Die Frage des Tages

Wie können wir Mobbing an Schulen begegnen?


Wer Mobbingangriffen ausgesetzt ist, leidet. Mobbing erzeugt Stress, macht körperlich und psychisch krank; es macht depressiv und kann bis zu Selbstmordgedanken führen. Wie die Opfer von Mobbing mit den erlittenen Demütigungen und Verletzungen umgehen ist sehr unterschiedlich. Viele bleiben äußerlich passiv, schlucken ihre Trauer und Wut herunter. Wer so reagiert, dem wird häufig vorgehalten, er nähme alles hin und wehre sich nicht genug. Andere, sogenannte provozierende Opfer, reagieren offensiv und aggressiv – was ihnen allerdings auch vorgeworfen wird.

Erfolgreiche Gegenmaßnahmen zielen grundsätzlich darauf ab, das Selbstwertgefühl aller Schulmitglieder zu stärken. Wenn das gelingt, steigt mit ihm auch die Bereitschaft und auch die Kompetenz, Konflikte gewaltfrei zu lösen. Dahinter steckt auch: Wer andere Menschen durch Mobbing erniedrigt, hat ein ausgeprägtes Bedürfnis, sich selbst zu erhöhen und stark zu fühlen.

Anti-Mobbing-Seminare sensibilisieren Schüler*innen und Pädagog*innen für die diversen Erscheinungsformen von Mobbing. Wer diese kennt, kann auch frühe Anzeichen in seiner Klasse erkennen und gegensteuern. Die ruhige Lisa wird immer unkonzentrierter, zieht sich zurück, ist in sich gekehrt? Oder, im Gegenteil, streitlustig und aggressiv; ihre Leistungen sinken? All das kann viele Ursachen haben. An Mobbing als eine mögliche sollte gedacht werden.



Wichtige Fragen bei der Bekämpfung von Mobbing sind zudem:

  • Bekommen Mobbing-Opfer schulintern Unterstützung, zum Beispiel vom Vertrauenslehrer oder der Klassenlehrerin?

  • Werden sie in Mobbing-Fällen an außerschulische Beschwerde- oder Beratungsstellen vermittelt? Denn externe Einrichtungen, die leider bundesweit noch zu wenig vorhanden sind, können bei Mobbing Unterstützung bieten. Zum Teil bieten die Schulverwaltungen oder Kultusministerien explizit Ansprachpartner*innen und Beratungsmöglichkeiten bei Mobbing, so zum Beispiel in Bayern, Berlin, Brandenburg, Hamburg, Hessen und Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, NRW und im Saarland. Helfen kann außerdem der Schulpsychologische Beratungsdienst in deinem Bundesland. Beratung von Jugendlichen für Jugendliche gibt es auf der Seite Juuuport.

  • Gibt es schulinterne Qualifizierungsangebote für Lehrkräfte? Ein Workshop reicht dabei nicht aus, notwendig ist eine langfristige Qualifikationsstrategie. Einige Methoden für den professionellen Umgang mit Mobbing sind zum Beispiel die FARSTA-Methode und der No-Blame-Approach.

  • Gibt es Möglichkeiten zur Ausbildung zu Schulmediator*innen?

  • Werden in jedem Schuljahr neue Schüler*innen und Lehrer*innen zu Konfliktlotsen ausgebildet?

Ein soziales, angstfreies Schulklima sowie eine intensive Kommunikation im Schulalltag können bereits mit einfachen Instrumenten wie dem Klassenrat oder einer aktiven Schülerselbstverwaltung gefördert werden. Je mehr Möglichkeiten es an einer Schule gibt, das respektvolle und solidarische Miteinander zu stärken und sich mit Ursachen und Auswirkungen von Mobbing und Cybermobbing auseinanderzusetzen, desto effektiver wird dieses verhindert.

Als generelle Tipps an die Opfer von Cybermobbing können gelten: Auf beleidigende und die Persönlichkeitsrechte verletzende E-Mails, SMS und Handynachrichten sollte nicht geantwortet werden; jede Reaktion motiviert die Täter nur, weiterzumachen. Bei andauernder Belästigung ist sinnvoll, sich einen neuen Account anzulegen. Wer beim Chatten mitbekommt, dass andere gemobbt werden, sollte nicht schweigend darüber hinwegsehen, sondern sich auf die Seite des Opfers stellen und es damit stärken.      

Und: Auch wenn die vermeintlich anonyme und ungeregelte virtuelle Welt immer mehr Täter*innen ermutigt, immer aggressiver gegen ihre Opfer vorzugehen: Das Internet ist kein rechtsfreier Raum. Beleidigungen, die über das Netz verbreitet werden, sind strafbar. Ein Screenshot, also ein Bild von der betreffenden Seite, ist schnell gemacht und ein erster Beleg, mit dessen Hilfe der Täter überführt werden kann.


Eine vollständige Version dieses Textes mit weiterführender Literatur findet ihr in den Handbüchern Lernziel Gleichwertigkeit für die Grund- und für die Sekundarstufe.
Verschiedene Strategien gegen Mobbing sind außerdem in der Anti-Mobbing-Fibel des
Landesinstituts für Schule und Medien Berlin-Brandenburg dargestellt.