An den Holocaust erinnern
Am 27. Januar erinnern jedes Jahr zahlreiche Schulen, Initiativen und Institutionen an die Verbrechen der Nationalsozialisten und ihre Opfer. An diesem Tag wurde 1945 das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz von der sowjetischen Armee befreit.
Viele Courage-Schulen nehmen den Holocaust-Gedenktag oder auch andere Gedenktage wie den 8. Mai (Ende des Zweiten Weltkriegs 1945) oder den 9. November (Novemberpogrome 1938) zum Anlass, um sich mit dem Holocaust und mit Biografien von Menschen, die von den Nazis verfolgt oder ermordet wurden, zu beschäftigen. Gedenkaktionen und Erinnerungsprojekte können dabei von den Courage-Schulen ganz unterschiedlich umgesetzt werden, wie diese drei Beispiele zeigen:
Schüler*innen der Berufsbildenden Schule Stade II in Niedersachsen haben den Audioguide „Erinnerung. Jetzt“ entwickelt, um das Bewusstsein für das Leid jüdischer Familien während der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Stade von 1933 bis 1945 zu schärfen.

Der Audioguide begleitet einen historischen Stadtrundgang, der die Zuhörenden von einem Erinnerungsort zum nächsten führt und dabei persönliche, auch bewegende Einblicke in die Schicksale der Opfer gibt. Für dieses Projekt hat die Courage-Schule Ende November 2024 den Zivilcouragepreis der Niedersächsischen Landesregierung erhalten, der mit 2.000 Euro dotiert ist. Die Jury hob die nachhaltige und öffentlichkeitswirksame Auseinandersetzung mit Rassismus und Antisemitismus sowie die Umsetzung des Stadtrundgangs als bleibendes Zeichen gegen das Vergessen hervor.
Der Jüdische Friedhof Grevenbroich (NRW) ist seit 2014 ein Ort des Gedenkens und der Begegnung. Die Projektgruppe „KKG – Gegen das Vergessen“ der Käthe-Kollwitz-Gesamtschule machte sich seit seiner Wiedereröffnung mit diversen Aktionen für ein aktives Gedenken stark. Seither beteiligt sich die Schule mit einem Gedenkmarsch vom Synagogenplatz zum Friedhof an dem jährlichen Gedenken anlässlich der Novemberpogrome von 1938. Außerdem finden regelmäßig Friedhofführungen und Friedhofsreinigungen statt. Etwas ganz Besonderes sind für die Courage-Schüler*innen die ergreifenden Begegnungen mit Nachfahren von Holocaustopfern aus Grevenbroich, die Familiengräber besuchen und gemeinsam mit den Schüler*innen ihrer Vorfahren gedenken.
Zum Thema „Der Geschichte auf der Spur“ fand im Juni letzten Jahres der Anne Frank Tag an der Europaschule Gymnasium Teterow in Brandenburg statt.

Die Teilnahme an dem bundesweiten Aktionstag ging von einer Schüler*inneninitiative aus. Den Kern bildete eine großformatige Ausstellung über Anne Frank, mit der sich rund 160 Courage-Schüler*innen intensiv befassten. Durch verschiedene Anschauungsmaterialien konnten die Schüler*innen mehr über Annes Leben, ihre Tagebücher und die historischen Hintergründe des Zweiten Weltkriegs und des Holocaust erfahren. Die Mitglieder der Initiative standen ihren Mitschüler*innen für Fragen zur Verfügung. Ein Mitglied erklärt: „Uns war es wichtig, nicht nur Fakten zu vermitteln, sondern auch die emotionale und menschliche Seite der Geschichte zu zeigen. Anne Franks Schicksal ist ein Mahnmal für die Schrecken, die Antisemitismus, Rassismus und Intoleranz verursachen können.“ Der Anne Frank Tag am 12. Juni wird jedes Jahr vom Anne Frank Zentrum mit Sitz in Berlin für Schulen bundesweit ausgerichtet, Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage ist auch in diesem Jahr wieder Kooperationspartner.