Die Frage des Tages

AfD-Funktionär*innen zu Diskussionen an Schulen einladen – ja oder nein?

Die Ankündigung, dass eine Courage-Schule aus Nordrhein-Westfalen einen Vertreter der AfD zu einer Diskussionsrunde eingeladen hat, hat letzten Monat auf der Facebookseite der Bundeskoordination für eine kontroverse Debatte gesorgt. Soll die Auseinandersetzung mit Vertreter*innen der AfD von Schulen gesucht werden? Oder darf man ihnen erst gar keine Bühne bieten? Die überaus informiert geführte Diskussion macht deutlich, dass auch auf Facebook respekt- und gehaltvolle Debatten über wichtige und aktuelle Fragen möglich sind.

Herzlichen Dank an die Mitdiskutierenden.


Zu einer Podiumsdiskussion im Vorfeld der Landtagswahl in NRW hat die Bertha-von-Suttner-Gesamtschule für den 4. April Vertreter*innen der SPD, CDU, Grünen, Linken, FDP und der AfD eingeladen, um sich den Fragen der Schüler*innen zu stellen. Dagegen regt sich Protest – u.a. in Form einer bundesweiten Online-Petition. Wir denken, es liegt in der Entscheidung der Schule, welche Gäste sie sich zur Podiumsdiskussion einlädt. Der didaktische Leiter der Schule meint: „Es wäre ein seltsames Demokratieverständnis, wenn eine so starke Partei außen vor bliebe. Wir werden mit ihr in den Nahkampf gehen." Die Bundeskoordination vertraut auf das antirassistische Engagement der Schüler*innen und wünscht ihnen viel Erfolg und eine spannende und kontroverse Debatte.


Schule. Der richtige Weg ist, mit Schülern Analyse ÜBER die AfD zu reden, z.B. deren Auftritte im TV kritisch zu begutachten, ihre Texte auseinanderzunehmen, das Wahlprogramm.


Gerade wer sich von der AfD und ihrem Gedankengut abgrenzen will, sollte sich stets um Differenzierungen bemühen. Zudem denke ich, dass im Umgang mit der AfD der gleiche Ansatz gewählt werden sollte wie in anderen Bereichen auch (selbst wenn das unbequem ist): Nicht nur über andere, sondern auch mit ihnen reden.
Ich stimme dem Leiter der veranstaltenden Schule voll zu: Die Auseinandersetzung sollte im direkten Kontakt erfolgen.
Es muss einfach möglich sein, die AfD und ihre dunklen Untiefen im Gedankengut, das sie transportiert, sowie die Gefahren, die mit diesem verbunden sind, in der direkten Auseinandersetzung (z.B. in Diskussionsrunden) zu entlarven – und zugleich die besseren Argumente zu haben. Diese müssen ja nicht die AfD überzeugen, sie müssen aber auf die Menschen, die sich für eine Wahl entscheiden, besser/stärker/gewichtiger wirken.
In solchen Formaten besteht das große Potential, dass sich die AfD inhaltlich selbst demontiert und diskreditiert. Dazu muss durch gute Diskussionsführung und Diskussionsfähigkeiten der Mitdiskutierenden beigetragen werden.
Durch eine direkte und diskussionsfreudige Auseinandersetzung kann zudem vorgebeugt werden, dass aus der "Außenseiterrolle" der AfD eine Anziehungskraft für junge Menschen entsteht.
Das "keine-Bühne-bieten"-Argument stellt meiner Ansicht nach die große Masse der Menschen in das Licht, sie seien zur Mündigkeit nicht fähig. Das halte ich für fatal. Demokratische Mündigkeit kann doch nur in einem Prozess erarbeitet werden, oder?
Gleichzeitig nimmt dieses "keine-Bühne-bieten"-Argument den Druck von denen, auf denen der Druck meiner Ansicht nach eigentlich liegt, nämlich den anderen Bühnen-Akteuren. Diese sollten/müssen die besseren Argumente und Argumentationstechniken entwickeln, um den ungeliebten Bühnen-Gast inhaltlich zu demontieren und auf diese Weise zu verhindern, dass solche politischen Akteur_innen stärker werden.
Wenn sie zu dieser Handlung in der Lage sind/wären, würde sich die Frage nach "Bühne bieten oder keine Bühne bieten?" gar nicht stellen.
Wie sehen Sie das?


und in direkter Begenung komme ich zu meiner oben gemachten Aussage. Es ist ein Fehler, AfD-Protagonisten auf ein egalitäres Podium zu heben (eine Partei von mehreren), allein damit bekommt die AfD eine Wertung, die ihr nicht zusteht, denn: es geht ihr NICHT um Inhalte, sie will KEINEN Diskurs.
Die richtige Begegnung könnte in einem solchen Zusammenhang nur sein, die AfD mit ihren Lügen zu konfrontieren, mit ihrer Verächtlichmachung sämtlicher gesellschaftlicher Instanzen und ihrem Demokratieverständnis. Das aber wird bei einer solchen Podiumsdiskussion vermutlich nicht passieren. Sondern es soll über gesellschaftspolitische Themen diskutiert werden, über Wahlkampfthemen. Dabei rechnet die AfD fest mit dem kommunikativen Anstand und der Diskurswilligkeit ihrer Gegenüber, etwas, was sie selbst gar nicht mitbringt. Bei der AfD gibt es nichts zu diskutieren, sie ist eine zutiefst autoritäre Partei, nach innen wie nach außen.
Das aber wäre sicher ein wichtiges Thema in Schulen: Wie verfängt eine faschistische Strategie und wie kann man dem begegnen, u.a. indem man verhindert, dass sie in die demokratischen Instanzen einsickert, ihre Bühnen bekommt und mit den Mitteln der Demokratie dieselbe massiv schädigt und die parlamentarische Arbeit karikiert.


