Eindrücke vom Bundeskongress 2026: Demokratie unter Druck
Wie bleiben wir handlungsfähig, wenn Rechtsextremismus erstarkt und autoritäre Einstellungen zunehmen? Diese Frage stand im Zentrum des Bundeskongresses von Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage, zu dem am 16. und 17. September 2026 mehr als 170 politische Bildner*innen und Expert*innen aus dem gesamten Bundesgebiet nach Berlin kamen. Unter dem Titel „Demokratie unter Druck“ ging es um die Herausforderungen für die politische Bildung an Schulen und um die Frage, was jetzt zu tun ist.
Die neue Geschäftsführung der Bundeskoordination des Netzwerks, Zonya Dengi und Carsten Völtzke, eröffnete den Kongress. Sie lobte das anhaltende Engagement im Netzwerk, sprach aber auch den Druck an, unter den das Netzwerk zunehmend gerät. Die rbb-Abendschau hat anlässlich des Bundeskongresses über den wachsenden Einfluss Rechtsextremer auf die Demokratiebildung berichtet (zum Beitrag).












Dr. Volker Ullrich, Vizepräsident der Bundeszentrale für politische Bildung, wendete sich anschließend mit einer Videobotschaft an die Teilnehmenden, und machte dabei deutlich: Politische Bildung sei nicht neutral, wenn es um die Werte unseres Grundgesetzes geht. Die Bundeszentrale für politische Bildung ist eine langjährige Partnerin des Netzwerks Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage, und sie finanziert den Bundeskongress.
Es folgte ein Grußwort von Sanem Kleff, Vorstandsvorsitzende des Trägervereins Aktion Courage e. V.: Während ausgerechnet jetzt Trägern und Programmen der Demokratiebildung die Mittel gekürzt würden, wüchsen die Erwartungen. Kleff richtete auch solidarische Grüße an die Engagierten in Sachsen-Anhalt. Rund 800 Schüler*innen und Pädagog*innen besuchten parallel zum Bundeskongress das dortige Landestreffen. Später verlas Norbert Hocke, Vorstandsmitglied von Aktion Courage e. V., eine Solidaritätserklärung.
Prof. Dr. Sabine Achour von der Freien Universität Berlin stellte die aktuelle Mitte-Studie vor: Als wirksame Maßnahme gegen Rechtsextremismus würden 61 Prozent der Befragten mehr politische Bildung nennen. Viele seien selbst bereit, etwas gegen Rechtsextremismus zu tun, wobei ein Drittel nicht wisse, was sie konkret tun könnten. Daraus ergäbe sich für die politische Bildung unter anderem der Auftrag, sichere Räume für Demokratielernen zu schaffen, der Normalisierung rechter Ideologien entgegenzuwirken und die Unabhängigkeit politischer Bildung von der Politik zu sichern. Zudem gelte es, den Neutralitätsmythos auszuräumen.
Die Politikwissenschaftlerin diskutierte im Anschluss mit Lilli Berthold von der Bundesschülerkonferenz, Elina Stock vom Hauptvorstand der GEW und Carsten Völtzke von der Geschäftsführung der Bundeskoordination. Auf die Frage, was wir als politische Bildner*innen angesichts des Erstarkens des Rechtsextremismus und zunehmender autoritärer Einstellungen tun können, kamen die Podiumsteilnehmerinnen zu dem Schluss: Wir müssen Beteiligungsstrukturen und Schülervertretungen stärken, mehr Mitbestimmung ermöglichen und Verantwortung stärker in die Hände der Schüler*innenschaft geben. Dafür brauche es Vertrauen in das eigene Handeln, gegenseitige Unterstützung und den Mut, Demokratie aktiv mitzugestalten.








Viele verschiedene Workshops und der Markt der Möglichkeiten, auf dem sich Kooperationspartner aus dem Courage-Netzwerk darstellten, gaben den Teilnehmenden viele wertvolle Impulse.
Am Abend performte Musiker BOSSE. Als Schulpate zweier Courage-Schulen unterstützt er das SOR-SMC-Netzwerk bereits seit vielen Jahren. Axel Bosse sprach über seine Initiative „Hirn gegen Hass“, mit der er sich für mehr Offenheit, Toleranz und Mitmenschlichkeit einsetzt und Spenden für Aktion Courage e. V. sammelt. Auf dem Bundeskongress überreichte er zum zweiten Mal einen großzügigen Spenden-Scheck. Die erste Spende nahm Aktion Courage e. V. im Dezember 2025 entgegen.
DJ İpek, ebenfalls Schulpat*in, machte deutlich, selbst ein Netzwerk wie SOR-SMC in der eigenen Kindheit gebraucht zu haben. DJ İpek habe häufig Ausgrenzungserfahrungen gemacht, ohne diese damals schon richtig deuten zu können. Zum Abschluss legte DJ İpek auf und viele Kongressgäste tanzten bis in die Nacht.
Der zweite Tag startete mit Diana Ezerex. Die Singer/Songwriterin ist Patin von zwei Schulen in Baden-Württemberg. Nach ihrem Auftritt sprach sie über die Bedeutung von SOR-SMC: Das Netzwerk gebe die Möglichkeit, sich mit Rassismus und Diskriminierung zu beschäftigen. Die Musikerin gibt Songwriting-Workshops an Schulen. So würden Dinge thematisierbar, die sonst nur schwer zur Sprache kämen.
Jakob Springfeld las aus seinem Buch „Der Westen hat keine Ahnung, was im Osten passiert. Warum das Erstarken des Rechtsextremismus eine Bedrohung für uns alle ist“. Der Aktivist aus Zwickau setzt sich darin kritisch mit der Debatte um den Rechtsruck auseinander, wie etwa ambivalente Situationen während Demonstrationen im ländlichen Raum Ostdeutschlands. Er hielt fest: Wir sollten in den Schulen nicht nur gegen rechtsextreme Rede diskutieren, sondern auch den Raum für diejenigen öffnen, die produktiv diskutieren oder sich engagieren wollen.
Im Abschlussplenum stellte Zonya Dengi, Geschäftsführerin Finanzen & Medien von Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage, eine Medienauswertung über SOR-SMC vor: Täglich erscheinen 2,4 Berichte, wobei 96 Prozent der Berichterstattung positiv oder neutral ausfiele. Sie betonte, wie wichtig die Sichtbarkeit der Geschichten und vielfältigen Projekte im Netzwerk seien.
Carsten Völtzke, Geschäftsführer Struktur & Qualität von Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage, erklärte: Schulen kämen weiter ins Netzwerk, aber das Netzwerk müsse dafür sorgen, dass es zukünftig genug Ressourcen hätte, um die Schulen begleiten zu können. Die Wirkungsmöglichkeiten sollten die Bundeskoordination, Landes- und Regionalkoordinationen gemeinsam ausbauen.