Organisatorische Weiterentwicklung des Netzwerkes

Am Freitag, den 27. Juni, beschäftigten sich die Workshops vor allem mit der Frage, wie das Courage-Netzwerk organisatorisch weiterentwickelt werden kann.

Der Referent Samy Charchira von Aktion Gemeinwesen und Beratung betonte im Workshop „Öffnung von Schule in die Kommune“ dass die Strukturen von bisher bekannter Jugendhilfe heute nicht mehr existieren, da sie nicht mehr funktioniert hätten. „Jugendliche sind nicht mehr wie früher in Jugendzentren anzutreffen“, so Charchira. Es sei entscheidend, die Angebote der freien Kinder- und Schulhilfe direkt an die Schulen zu bringen, wo man Jugendliche noch am ehesten erreicht. Ein Stichwort hierbei ist der Begriff „Community School“. Schule dürfe kein geschlossener Raum bleiben, sondern müsse seine Angebote über die Wissensvermittlung hinaus erweitern. „Der Bildungsauftrag umfasst auch die Vermittlung von Werten und Normen und auch das Angebot von Freizeitaktivitäten.“ Für die erfolgreiche Umsetzung dieses Konzepts müsse die Schule außerschulische Kooperationspartner heranziehen, die zum Beispiel Aufgaben wie Berufsberatung übernehmen. In der Folge könne das die Qualität des Bildungsangebotes steigern, die Lehrerschaft entlasten und damit den Unterricht insgesamt dynamischer machen, was für alle Beteiligten einen Gewinn darstellen würde. Positive Beispiele gibt es bereits im Courage-Netzwerk.

Im Workshop „Kommunizieren im Courage-Netzwerk und in der Öffentlichkeit“ diskutieren MultiplikatorInnen mit dem Referenten Eberhard Seidel, Geschäftsführer von Schule ohne Rassismus  - Schule mit Courage, darüber, wie die Eigendarstellung des Projektes optimiert werden kann. Einheitliche Plakat- und Posterkampagnen würden die Identifikation mit dem Projekt verstärken und positive Rückmeldungen gab es bezüglich der Q-rage und dem Angebot der Materialien wie der Themenhefte und Handbücher. Auch begrüßen die MultiplatorInnen den geplanten vierteljährlichen Newsletter und regen an, weniger über das Kleinklein der Projektarbeit als vielmehr über politische Diskurse zu informieren.

Über fachliche und inhaltliche „Qualifizierung – Fort- und Weiterbildung der Akteure des Courage-Netwerkes“ informierte im gleichnamigen Workshop Manfred Dieckenbrock vom DGB-Bildungswerk. „Wir müssen die Schulen für eine Gesellschaft der Vielfalt fit machen“, meint Dieckenbrock, denn „hybride Identitäten gehören längst zum Alltag“. Die Qualifizierung des Lehrpersonals in den Bildungseinrichtungen könne aber nur schrittweise erfolgen. In dieser Hinsicht seien Angebote der migrationspädagogischen Öffnung ein guter Einstieg, aber Themen wie Gesundheit eignen sich auch um das Personal für neue Themen zu öffnen. Ziel ist es, mit der Zeit demokratiepädagogische Arbeit aus dem Unterricht heraus zu leisten. Geeignet seien dabei Seminarformate, die ganz- oder halbtags am Arbeitsplatz wahrgenommen werden können. Entscheidend sei in jedem Fall eine gute Vernetzung. 

Unter dem Titel „Langfristige Verankerung des SOR-Ansatzes in der Schule“ stellte Cornelia Habisch von der Landeskoordination Sachsen-Anhalt vor, wie Nachhaltigkeit erreicht werden kann. Zentral sei vor allem zu Beginn gewesen, Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage in ein Landesprogramm für Demokratie einzubinden und umfassend, auch durch staatliche Vertreter (Kultusministerium), um Teilnahme zu werben. Entscheidend in einem Flächenland sei auch das Engagement starker Kooperationspartner in den Regionen; lohnenswert die Kontaktaufnahme mit Bundesmodellprojekten. Als nächster Schritt soll mit Arbeitgeberverbänden, Kammern und Gewerkschaften Kontakt aufgenommen werden. Außerdem biete die Landeskoordination umfangreich Material und Unterstützung an: vom Jahreskalender über ein Begrüßungspäcken für neue SchülerInnen und Handreichungen („Wie geht es nach der Titelverleihung weiter?“) bis zu Zeitzeugenreisen (u. a. mit Shoah-Überlebenden), Schulprojekttagen, Theaterprojekten (u. a. zu Diversity) und Lehrerfortbildung (u. a. zu Rechtsextremismus). Die Schulen treffen sich bei Landes-und Regionaltreffen („Aber da brauchen wir mehr Regionalkoordinationen. Dass Schulen sich untereinander organisieren, ist selten.“). In der Debatte wurde deutlich, wie zentral die Herausforderung ist, nicht nur eine SOR zu gründen, sondern dauerhaft zu etablieren – und wie groß der inhaltliche wie finanzielle Unterstützungsbedarf ist.

Wie man Zusammenarbeit organieren kann, stellte Andrea Rauch von der Landeskoordination Brandenburg in „Koordinieren und Kooperation – Aufbau nachhaltiger Netzwerkstrukturen“ vor: „Gutes Networking funktioniert wie Billard“, so Rauch – und damit über „Bande“, also über indirekte Kontakte. Von Seiten der Kooperationsparter wurde deutlich, dass es auch in Schulen zuweilen an festen und über Kapazitäten verfügenden Ansprechpartnern mangelt.

In „Diversity und Bildung“ schickte Claudia Schanz die Teilnehmer mit biographischen Kärtchen (Eltern und Schüler verschiedener Herkunft und Bildung, Lehrer, Schulleitung, Sozialarbeiter, Reinigungspersonal etc.), zum Rollenspiel vor die Tür. Das Ziel: zu erspüren und debattieren, wer sich im System Schule wie fühlt. Deutlich wurde binnen kürzester Zeit, wie unterschiedlich das subjektive Gefühl der Integration ist: Wer die Sprache nicht sprach, nicht angesprochen wurde und/oder ohnehin unterprivilegiert in der Gesellschaft ist (Asylbewerber, Sinti) erlebte sofort Gefühle von Exklusion und klinkte sich in Folge aus. Schanz: „Die entscheidende Frage ist: Wer kann was tun, um die Dominanzverhältnisse an Schulen zu verändern?"

Zurück zu Bundestreffen 2014