icon-arrow-slidericon-plusicon-sticky

Demokratie muss gelebt werden

24. November 2025

Demokratie müsse im Alltag gelebt und gelernt werden, heißt es im Grußwort von Bildungsministerin Karin Prien. Sie richtete ihre Worte per Videobotschaft an die Teilnehmenden der Auftaktveranstaltung des von „Demokratie leben!“ geförderten Kooperationsverbunds „Demokratiebildung im Kindesalter“ (KV DeKi). Rund 90 Akteur*innen aus Kita, Schule, Hochschule, Politik und Zivilgesellschaft kamen dafür am 13. November 2025 in Berlin zusammen. Karin Prien griff dabei einen zentralen Punkt auf, der im Laufe des Tages immer wieder hervorgehoben wurde: Kinder müssen Demokratie unmittelbar erleben – und in ihrer Kita oder Schule mitbestimmen und mitgestalten können.

In der Vorstellungsrunde der sechs Partnerorganisationen des Kooperationsverbunds Deutsches Kinderhilfswerk e. V., Deutsche Gesellschaft für Demokratiepädagogik e. V., Deutsche Kinder- und Jugendstiftung, Institut Kinderwelten für diskriminierungskritische Bildung e. V., Netzwerk für Demokratie und Courage e. V. und Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage/Aktion Courage e. V. wurde deutlich, worum es auf der Veranstaltung ging: um Austausch, Vernetzung, Synergien und Anregungen mit Blick auf das Ziel des KV DeKi, eine bundeszentrale Infrastruktur (BZI) in dem Bereich Demokratiebildung im Kindesalter zu entwickeln.

In vier Ted Talks kamen Akteur*innen aus der Demokratiebildung zu Wort. Dr. Seyran Bostanci vom Deutschen Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung stellte Adultismus als großes Hindernis für die Demokratiebildung dar. Es hinge von den Erwachsenen ab, wie viel Demokratie Kinder erleben können. Sie müssten Macht abgeben und Räume schaffen. Zudem müsse Diskriminierungsschutz institutionell verankert werden; denn Rassismus, Sexismus und andere Diskriminierungsformen verhinderten Teilhabe. Maryam Haschemi Yekani von der Beratungsstelle KiDs – Kinder vor Diskriminierung schützen! zeigte, wie Kindern ihre Erfahrungen häufig mit „Das war ja keine Diskriminierung“ abgesprochen wird. Sie plädierte dafür, vor allem auch Erwachsenen Kinderrechte zu vermitteln – denn oft gehe von ihnen Diskriminierung aus. Yildiz Sakti, Kitaleitung INA Kindergärten, stellte ganz praktische Maßnahmen vor, wie zum Beispiel das systemische Konsensieren, bei dem jedem Kind zugehört wird statt einige Kinder einfach zu überstimmen, wie es bei Mehrheitsentscheidungen häufig geschieht.

Besonders bewegend war der Beitrag von Judith Strohm der Initiative Bad Freienwalde ist bunt. Sie berichtete von einem gewaltvollen Überfall auf das jährliche Fest der Initiative, auf dem marginalisierte Menschen eine Bühne haben und Vielfalt gefeiert wird. Bei allem Gegenwind, den sie und andere Engagierte im Ort ausgesetzt sind, gibt es viele Menschen, die sie unterstützen und dem Rechtsextremismus trotzen. So veranstaltete die Initiative gemeinsam mit einer Aktiven-Gruppe einer unserer Netzwerkschulen auch einen Stolpersteinrundgang.

In der zweiten Tageshälfte wurde in einem World Café und anschließendem Bühnengespräch darüber diskutiert, was gute Demokratiebildung Kita, Schule und außerschulische Bildung braucht – und welche Rolle die zukünftige BZI des KV DeKi dabei übernehmen soll. Klar wurde: Wie auch immer die BZI ausgestaltet sein wird, sie soll ein starkes Netzwerk bilden, das Orientierung bietet und Demokratiebildung nachhaltig stärkt. Gegen Ende der Veranstaltung brachte es eine Teilnehmerin auf den Punkt: Demokratiebildung sollte selbstverständlich sein – kein Spezialprojekt für wenige, sondern Ausdruck unserer verfassungsrechtlichen Grundlagen.