Das Schokokuss-Plakat wurde von Schüler*innen des Fritz-Henßler-Berufskollegs in Dortmund entworfen.

Rassismus

Jeder kann diskriminieren, egal welche Hautfarbe man hat, ob mit oder ohne Migrationshintergrund, ob arm oder reich, alt oder jung, dick oder dünn, Mann oder Frau. Niemand ist nur Opfer oder nur Täter. Das bedeutet allerdings nicht, dass jeder gleichermaßen von Rassismus betroffen ist.

Rassismus ist eine Ideologie, die Europäer im 17. und 18. Jahrhundert entwickelt haben. Um die Rassen zu erkennen, benannte man bestimmte körperliche Eigenschaften zu Erkennungsmerkmalen um. Dabei wurde nicht die Augenfarbe, sondern die Hautfarbe als Haupterkennungsmerkmal zur Unterscheidung der verschiedenen menschlichen ,Rassen’ gewählt.

Indem es als wahr galt, dass die schwarzen Bewohner*innen Afrikas unzivilisierter waren, als die weißen Europäer*innen, ließ sich die Kolonisierung, Unterdrückung und Ausbeutung ihrer Länder leichter rechtfertigen.

Auch die nationalsozialistische Weltanschauung hat ihr Fundament im Rassismus und ging davon aus, dass es höherwertige und minderwertige Menschen gibt. Die rassistische Ideologie der Gegenwart bezieht sich stärker auf kulturelle Differenzen zwischen Menschen, wenn sie Diskriminierung und Verfolgung rechtfertigt. Trotz offizieller Ächtung wirkt die rassistische Ideologie bis heute in Institutionen, der Sprache und im Alltagsleben fort:

Das Spiel „Wer hat Angst vorm schwarzen Mann“, die Aussage, „das ist doch getürkt“ oder „hier geht es zu wie in einer Judenschule“ zeugen davon, wie rassistische Sichtweisen in unserem Sprachschatz eingeflossen sind. Jugendliche sind auf vielfältige Weise mit Rassismus konfrontiert. Aber ebenso vielfältig sind ihre Projekte, in denen sie sich im Rahmen des Courage-Netzwerkes mit alltäglichem Rassismus zum Beispiel auf dem Schulhof auseinandersetzen.

Selbstaussagen zum Rassismus

„Zweierlei muss ich für den Rest meines Lebens im Auge behalten: mein Gewicht und meinen Rassismus."  So lautet der Text auf einer schlichten, aber nur vordergründig einfachen Papierserviette des amerikanischen Künstlers Cary S. Verfolgt man den spiralförmig und scheinbar handschriftlich aufgebrachten Satz, der sich bis zum Begriff des Rassismus nach innen windet, so ist man längst Teil der durch Cary S. Leibowitz entwickelten Idee der Selbstspiegelung und der vorbehaltlosen Selbstbefragung.

Schüler*innen der Oberstufe der Erich Kästner-Gesamtschule in Essen machten sich genau auf diesen Weg der Selbstreflexion und dokumentieren für andere Jugendliche und Erwachsene diesen Prozess eigener Reflexion in Texten und eigenen 'Servietten'. Herausgekommen ist dabei das Buch „Gewichtsprobleme? Selbstaussagen zum Rassismus“.

Darin schildern die Schüler*innen berührend offen und reflektiert ihre eigenen rassistischen, fremdenfeindlichen und homophoben Vorurteile. Sie regen damit zum Nachdenken über den eigenen Rassismus in sich an. Sie beziehen Position und zeigen zudem Folgeprojekte für andere Schulen auf. Alfred Büngen, Verleger des GEEST-VERLAG attestierte den Schüler*innen bei der Buchvorstellung: „Hier ist Erstaunliches geleistet worden“.

Das fand auch die Jury des Wettbewerbs „Kinder zum Olymp“. Die Kulturstiftung der Länder ruft jährlich bundesweit zu einem Wettbewerb für Schulen auf. Kinder und Jugendliche sollen die Möglichkeit erhalten, sich aktiv in kulturellen Projekten zu engagieren und eigene künstlerische Erfahrungen zu sammeln. 2009 gehörten die Schüler*innen der Erich-Kästner-Gesamtschule zu den Preisträgern.

Aus der Laudatio: „Uns überzeugte, auf welchem hohen Niveau die Schüler*innen gearbeitet haben. Fast drei Jahre dauerte der literarische Prozess. Beeindruckend ist der hohe Anspruch, den die Schüler*innen an sich selbst gestellt haben und den sie mit Hilfe diverser Kooperationspartner auch einlösen konnten. Mehr kann Schule kaum leisten."