Dokumentation der Bundesfachtagung 2014

Wie wollen wir zusammenleben?

Noch schnell ein Klimawechsel-Plakat aufgehängt, und ein paar Flyer auf dem Courage-Infotisch verteilt, und schon sind draußen auf dem Hof die ersten Ankömmlinge zu sichten: Courage-NetwerkerInnen, angereist aus allen Bundesländern. Mit kleineren und größeren Koffern, die sie hinter sich herziehen, schlendern sie über den Hof der Jugendbildungsstätte Pumpe in Berlin-Schöneberg und suchen den „Check – in“.  Es sind MitarbeiterInnen der Landeskoordinationen und der Regionalkoordinationen, der kommunale Ansprechpartner sowie VertreterInnen der außerschulischen Kooperationspartner und ausgewählte PädagogInnen an den Courage-Schulen.

Vom 25. Juni bis 27. Juni fand die Bundesfachtagung 2014  des Courage-Netwerks in statt, bei der unter dem Motto „Wie wollen wir zusammenleben?“ über die Herausforderungen, Handlungsfelder und Methoden des Netwerks diskutiert wurde.


Als lernende Organisation will die Bundeskoordionation mit den rund 200 Angereisten folgende Fragen erörtern:
Was sind die gesellschaftlichen Herausforderungen und Realitäten, denen sich die Aktiven des Courage-Netzwerkes bei ihrem Engagement gegen alle Ideologien der Ungleichwertigkeit heute stellen müssen?
Welche Handlungsfelder ergeben sich daraus für die Arbeit an den Schulen? Mit welchen Methoden können diese an den Schulen thematisiert und bearbeitet werden?

Wie kann an den Courage-Schulen eine innovative und zeitgemäße Arbeit gegen jede Ideologie der Ungleichwertigkeit gelingen?
 Welche Organisations- und Kommunikationsstrukturen, Qualifikationen und Bündnisse können den nachhaltigen Erfolg dieser Arbeit sicherstellen?
Welche Qualifikationen benötigen wir für die Aktiven? Und woher kommen die notwendigen zusätzlichen finanziellen und personellen Ressourcen?

Der rote Faden, der sich im Laufe der dreitägigen Tagung durch alle Impulsreferate und Statements zog war die Tatsache, dass Rassismus und Diskriminierung zur Realität unserer Gesellschaft gehören. Und leider spiegelt sich dieses gesellschaftliche Problem auch in den Bildungseinrichtungen. Fast jeder vierte Mensch in unserer Bevölkerung fühlt sich bereits in der Schule diskriminiert.

Den TagungsteilnehmerInnen ist klar, dass zivilgesellschaftliches Engagement ein wichtiger Aspekt der Antidiskriminierungsarbeit ist. Doch „Zivilgesellschaften sind kein Ponyhof“, meint Roland Roth, Professor für Politikwissenschaften in Marburg zum Auftakt. In seinem Impulsreferat „Gelingensbedingungen erfolgreichen zivilgesellschaftlichen Handelns“ erläutert der Wissenschaftler, dass eine aktive Bürgerschaft ein wesentliches Qualitätsmerkmal einer funktionierenden Zivilgesellschaft sei.

Mit dem Appell, aktiv zu werden, verteilten sich die 200 MultiplikatorInnen auf zahlreiche Workshops. In ihnen wurde über Ideologien der Ungleichwertigkeit diskutiert, die aktuell die politische Landschaft und gesellschaftliche Realität in Deutschland und Europa dominieren. Welche Auswirkungen haben diese Diskurse auf die Klassenzimmer und welche Handlungsfelder ergeben sich daraus für die pädagogische Praxis..

Am zweiten Tag der Bundesfachtagung widmeten sich die TagungsteilnehmerInnen der Frage, welche pädagogischen Methoden bisher bei der Bekämpfung von Ideologien der Ungleichwertigkeit erfolgreich waren und welche neue Methoden sie mit nach Hause nehmen können?

Fremde Schwestern, fremde Brüder?!

Die größte Überraschung im Rahmen der Bundesfachtagung war nach einhelliger Meinung der Workshop „Ost- und Westdeutschland – fremde Schwestern, fremde Brüder?!“ Auch 25 Jahre nach der Wende erfährt diese in der Antidiskriminierungsarbeit keine große Beachtung, zumindest nicht, wenn es um die gegenseitige Diskriminierung von ehemaligen Ost- und Westdeutschen geht. So reagierten auch die Tagungsgäste zunächst mit Skepsis auf das Angebot: „Ich wusste gar nicht, wieso überhaupt so ein Workshop angeboten wird“, sagte eine Teilnehmerin. Doch aufgeregte Gemüter und emotionsgeladenen Gespräche offenbarten den Bedarf, auch dieses Thema in Zukunft anzugehen.

Unter diesen Links finden sich Zusammenfassungen aller:

Vorträge und Statements


Workshop-Phase I.                 Workshop-Pase II.

Workshop-Phase III.              Workshop-Phase IV.