unterschiedlicher Schulformen aus den Landkreisen Nienburg/Weser, Verden/Aller, Diepholz und Walsrode nahmen daran teil. Den Schülern der Waldschule Steyerberg wurde die Teilnahme durch die Schulleitung verboten, weil sie aufgrund der Presseberichterstattung Übergriffe durch Rechtsextremisten fürchtete. Rudi Klemm, vom Kreisjugendring Nienburg, zeigte sich darüber erstaunt, da er nach Rücksprache mit der Polizei die Schulleitung mehrfach darauf hingewiesen hatte, dass es keine besonderen Sicherheitsrisiken gäbe.
Der Projekttag ermöglichte es, sich über die antirassistische Arbeit auszutauschen, neue Impulse zu gewinnen und bot die Möglichkeit, sich fortzubilden. Interessierte erhielten die Chance, sich grundlegend über das Projekt "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" zu informieren. Als Tagungsort wurde aus gutem Grund das Tagungshaus Drübberholz in Dörverden gewählt. Direkt nebenan auf dem Heisenhof versucht der Hamburger Neonazi Jürgen Rieger gegen den Widerstand von 95 Prozent der Bevölkerung ein neofaschistisches Schulungs- und Forschungszentrum aufzubauen. Mit dem Projekttag wurde ein deutliches Zeichen gegen diese rechtsextremistischen Umtriebe gesetzt, ohne sich in der inhaltlichen Auseinandersetzung auf diese Fassette des Neofaschismus zu beschränken. Gegenüber vom Heisenhof befindet sich eine kleine Gedenkstätte für die Opfer des Arbeitslagers, das in der Zeit des Nationalsozialismus dort bestanden hat.
Dr. Joachim Woock, Historiker und Lehrer an der BBS Dauelsen, hielt dazu vor Ort einen kurzen Vortrag. Unbekannte hatten einige Nächte zuvor die Gedenktafel aus der Gedenkstätte gestohlen. Die SchülerInnen legten zum Gedenken an die Opfer des Faschismus alle eine Blume nieder und machten damit deutlich, dass die Erinnerung an die Naziverbrechen durch solchen Vandalismus nicht ausgelöscht werden kann.
AGs/Workshops:
Heisenhof und seine Folgen (Bündnis, GaW)
Mitglieder des örtlichen Bündnisses berichteten über rechtsextremistische Aktivitäten und geeignete Formen der Gegenwehr .
Alltäglicher Rassismus (FgR)
Die Gruppe Friedlich gegen Rassismus aus Nienburg stellte den Alltagsrassismus in den Mittelpunkt. Wie reagieren wir auf dumme Sprüche und Stammtischparolen? Außerdem wurde der Sprechbaukasten der Deutschen Sportjugend vorgestellt.
SOR-SMC Projekt Start (GaW)
Schulen und SchülerInnen, die möchten, dass ihre Schule "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" wird, bekamen hier Tipps von den SchülerInnen des Gymnasiums am Wall.
Musik, Rechtsrock (Miteinander e. V.)
Rechtsextremisten benutzen zunehmend Musik unterschiedlicher Stilrichtungen, um Jugendliche für ihre menschenfeindlichen Ideen zu ködern. Die so genannte "Aktion Schulhof" vor der Bundestagswahl kann als ein Beispiel genannt werden. In diesem Zusammenhang tauchen die Namen einzelner Bands immer wieder auf, deren Wirken bisweilen schwer einschätzbar ist. Thorsten Hahnel von Miteinander e. V. brachte Licht ins Dunkel und klärte über aktuelle Entwicklungen und Hintergründe auf.
Nationalsozialismus in der Region (JAPL)
Die Jugend AG des Vereins Dokumentationsstelle Pulverfabrik Liebenau beschäftigt sich gemeinsam mit Martin Guse bereits seit mehreren Jahren mit der lokalhistorischen Aufarbeitung des Nationalsozialismus. Die Jugendlichen berichteten von ihrer Arbeit, von Begegnungen mit ehemaligen ZwangsarbeiterInnen und zeigten, wie sie als Jugendliche bereits an der Gestaltung der zukünftigen Gedenkstätte beteiligt sind.
LehrerInnen- Workshop (C. Marquardt)
Der LehrerInnen-Workshop bot LehrerInnen die Möglichkeit, sich über Erfahrungen mit dem Projekt "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" zu informieren. Darüber hinaus wurde besprochen wie die SchülerInnen in ihrem Engagement für "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" durch LehrerInnen unterstützt werden können.
Zum Abschluss spielte die Schülerband des Gymnasiums am Wall "Green Tea" im Saal des Tagungshauses Drübberholz und ließ den tag angenehm ausklingen.
Eine weitere Gruppe von jugendlichen Künstlern aus dem Jugendhaus WIP IN (Stolzenau) erstellte während des Projekttages ein Graffito mit dem Thema COURAGE, das jetzt an einem geeigneten Platz aufgestellt wird.
Der Projekttag wurde veranstaltet von:
AG SOR-SMC der Grundschule am Bach (NI)
Dokumentationsstelle Pulverfabrik Liebenau e.V. (JAPL)
Friedlich gegen Rassismus e. V. (NI)
Kreisjugendring Nienburg e. V.
Schülerzeitung KONTRASST - Gymnasium am Wall (VER)
Tagungshaus Drübberholz (Dörverden)
Jugendhaus WIP IN (Stolzenau)
Niedersächsisches Ministerium für Inneres und Sport - Ausländerbeauftragte
Gefördert durch den Landespräventionsrat Niedersachsen und im Rahmen des Projektes FLORA - Fit für ein Leben ohne Rassismus und Ausgrenzung aus dem Aktionsprogramm "Jugend für Toleranz und Demokratie - gegen Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus".
Die Veranstalter ziehen durchweg eine positive Bilanz. Marianne Winkler von der Landeskoordination für "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" im Ministerium für Inneres und Sport (Büro der Ausländerbeauftragten) meinte abschließend: "Ich geh davon aus, dass viele neue Impulse von dieser Veranstaltung ausgehen und hoffe, dass wir bald die nächste "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" in der Region auszeichnen können."
Auch Gerhard Bücker von der "Clearingstelle Rechtsextremismus" im Landespräventionsrates, der die Veranstaltung im Auftrag des Justizministeriums begleitete zeigte sich über die große Beteiligung und den Verlauf hoch erfreut.
Rudi Klemm vom Kreisjugendring sieht sich darin bestätigt, dass Jugendliche und junge Erwachsene "auf Augenhöhe" einbezogen werden müssen, wenn es um die Bekämpfung von Rechtsextremismus und rassistische Gewalt geht. "Es war eine gute Abschlussveranstaltung für das Projekt "FLORA" Fit für ein Leben ohne Rassismus und Ausgrenzung", so Klemm und dankte zugleich den beteiligten Schulen, sowie der Landeschulbehörde, die in den beteiligten Regionen aktiv für die Veranstaltung geworben hatte.