Heiße Tage, starke Botschaften
Auch in den Sommermonaten zeigt das Netzwerk Courage.
Hitze und Sonnenschein locken ins Freibad, an den Badesee oder ans Meer. Doch auch in der Sommerzeit ruht das Engagement im Courage-Netzwerk nicht. Beispiele aus verschiedenen Bundesländern zeigen, dass auch in den Sommermonaten Projekte und Aktionen stattfinden.
Veränderung beginnt im Gespräch – das machten die Schulbesuche der Filmemacherin und Antirassismus-Aktivistin Mo Asumang an vier Schulen in Brandenburg deutlich. „Es ging uns darum, mit jungen Menschen über Rassismus, Ausgrenzung und Zivilcourage in den Austausch zu gehen – diese Themen sind aktueller denn je“, sagt Andrea Baumann von der Landeskoordination, die diese Schultour begleitet hat.
Am 8. und 9. Juli 2025 ging es mit Mo Asumang und ihrer Dokumentation „Die Arier“ nach Cottbus, Eichwalde, Gransee und Neuruppin. Der Film ist ein Plädoyer für Dialog und Mut. Mo Asumang sucht darin das direkte Gespräch mit bekennenden Rassisten und Neonazis – immer mit dem Ziel, Brücken zu bauen. Nach dem Film hatten die Courage-Schülerinnen die Möglichkeit, Fragen zu stellen. „Einige Gespräche waren sehr persönlich, andere nachdenklich oder emotional. Es wurde deutlich, dass der Film bei vielen etwas in Bewegung gesetzt hat“, berichtet Andrea Baumann. Insgesamt konnten mit den Veranstaltungen fast 300 Schüler*innen erreicht werden.
Zum Fachtag „Junge Männlichkeit“ der Landeskoordination Bayern kamen am 16. Juli Pädagog*innen von verschiedenen Courage-Schulen online zusammen, um über die Gefahr zu sprechen, die von „echter Männlichkeit“ ausgeht. Auf TikTok, YouTube und Instagram wetteifern Influencer*innen mit Strategien, wie aus jungen Männern „echte“ Männer werden sollen. „Echt“ bedeutet vor allem eine Abwertung von allem, was als nicht männlich identifiziert wird.
Der Fachtag thematisierte die Anziehungskraft toxischer Männlichkeitsbilder und deren Rolle für autoritäre und rechtsextreme Kräfte in unserer Gesellschaft. In zwei Vorträgen wurde auf die ideologischen Hintergründe und aktuellen Entwicklungen eingegangen: Frauenhass, Queerfeindlichkeit und Rassismus werden massenhaft in Memes und Reels geteilt und in Chats und Blogs zum Unterhaltungsspektakel. Gleichzeitig bilden reduzierte Vorstellungen von Mann und Frau eine ideologische Brücke zwischen verschiedenen antidemokratischen Positionen. Zusätzlich zu den Expert*innen-Inputs konnten die Teilnehmenden in drei verschiedenen Arbeitsgruppen ihre Erfahrungen teilen. Sie diskutierten, wie sie im Alltag und im Klassenzimmer mit dem Thema Männlichkeit, das bisher eher selten pädagogisch aufgegriffen wurde, umgehen können.
In Rostock fand am 17. Juli im Peter-Weiss-Haus das Landestreffen Mecklenburg-Vorpommern statt. Rund 80 Schüler*innen und pädagogische Fachkräfte kamen zusammen, um sich auszutauschen, neue Impulse zu sammeln und gemeinsam Zeichen gegen Rassismus zu setzen. In den vielen Workshops beschäftigten sich die Teilnehmenden unter anderem mit Diskriminierung, Diversität, politischer Beteiligung und queeren Perspektiven im Schulalltag.
Die Landeskoordinatorin Josefine Lohmann berichtet: „Im Workshop ,Reflexion meiner eigenen Haltung‘ wurde an der eigenen Positionierung gearbeitet, während ,Schule verqueeren‘ queere Lebensrealitäten in Schule beleuchtete. Bei ,Vielfalt im Klassenzimmer ist ein Gewinn‘ wurde zum Austausch über Vorurteile und Handlungsmöglichkeiten im Schulalltag angeregt. Im Format ,Mitmischen M-V‘ wiederum entwickelten junge Teilnehmende konkrete politische Forderungen auf Grundlage eigener Erfahrungen.“ Am Nachmittag gab es zwei Highlights: einen postkolonialen Stadtrundgang durch Rostock sowie den Workshop ,SAGMAL‘, bei dem mit von Mikrofonen Stimmen für eine Welt ohne Rassismus gesammelt und zu einem Audiobeitrag verarbeitet wurden. Mit einem Konzert der Band Lappalie klang der Tag mit klaren Botschaften und guter Stimmung aus. „Das Landestreffen 2025 hat deutlich gemacht: Courage-Schulen sind nicht nur Orte des Lernens, sondern auch Orte der Haltung“, resümiert Josefine Lohmann.




Weitere Vernetzungstreffen sind ab Herbst im ganzen Bundesgebiet geplant. Als Nächstes lädt die Landeskoordination Thüringen am 3. September 2025 zum Landestreffen unter dem Motto „Wir gegen Rassismus. Wir mit Courage“ die thüringer Courage-Schulen ein. Das Landestreffen Bremen findet am 9. September statt.