Titelverleihung am: 24.06.09

Nürnberger Nachrichten: Abiturientin mischt sich ein

Kategorie: Pressespiegel

Von: Manuela Meyer

18-Jährige für ihr Engagement gegen Extremismus ausgezeichnet

ECKENTAL - Einfach wegschauen, wenn an der Schule jemand gemobbt wird, wenn ein Mitschüler das Wort «Jude» unbedacht als Schimpfwort verwendet oder wenn Neonazis mit ihren rechten CDs vor der Schule auf Bauernfang gehen? Für Sonja Weisel, Abiturientin am Gymnasium in Eckental, undenkbar. Sonja Weisel ist eine, die sich einmischt. Und dafür hat sie jetzt sogar eine Urkunde bekommen.

 

Angefangen hat es mit den Naziaufmärschen in Gräfenberg. Sonja Weisel demonstrierte, wie mittlerweile tausend andere Bürger auch, gegen die braune Provokation. Doch sich nur hinter die polizeilichen Absperrgitter zu stellen und «Nazis raus» zu rufen, war der Gymnasiastin zu wenig. Sie wollte mehr Flagge zeigen.

 

«Es war bei uns einfach kein Thema»

 

Deshalb verfasst sie für die Schülerzeitung des Eckentaler Gymnasiums Artikel. Und wird dafür hochgelobt. Allerdings nicht von ihren Mitschülern. Diese, so muss sie feststellen, haben das in der Mehrzahl gar nicht mitbekommen. «Es war bei uns einfach kein Thema», sagt die 18-Jährige.

 

Und das, obwohl Neonazis ihre Schulhof-CDs auch in Eckental verschenkten, und «Du Jude» von manchen Schülern gedankenlos als Schimpfwort missbraucht wurde. Sonja Weisel sucht deshalb neue Wege, um ihre Mitschüler zu erreichen. Im Internet stößt sie auf die bundesweite Aktion «Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage». Zuerst begeistert sie ihre Lehrer, dann wird ein Arbeitskreis gegründet und ein Film gedreht. Gemeinsam mit ihrem Mitstreiter Tim Pförtner organisiert sie die bislang zwei Konzerte «Rock gegen Rechts» im Erlanger E-Werk.

 

Freizeit geht komplett drauf

 

Sonjas Freizeit geht in zwei Schuljahren nahezu komplett für das Engagement gegen Rechts drauf. Plakate entwerfen und verteilen, gemeinsam mit Kreisjugendring und E-Werk Verhandlungen mit Bands führen. Kurze Reden zwischen den Live-Auftritten ausarbeiten, Infostände und Bücher zum Thema organisieren. Erst im Abijahr tritt sie etwas kürzer.

 

Bereits das erste Konzert im März 2008 ist ein voller Erfolg. Nicht nur, dass mit mehr als 1000 Besuchern der Event ausverkauft ist, es ist den Machern auch gelungen, das Thema Rechtsradikalismus und Gewalt in den Köpfen der Jugendlichen zu verankern. Seither darf sich das Eckentaler Gymnasium mit der bundeseinheitlichen Plakette «Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage» schmücken. Angst vor Attacken aus dem rechten Lager hatte die umtriebige Frau nie. «Nicht auf der Ebene, auf der ich das mache», sagt sie. Und auch ihre Eltern hätten sie immer unterstützt.

 

Engagement überparteilich

 

Obwohl Sonja Weisel politisch eher zu den Grünen tendiert und auch schon in der Grünen Jugend mitgearbeitet hat, sieht sie ihr Engagement überparteilich. Und auch keineswegs nur gegen Rechts gerichtet: Extremismus in allen Richtungen sei ihr ein Gräuel, aber auch Gewalt in der Schule wie beispielsweise Mobbing. Dass Streitigkeiten grundsätzlich mit Achtung vor dem Gegenüber ausgetragen werden, dafür setzt sie sich ein.

 

Mittlerweile hat die junge Frau ihr Abitur hinter sich, wird die Schule in wenigen Wochen verlassen. Umso wichtiger ist für sie, dass das Thema weiter getragen wird. Und das scheint gesichert: Rechtzeitig wurden in den Schüler-Arbeitskreis die nächsten Jahrgänge herangezogen. Und auch ihr eigenes Engagement wird Sonja Weisel nicht einstellen.

 

Suche nach Projekten

 

Ab Herbst dieses Jahres wird die Noch-Schülerin entweder ein Wirtschaftsrecht- Studium oder ein duales Studium bei der Sparkasse beginnen. Dafür wird sie nach Erlangen ziehen und deshalb ist sie schon jetzt auf der Suche nach Projekten, in die sie sich einbringen kann. Bei ihrem Temperament und ihrer Leidenschaft wäre es aber auch nicht verwunderlich, wenn sie in der Hugenottenstadt ein ähnliches Objekt wie das Gräfenberger Bürgerforum gründen würde.

 

Mitstreiterinnen hätte sie sicherlich bereits. Schließlich hat der ZontaClub die gebürtige Affalterbacherin vor wenigen Wochen schon mit dem «Young Women in Public Affairs Award» geehrt. Eine Auszeichnung, so die Laudatorin Julia Ogilvie, die Mädchen auszeichnet, die sich einmischen.



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