icon-arrow-slidericon-plusicon-sticky

„Die Plakette ist keine Biontech-Impfung“

12. Januar 2026

Sanem Kleff spricht im Interview über das Bildungssystem, ihr Engagement gegen Rassismus und über das Courage-Netzwerk.

Sanem Kleff, Direktorin des von Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage und Vorsitzende des Vorstands des Trägervereins Aktion Courage e. V. Foto: (c) Wolfgang Borrs

Sanem Kleff hat 25 Jahre das Projekt Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage geleitet. Nun hört sie auf. Im Interview mit der taz spricht sie über das Bildungssystem, ihr Engagement gegen Rassismus und über das Courage-Netzwerk.

Seit 45 Jahren setzt sich Sanem Kleff gegen diskriminierende Strukturen im deutschen Schulsystem ein. Sie begann 1981 als Lehrerin an Berliner Hauptschulen Geflüchtete und andere Seiteneinsteiger aus dem Ausland in „Deutsch als Zweitsprache“ zu unterrichten. Im selben Jahr wurde sie Mitglied in der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, GEW. Als Direktorin des Netzwerks Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage entwickelte sie es mit einem neuen inhaltlichen Ansatz und einer neuen föderalen Organisationsstruktur zum wohl größten schulischen Präventionsnetzwerk in Europa.

In einem Interview mit der taz, die tageszeitung, erklärt Sanem Kleff, was eine Mitgliedschaft im Netzwerk und das Schild mit dem Logo am Schulgebäude bedeuten – und was nicht: „Die Plakette ist keine Biontech-Impfung gegen Rassismus. Es geht um eine Selbstverpflichtung der Schulen: Wenn an meiner Schule Diskriminierung, Gewalt, Mobbing vorkommt, schauen wir nicht weg.“

Sie spricht auch über den Rechtsruck in unserer Gesellschaft und den zunehmenden Druck, unter dem Pädagog*innen stehen, die sich gegen Ideologien der Menschenfeindlichkeit engagieren: „Die Angriffe sind vielfältiger und größer geworden … Es macht einen Unterschied, ob rechte Sprüche inzwischen auch in Parlamenten fallen und Menschen mit rechtsextremen Positionen in Beiräten, Vorständen und Entscheidungsgremien vertreten sind – in Bildungsstätten, Museen, Stiftungen. Menschen mit solchen Positionen sind viel lauter und sichtbarer als vor 10 oder 15 Jahren.“

Zu der Frage, ob AFD-Vertreter*innen an einer Courage-Schule eingeladen werden dürfen oder nicht, sagt die Pädagogin: „Wir sind nicht neutral, sondern haben klare Leitlinien: Es kann nur im Einzelfall pädagogische Settings geben, in denen Einladungen von Personen, die Menschenhass verbreiten, legitim sind – mit entsprechender Vorbereitung, inhaltlicher Auseinandersetzung und Nachbereitung. Grundsätzlich aber müssen Schulen nicht alle Parteien einladen. Wir regen zur Auseinandersetzung mit den Inhalten an.“

Zum Interview mit der taz, die tageszeitung