der AfD im Rahmen einer solchen Veranstaltung ein Forum zu bieten.
Im Rahmen des Vier-Säulen-Konzeptes im Kampf um die Straße, Parlamente, Köpfe und um den organisierten Willen hatte der damalige NPD-Bundesvorsitzende Udo Voigt die so genannte Wortergreifungsstrategie ausgerufen. Damit ist gemeint, bei öffentlichen Veranstaltungen gezielt vom Podium oder vom Zuschauerraum aus den Diskurs in eine bestimmte Richtung zu lenken. Darüber hinaus geht es dabei um die diskursive Verankerung antidemokratischer und menschenfeindlicher Inhalte.
Diese Strategie hat die AfD längst übernommen. Es geht diesen Akteuren dabei niemals um einen ernsthaften diskursiven Austausch von Argumenten oder um eine mögliche inhaltliche Annäherung an politische Widersacher. Ziel ist es ausschließlich, rechtsextreme Inhalte innerhalb des demokratischen Diskurses zu normalisieren, indem sie gleichberechtigt neben demokratischen Positionen platziert werden. Das ist für die extreme Rechte ein enormer Geländegewinn.


Strategiewissen über die Absichten und das Vorgehen rechtsextremer Protagonisten, natürlich altersgerecht zugeschnitten. Und eben den aktiven Umgang damit.


offenbar ihre ganz eigenen Bühnen, die ihr reichen, Menschen für sich zu gewinnen und für Wahlen zu mobilisieren. Auch aus diesem Grund bin ich für einen Strategiewechsel im Umgang mit ihr. Ich bin dafür, dass die AfD stetig inhaltlich konfrontiert und attackiert wird, sodass sie sich selbst offenbart. Für meine Begriffe geht das auch in Wahlkampf-Podiendiskussionen. Es bedarf dafür halt einer guten inhaltlichen Vorbereitung der Fragen/Argumente/Argumentationstechniken durch die Podiumsgegner_innen der AfD oder Publikumsgäste. Das sollte möglich sein. Demokratie ist anstrengend.
Dort, wo diese Menschen in ihren Aussagen oder Handlungen den Rahmen des demokratischen Rechtsstaats überschreiten, dort obliegt es dem Rechtsstaat, diese Menschen zu sanktionieren. Sie persönlich können dabei helfen, indem Sie den Rechtsstaat jederzeit und überall auf Überschreitungen, die Sie zu sehen meinen, aufmerksam machen.


Medien ist statistisch (von Monitor?) aufgearbeitet worden. Die sogenannte "Lügenpresse" hat sich alle Mühe gegeben, diesen Vorwurf zu widerlegen, mit dem Ergebnis, dass der Vorwurf immer öfter wiederholt und verbreitet wurde und die AfD die Presse letztlich sogar nach Gutdünken aussperrt. Es geht nicht um die Ausgrenzung derer, die den Verführungskünsten der AfD verfallen, man muss so viele wie möglich von ihnen versuchen zu erreichen, aber nicht, indem man der AfD eine Bühne gibt, sondern indem man Veranstaltungen ÜBER ihre Strategien initiiert. Und ja, politische Bildung tut Not, aber vielleicht bevor man einen Parlamentssitz besetzt, der aus Steuergeldern finanziert wird. Wir werden vermutlich hier nicht zusammenkommen, muss ja auch nicht, diese Art Diskurs muss allerdings geführt werden!


Ich bin der Ansicht, dass eine inhaltliche Begegnung und Aushebelung der AfD-Positionen trotz statistisch sicherlich hoher Repräsentanz in Talkrunden und Medienberichten in den vergangenen Jahren nur wenig stattgefunden hat. Dagegen wurde dort viel Zeit damit verbracht, sich darüber aufzuregen, was die AfD alles so sagt. Meiner Beobachtung nach wurde dabei wenig Aufwand und Zeit darauf verwendet, der AfD dann auch inhaltlich mit guten, nachvollziehbaren und belastbaren Argumenten zu begegnen. Meiner Ansicht nach können AfD-Sympathisant_innen nicht mit Kopfschütteln oder damit, dass sich über AfD-Positionen erregt wird, davon überzeugt werden, dass die AfD-Positionen Schwachsinn sind.
Darum finde ich, dass implizit doch eine Ausgrenzungs-Strategie gefahren wurde.
Und leider lassen sich über Veranstaltungen, auf denen über die AfD und ihre Strategien gesprochen wird, nur schlecht Menschen erreichen, die mit der AfD und ihrem politischen Personal sympathisieren. Denn diese Leute schalten ja wegen der AfD ein und nicht, weil es über die AfD geht - vor allem dann nicht, wenn schon im Vorhinein klar ist, dass die AfD dabei nicht gut wegkommen wird (Natürlich soll sie dabei nicht gut wegkommen. Allerdings  werden diese Menschen einen Teufel tun und einer Veranstaltung beiwohnen, wenn schon vorher klar ist, dass es gegen ihre Ansichten geht und dort keiner ist, der oder die stellvertretend für sie diese Ansichten verteidigt.)