Schulorganisation und Schülerrechte
Welche Rechte und Möglichkeiten haben SchülerInnen
Um eine "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" zu werden, sind viele Schul- und Schülerinitiativen wie Aktionen und Projekte notwendig. Bereits das Sammeln der Unterschriften von mindestens 70 Prozent aller SchülerInnen, Lehrkräften und sonstiger an der Schule arbeitenden Personen erfordert einen großen zeitlichen und organisatorischen Aufwand. Da stellt sich unwillkürlich die Frage, ob Ihr an Eurer Schule ohne weiteres solche Aktivitäten entfalten dürft?
Aus schulorganisatorischer und schulrechtlicher Sicht lautet die Antwort: Ja! Allerdings müsst Ihr dabei einiges beachten:
Wenn SchülerInnen, die SOR-SMC an ihrer Schule voranbringen wollen, nicht selbst Schul- oder Klassensprecher sind, sollten sie auf Klassen-, Jahrgangs- und Schulebene die gewählten Vertreter in die Aktionen einbeziehen. Deren Legitimation gilt nach dem jeweils in dem betreffenden Bundesland geltenden Schulverfassungs-, Schulmitbestimmungs-, Schulmitwirkungsgesetz.
Falls diese SprecherInnen im Einzelfall keine Lust zur Mitarbeit oder Unterstützung haben, müssen diese in einer Versammlung auf der Klassen- oder Schulebene von der Mehrheit gewählt und beauftragt werden. Dazu müsst Ihr für die Sache mit Informationen werben, die Ihr in diesem Handbuch findet!
Der Vorteil ist, dass den gewählten Sprechern in den oben genannten Gesetzen meist das Informationsrecht an der Schule eingeräumt werden muss. Das kann pro Monat und pro Klasse eine Unterrichtsstunde sein. Auf ein derartiges Recht können sich nicht gewählte SchülerInnen dagegen nicht berufen. Sind sie aber über das Projekt SOR-SMC besser informiert als die gewählten VertreterInnen, so können diese ihnen während der Informationsstunde das Rederecht abtreten. Selbstverständlich dürfen SchülerInnen auch im Auftrag der gewählten SchülervertreterInnen Unterschriften für SORSMC sammeln und auf Flugblättern Informationen verteilen.
Keine Probleme sollten auch Aushänge und Infos an den Mitteilungsbrettern der SchülervertreterInnen machen, sofern diese den jeweiligen Aushang genehmigen. Besser sind natürlich gemeinsame Absprachen zwischen der SchülerInnenvertretung, den Lehrkräften auf Klassenebene und der Schulleitung über die Projektideen.
Erfahrungsgemäß ist es normalerweise nicht schwer, Lehrkräfte und Schulleitung vom Sinn und der Notwendigkeit der Aktion SOR-SMC zu überzeugen. Schwierigkeiten kann es allerdings dann geben, wenn die Lehrkräfte das Projekt zwar grundsätzlich begrüßen, aber auf die große Stofffülle in den Rahmenplänen verweisen, die selbst die gut gemeintesten Projekte leider verbietet. In diesem Fall muss sich die SchülerInnenvertretung auf eine schwierige Diskussion gefasst machen, die Euch allerdings nicht entmutigen sollte. Denn in den "Schulverfassungsgesetzen" steht üblicherweise, dass die SchülerInnen ihrem Alter entsprechend über die Unterrichtsplanung durch ihre Lehrkräfte zu informieren und im Rahmen der geltenden Vorschriften an der Gestaltung des Unterrichts und der sonstigen schulischen Veranstaltungen zu beteiligen sind. Außerdem ist meist im Schulgesetz auch die Tendenz festgehalten, dass in Fragen der Auswahl des Lehrstoffes, der Bildung von Schwerpunkten, der Reihenfolge einzelner Themen und der Anwendung bestimmter Unterrichtsformen den SchülerInnen Gelegenheit zu Vorschlägen und Aussprachen zu geben ist. Sollten die Lehrkräfte Euere Vorschläge ablehnen, müssen sie dafür eine Begründung liefern. Solche oder ähnliche Passagen finden sich in vielen Schulverfassungsgesetzen unter dem Stichwort "Beteiligung der Schüler".
In den Fächern Deutsch, Geschichte/Gemeinschaftskunde, Politische Weltkunde, aber auch in Religion/Ethik/Philosophie, Erdkunde, Biologie, Kunst und Musik lassen sich mühelos Aspekte aus SOR-SMC aufgreifen und in den Unterricht integrieren. Besser sind natürlich fächerübergreifende Projekte, die mit mehreren Lehrkräften geplant und durchgeführt werden können. Optimal wären Aktionen, an denen sich die ganze Schule mit allen Klassen und allen Lehrkräften beteiligt. Wenn allerdings bei den Lehrkräften wenig Bereitschaft besteht, müsst Ihr den mühseligen Weg über die einzelnen Schulklassen und Fächer gehen, um die Inhalte, Projekte und Aktionen so im Schulalltag zu verankern, bis die Mehrheiten für eine Teilnahme der Schule an SOR-SMC reichen.
Habt Ihr aber erst einmal die 70 Prozent der Unterschriften gesammelt und euch damit auf die Grundsätze einer SOR-SMC verpflicht, ist ein großer Sieg errungen und die Weiterführung gesichert. Aber auch wenn das Schuljahr schon lange läuft und die SchülerInnenbeteiligung bei der Unterrichtsplanung zeitmäßig verpasst wurde, bestehen noch viele Möglichkeiten, Inhalte des Programms SOR-SMC in die Schularbeit einzubeziehen. Ein Blick in das Handbuch bietet eine Themenfülle, auf die Ihr Eure LehrerInnen an geeigneter Stelle freundlich aufmerksam machen könnt.
Wenn dann von einzelnen SchülerInnen sogar die Bereitschaft besteht, zum Beispiel Referate, Vorträge, Gemeinschaftsarbeiten oder Internetrecherchen zu übernehmen, können sich die Fachlehrkräfte bei dieser "Umarmungstaktik" kaum wehren und stimmen vielleicht Projekten selbst dann zu, wenn sie sonst auch immer über die vollen Lehrpläne und die fehlende Zeit klagen! Da SchülervertreterInnen nicht nur auf der Schulebene allein wirken, sondern auch auf Gemeinde-/ Bezirks-/ Kreisoder Landesebene die SchülerInneninteressen vertreten sollen, bietet sich hier bei regulären Treffen oder auch bei Schulungen eine gute Möglichkeit, die Ideen und Aktionen von SOR-SMC vorzustellen und an andere Schulen weiterzugeben.
Wie Ihr sicherlich bemerkt habt, hängt der Erfolg des Projektes von SOR-SMC sehr stak von einer überzeugten SchülerInnenvertretung an der eigenen Schule ab - dafür müsst Ihr auf demokratischem Wege durch Argumente und Überzeugungskraft, notfalls durch die Wahl entsprechend motivierter Bewerber, selbst sorgen. Auch bei diesem Punkt gilt: Fairness und die Einhaltung demokratischer Regeln. Denn die besten Absichten verlieren ihren Glanz und ihren moralischen Anspruch, wenn sie mit unfairen oder undemokratischen Mitteln durchgesetzt werden. Im schlechtesten Fall kann das auch einmal bedeuten, dass Ihr Euch bei der Mehrheit Eurer MitschülerInnen und den gewählten Vertretern mit den Ideen von SOR-SMC nicht durchsetzen könnt. Ein Misserfolg bedeutet aber noch lange nicht, dass man es zu einem späteren Zeitpunkt nicht noch einmal versuchen kann.

