Rassistischer Antirassismus? Eine Richtigstellung

Berlin, den 31.07.2013

Am 31.07.2013 erschien von dem Journalisten Alan Posener auf „weltonline.de“ der Beitrag Rassistischer Antirassismus für den Unterricht“ und in der Print-Ausgabe der „Welt“ der Artikel „Rassistischer Antirassismus“. In beiden Artikeln werden schwere Vorwürfe gegen unser soeben erschienenes Themenheft „Rassismus. Erkennen & Bekämpfen“ erhoben.

Die zwei zentrale Vorwürfe lauten: Erstens: „Das Heft thematisiert nur die Vorurteile gegen Zuwanderer. Die Bösen sind weiß, christlich und rechts; die Guten nichtweiß, islamisch und links“. Und zweitens: „Der virulente Antisemitismus arabischer und türkischer Zuwanderer“ würde verschwiegen „überhaupt wird der Antisemitismus heruntergespielt“ und „soll wohl nicht erkannt und bekämpft, sondern geduldet werden“. Die Kritik zielt sowohl an dem Inhalt und dem Anliegen des Themenheftes als auch an dem Ansatz von „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ (SOR-SMC) vorbei.

SOR-SMC beschäftigt sich nicht nur mit dem klassischen Rassismus, sondern wirkt allen Ideologien der Ungleichwertigkeit von Menschen entgegen. Wir wenden uns gegen alle totalitären und demokratiegefährdenden Ideologien. Dabei vertreten wir einen horizontalen Ansatz. D.h. Diskriminierungen zum Beispiel aufgrund der Religion, der sozialen Herkunft, des Geschlechts, körperlicher Merkmale, der politischen Weltanschauung oder der sexuellen Orientierung werden nicht hierarchisiert, sondern in ihrer Bedeutung gleichrangig nebeneinander gestellt und aufgegriffen.

Wir gehen davon aus, dass jeder Mensch diskriminieren kann, egal wie er aussieht und woher er kommt. Unsere Aussage im Editorial ist eindeutig: “Niemand ist nur Opfer oder Täter.“ Theorieansätze, die unterstellen, dass Rassismus ein Privileg von weißen, europäischen und US-amerikanischen Christen sei oder Antisemitismus ein Vorrecht von Deutschen, halten wir für ebenso falsch, wie Ansätze, die meinen, Vertreter von Minderheiten könnten nicht diskriminieren, rassistisch und antisemitisch sein.

Konsequent vertreten wir in all unseren Publikationen und in der alltäglichen Praxis die Auffassung, dass Menschenrechtserziehung in einer Einwanderungsgesellschaft auf Dauer nur dann erfolgreich sein kann, wenn sie frei von ideologischen Barrieren allen Ideologien der Ungleichwertigkeit, sowohl in der Mehrheitsgesellschaft, als auch unter den Minderheiten entgegenwirkt. Eine Aufteilung in „Eure“ und „unsere“ Bösen fällt nach unserer Auffassung weit hinter den Stand der gesellschaftlichen Entwicklung zurück.

Diesem Verständnis entsprechend geben wir die Reihe „Themenhefte“ heraus. Diese Broschüren beschäftigen sich mit Einzelaspekten von Diskriminierung. Im Einzelnen sind bislang erschienen:

1. Religion und Diskriminierung. Wie Religionen diskriminieren und diskriminiert werden (2006)
2. Diskriminierung auf Grund der sexuellen Orientierung (2007)
3. Rechtsextremismus. Musik, Zeichen und Symbole (2008)
4. Jugendkulturen zwischen Islam und Islamismus. Lifestyle, Medien und Musik. (2008 & aktualisiert und erweitert 2010)
5. Rechtsextremismus in der Einwanderungsgesellschaft. Exjugoslawen, Russlanddeutsche, Türken, Polen.(2010)
6. Fatma ist emanzipiert, Michael ein Macho!? Geschlechterrollen im Wandel (2012)
7. Islam & Ich. Muslimhasser; Lifestyle für die Umma; Soundtrack für Allah; Dschihad 2.0; Jung, Deutsch, Gotteskrieger (2012)
8. Rassismus. Erkennen & Bekämpfen (2013)
9. Weitere Themenhefte zu Antisemitismus in Deutschland und zu Diskriminierung aufgrund von Behinderung sind für 2014 und 2015 geplant

Die Publikationen von SOR-SMC (sowohl die Themenhefte, als auch die Zeitung Q-rage) belegen, dass für uns Ideologien der Ungleichwertigkeit in der Mehrheitsgesellschaft und unter den Minderheiten gleichermaßen eine gesellschaftliche Herausforderung darstellen. Der in den Welt-Artikeln erhobene Vorwurf, „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ würde nur Vorurteile gegen Zuwanderer thematisieren oder ein dichotomes Weltbild vertreten, nach dem Motto: Täter = böse Mehrheitsgesellschaft, Opfer = gute Minderheiten, ist nachweislich Unsinn.

Mit dem Antisemitismus unter arabischen und türkischen Zuwanderern und dem Islamismus als totalitäre, politische Ideologie haben wir bereits seit 2004 zu einem unserer zentralen Themen gemacht. Wir haben dazu Publikationen erstellt und viele Fortbildungsseminare durchgeführt.

Zu einer Analogie „die Muslime sind die neuen Juden“, wie das in den Artikel unterstellt wird, würden wir uns schon deshalb nicht versteigen, weil eine solche These falsch und unsinnig ist.

Wir empfehlen allen, sich selbst ein Bild von der Qualität des Themenheftes zu machen. Hier können Sie unsere Publikationen bestellen.

Sanem Kleff                       Eberhard Seidel
Leiterin                              Geschäftsführer