Stellungnahme zur Aktion „Bunte Vielfalt" in Osterburg

Berlin, 5. Oktober 2017

Sanem Kleff, Leiterin der Bundeskoordination, und Eberhard Seidel, Geschäftsführer der Bundeskoordination, schließen sich folgender Stellungnahme der Landeskoordination Sachsen-Anhalt an:

Seit einigen Tagen wird das Markgraf-Albrecht-Gymnasium in Osterburg (Sachsen-Anhalt) u.a. von Vertretern der Fraktion der AfD im Landtag von Sachsen-Anhalt und von der ehemaligen Bundestagsabgeordneten Erika Steinbach scharf kritisiert. Ins Visier geraten war die Schule aufgrund einer Aktion für gesellschaftliche Vielfalt am letzten Schultag vor den Ferien. Vor diesem Hintergrund hat die Landeskoordination Sachsen-Anhalt das Gespräch mit der Schulleitung gesucht. Aus dem Gespräch haben sich folgende Fakten ergeben:

  • Die Courage-AG der Schule hatte dazu aufgerufen, an diesem Tag in möglichst bunter Kleidung zum Unterricht zu erscheinen und in der ersten großen Pause gemeinsam auf dem Schulhof die Grundsätze von "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" zu bekräftigen.
  • Diese Aktion wurde nicht von ‚oben‘, also von der Schulleitung oder der Lehrerschaft verordnet, sondern von der Courage-AG der Schule, also aus der Schüler*innenschaft heraus, initiiert und mit Unterstützung der Lehrer*innenschaft durchgeführt, die Teilnahme war freiwillig.
  • Die Bundestagswahl und der vorausgegangene Wahlkampf waren Auslöser der Aktion, da viele Schüler*innen von dem zu diesem Anlass vielerorts spürbaren Rassismus negativ beeindruckt waren und das Bedürfnis hatten, im Sinne ihres Schultitels eine Aktion für gesellschaftliche Vielfalt und Weltoffenheit durchzuführen.
  • Diese Aktion richtete sich nicht gegen eine einzelne Partei, weder im Aufruf noch während der Aktion selbst wurde eine der kandidierenden bzw. im Bundestag vertretenen Parteien genannt, auch wenn dies die Berichterstattung in einer regionalen Zeitung nahegelegt hat, die Neutralität im Hinblick auf parteipolitische Präferenzen wurde von der Schule nicht verletzt.


Von einem Verstoß der Schule gegen geltende Grundsätze der politischen Bildung oder den Konsens des Courage-Netzwerks kann aus dieser Perspektive keine Rede sein. Trotzdem treffen seit der Berichterstattung aus dem gesamten Bundesgebiet zum Teil hetzende und verleumdende Mails und Postings in der Schule ein, aus der Elternschaft und der Schüler*innenschaft hat nach Auskunft der Schulleitung bislang niemand die Aktion kritisiert, stattdessen kommen positive Rückmeldungen.

Cornelia Habisch
Landeskoordinatorin Sachsen-Anhalt