Rechtsextremismus in der Einwanderungsgesellschaft

An den Schulen gibt es heute erfreulicherweise eine relativ hohe Kompetenz im Umgang mit dem deutschen Rechtsextremismus. Lehrer*innen sowie Schüler*innen stehen eine Fülle von hochwertigen Unterrichtsmaterialien und Informationsbroschüren zur Verfügung.

Völlig anders sieht die Lage beim Wissen um die Ideologien und Aktivitäten rechtsextremer und ultranationalistischer Gruppen aus Ländern wie der Türkei, dem ehemaligen Jugoslawien oder Russland aus, die unter den Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund um Zustimmung werben. Hier fehlt es weitgehend an Fachkompetenz, an Unterrichtsmaterialien und an qualifizierten Fortbildungen. Das ist brisant, denn wie die deutschen Rechtsextremen haben auch extremistische Migrantenorganisationen die Schulen längst als Rekrutierungs- und Agitationsfeld entdeckt. 

Ein Land wie Deutschland, in dem bereits jedes dritte schulpflichtige Kind einen Migrationshintergrund hat, kann sich diese Einseitigkeit in der Auseinandersetzung mit extremistischen Bestrebungen nicht leisten. Ein überzeugender Einsatz für Vielfalt und Toleranz ist nur möglich, wenn allen Ideologien der Ungleichwertigkeit mit der gleichen Entschiedenheit entgegengetreten wird, unabhängig davon, wer sie vertritt. Geschieht dies nicht, verliert Engagement für Menschenrechte sehr schnell an Glaubwürdigkeit.

An den Schulen müssen wir uns deshalb fragen: Welchen extremistischen Einflüssen, die ihren Ursprung in den Herkunftsländern ihrer Familien haben, sind diese Schüler*innen ausgesetzt? Welches Amalgam entsteht aus ultranationalistischen Ideologiefragmenten und demütigenden  Diskriminierungserfahrungen? Wo sollte, ja muss die Schule eingreifen? Wie können wir erkennen, ob bestimmte Symbole und Zeichen, die Jugendliche mit Migrationshintergrund tragen, einen rechtsextremen Hintergrund haben?

Die Bundeskoordination befasst sich in dem Themenheft „Rechtsextremismus in der Einwanderungsgesellschaft“ mit menschenfeindlichen Ideologien, die ihren Ursprung in den Herkunftsländern der größten Einwanderergruppen haben: Rechtsextreme und ultranationalistische Gruppierungen türkischer, russischer, serbischer, bosniakischer, kosovarischer und polnischer Herkunft. Sie umwerben Jugendliche in Deutschland zum Teil seit Jahrzehnten und erziehen sie zum Hass.

Dieses Themenheft schließt damit eine Lücke, die in der politischen Bildung in Deutschland bis heute besteht. Sie beschäftigt sich bislang fast ausschließlich mit dem deutschen Rechtsextremismus. Das hat viele Gründe - historische wie demografische. Der Gewichtigste lautet: Der Rechtsextremismus der Mehrheitsgesellschaft ist nach wie vor die größte Herausforderung, schlicht weil die Mehrheit die Mehrheit ist: 65 Millionen Deutschen stehen 16 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund gegenüber. Dies darf jedoch nicht dazu führen, den Rechtsextremismus der Minderheiten zu vernachlässigen oder gar zu ignorieren.

Die Broschüre „Rechtsextremismus in der Einwanderungsgesellschaft" kann man hier bestellen. Link zu Courage-Shop