icon-arrow-slidericon-plusicon-sticky

In der Schule über Kolonialismus sprechen

Neue Publikation: Themenheft „Kolonialismus“

Deutschland hat über viele Jahrzehnte sein koloniales Erbe verdrängt. Erst seit Kurzem rückt ins Bewusstsein, wie sich dies auf den Alltag, die Kunst, Kultur und Sprache auswirkt. Wie kann man sich mit dem Thema an der Schule auseinandersetzen? Wie sähe eine kolonialismuskritische Bildung aus?

Das neue Themenheft „Kolonialismus“ bietet einen Einstieg. Es gibt einen historischen Überblick über die deutsche Kolonialgeschichte, stellt historische Akteure ebenso wie die der heutigen Postkolonialismus-Debatte vor und zeigt, wie man sich in der Schule mit dem Thema befassen kann. Zu Wort kommen Schüler*innen, Wissenschaftler*innen, Pädagog*innen, Journalist*innen und Aktivist*innen – aus Deutschland, Kenia, Mali und Syrien.

Sanem Kleff, Direktorin der Bundeskoordination von Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage: „Endlich wird in Deutschland über Kolonialismus gesprochen, seine Spuren sind überall: in unseren Straßennamen, in den Museen, in der Musik, in unserem Wohlstand und vor allem in dem, was wir glauben zu wissen. Deshalb muss die Auseinandersetzung mit dem kolonialen Erbe fester Bestandteil des Unterrichts an unseren Schulen werden.“

Das Themenheft „Kolonialismus“ gibt es zum kostenlosen Download als PDF. Die Printausgabe des Buches kann für eine Schutzgebühr von 4,95 € gekauft werden. Zum Courage-Shop

Der Historiker Joachim Zeller schlägt einen historischen Bogen vom Deutschen Reich als Kolonialmacht, das sich ab 1884 Gebiete in Afrika, China und der Südsee zu eigen machte, bis in die Gegenwart. Er zeigt, dass der deutsche Kolonialismus im Zusammenhang mit der Durchsetzung eines auf Europa zentrierten kapitalistischen Weltmarktes zu sehen ist. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs wurden die überseeischen Gebiete des Deutsches Reiches unter den siegreichen Kriegsgegnern aufgeteilt. Nicht erst mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten geriet auch Osteuropa als imperiales Zielgebiet in den Blick und wurde schließlich zum Schauplatz eines Vernichtungskrieges. Eine kolonialkritische Aufarbeitung blieb nach dem Zweiten Weltkrieg in beiden deutschen Staaten lange Zeit aus. Wie in der DDR das Thema der Bundesrepublik zugeschoben wurde, erörtert der DDR-Historiker und Migrationsforscher Patrice Poutrus.

Das Themenheft gibt zahlreiche konkrete Beispiele, mit denen man sich im Unterricht das Thema Kolonialismus erschließen kann. So geht es in einem Interview mit dem Rapper Matondo über die Geschichte des Hip Hop und dessen kulturelle Aneignung. Eine Schülerin appelliert für fairen Kaffee im Schülercafé, eine weitere fordert, Namen von Straßen und Plätzen in der eigenen Stadt auf deren Kolonialgeschichte zu überprüfen. Saraya Gomis, Vorständin von EachOneTeachOne und Staatssekretärin in Berlin, spricht in einem Interview über eurozentristische Schulbücher und Diskriminierung im Schulalltag. In insgesamt zwölf kurzen Biografien werden Menschen, die gegen Kolonialismus und Rassismus kämpften und kämpfen, vorgestellt – von Mahatma Gandhi über Nelson Madela bis Achille Mbembe. Angereichert ist das Heft mit weiterführenden Literaturtipps.

Die Erstellung des Themenheftes „Kolonialismus“ wurde gefördert vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“.

Pressemitteilung zum Download