Islam und Ich

Jung sein im Land der Vielfalt

Von September 2010 bis Dezember 2013 setzte die Bundeskoordination im Rahmen der "Initiative Demokratie Stärken" des Jugendministeriums (BMFSFJ) das Modellprojekt "Islam und Ich – Jung sein im Land der Vielfalt" um.

Schüler*innen und Lehrer*innen werden darüber informiert, wie der Islamismus in Deutschland auftritt. Sie setzen sich damit auseinander, mit welchen Argumenten und Handlungen Islamisten wichtige Freiheitsrechte in Frage stellen. Das Besondere: Die Kinder und Jugendlichen wirken bei der Problemanalyse, bei der Entwicklung von Materialien und bei der gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit.

Islam & Schule

Plakat: Jung sein im Land der Vielfalt
Das Handbuch für Pädagog*innen

Der Islam ist die zweitgrößte Religion in Deutschland. Hunderttausende Kinder und Jugendliche werden in ihrem Alltagsleben, ihren Werten und ihren Identitäten durch ihn beeinflusst. Welches Wissen über die Themenfelder Islam und die Muslime, Muslimfeindlichkeit, Islamismus und Dschihadismus benötigen Lehrer*innen und Pädagog*innen im schulischen Alltag?   Das Handbuch ‚Islam & Schule‘ motiviert dazu, diese komplexen Themen aufzugreifen. Es bietet Hintergrundinformationen und Anregungen für die pädagogische Auseinandersetzung und folgt einem religionsübergreifenden, an den universellen Menschenrechten orientierten Ansatz. In dem Modellprojekt ‚Islam & Ich – Jung sein im Land der Vielfalt‘ entwickelte und erprobte Beispiele, wie man die Themen Islam, Islamismus und Muslimfeindlichkeit mit kunstpädagogischen Methoden wie Theater, Musik und Illustration verbinden kann, werden dargestellt.   Zahlreiche Materialien und Praxisbeispiele von unseren Kooperationspartnern ergänzen die Vorschläge für die Arbeit an den Schulen. Die klare Struktur bietet schnelle Orientierung in einer vielschichtigen und mitunter komplizierten Materie. Und: Es ist ein Mitmach-Ordner, der es dem Leser ermöglicht, aktuelle und ergänzende Materialien unter den entsprechenden Stichworten abzuheften.


Inhalte
  • Das Handbuch: Einsatz im Unterricht. Konzept. Ansatz.
  • Lernziel: Gleichwertigkeit
    Prävention von Islamismus und Muslimenfeindlichkeit:
    Gewaltprävention, Partizipation, Demokratieerziehung u. a. m.
  • Der Islam: Kurze Religionsgeschichte. Die Umma. Glaubensrichtungen. Glaubensinhalte.
  • Die Muslime: Islam und Muslime in Deutschland. Organisationsformen. Islamistische Gruppen. Grundlagen der Anerkennung
  • Debatten rund um den Islam: Muslimfeindlichkeit. Streit ums Minarett. Zwischen Islam und Islamismus. Islamisierter Antisemitismus. Gedenkstättenarbeit.
  • Muslimische Lebenswelten: Muslimische Jugendkulturen. Gender und Islam. Religiöse Praxis und ihre Regelungen.
  • Islam in der Schule: Herausforderungen im Schulalltag. Das Modellprojekt ‚Islam & Ich’. Themen und Methoden innovativ miteinander verbinden – Theater, Musik, Illustration und Schreiben.
  • Qualifikation: Workshops für SchülerInnen, Modellseminare, Fortbildungsformate für Lehrer*innen.

Rund um das Projekt

Postkarte: Islam und Ich
Themenheft: Jugendkulturen zwischen Islam und Islamismus
Themenheft: Islam und Ich
Ausgangslage

Rund vier Millionen Muslime leben in Deutschland, darunter Hunderttausende schulpflichtige Kinder und Jugendliche. Seit Jahren sorgen in diesem Zusammenhang insbesondere zwei Themen für öffentliche Aufmerksamkeit. Zum einen die Frage, wie es der Islam mit dem Recht auf sexuelle Selbstbestimmung und den individuellen Freiheitsrechten hält. Das zweite Thema bezieht sich auf die Gefahr, die von radikal-islamistischen Gruppen für unsere Gesellschaft ausgeht. Die Bundeskoordination geht bei der Auseinandersetzung mit dem Thema neue Wege. Sie bezieht die Kinder und Jugendlichen sowohl bei der Problemanalyse mit ein, als auch bei der Entwicklung von Materialien für die gesellschaftliche Auseinandersetzung mit den Themen. Denn bei den Debatten der Erwachsenen wird regelmäßig vergessen: Noch niemals in seiner Geschichte war die Bevölkerung Deutschlands in ihrer ethnischen und religiösen Zusammensetzung so heterogen wie heute. Auch wurde noch niemals so interkulturell geliebt, debattiert und auch gestritten. Jung sein im Land der Vielfalt bedeutet heute auch, dass sich Kinder und Jugendliche tagtäglich darüber austauschen, was ihre gemeinsamen, für alle verbindlichen Werte sein sollen. Allerdings findet dieser spannende, zukunftsweisende Prozess der interkulturellen Verständigung unter den Kindern und Jugendlichen weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, da es an geeigneten Plattformen fehlt, die die Ergebnisse dieser Suche in eine breiteres Publikum kommunizieren könnten. Oft fehlt es auch an einer fachkundigen pädagogischen Moderation durch Erwachsene, die die Kinder und Jugendlichen bei ihrer Suche nach gemeinsamen Werten und Normen begleiten und unterstützen sollten.

Zielsetzung

Die von der Bundeskoordination entwickelten inhaltlichen und methodischen Ansätze des praktischen Umganges mit menschen- und demokratiefeindlichen Ideologien werden unter den folgenden Fragestellungen weiterentwickelt:
  • Wie macht sich Islamismus in unserem Alltag bemerkbar?
  • Welche islamistischen Ideologien und welche geschulten Ideologen begegnen uns in der Schule und im Stadtteil?
  • Die Geschlechterfrage – wie wird diese von Tradition und Religion im Schulalltag beeinflusst?
  • Wie mit Intoleranz und menschenverachtende Ideologien bei den Minderheiten und der Mehrheit umgehen?
  • Wie kann das Zusammenleben von Mehrheit und ethnischen, religiösen und nationalen Minderheiten in der Gesellschaft gestaltet werden?
  • Was können Schulen gegen Islamismus, Antisemitismus und andere Formen von Extremismus und menschenfeindlichen Ideologien tun, um so praktisch an der Festigung von Demokratie und Menschenrechten mitzuwirken?
  • Wie können wir einen angemessenen Umgang mit der Problematik finden, ohne in Islamophobie einerseits oder populistische Islamkritik andererseits abzugleiten?