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Courage und Inspiration bei Landes- und Regionaltreffen

4. Dezember 2024

Impressionen von einigen der vielen Landes- und Regionaltreffen im Courage-Netzwerk, die in diesem Herbst stattgefunden haben.

Gäste auf dem niedersächsischen Landestreffen (links), vor dem Landtag Schwerin im Rahmen des Landestreffens Mecklenburg-Vorpommern (Mitte), Slam-Poet Henrik Szántó (rechts)

In den Bundesländern und Regionen finden regelmäßig Landes- und Regionaltreffen zur Qualifizierung und Vernetzung der Courage-Schulen statt. Sie fördern ein solidarisches Miteinander und stärken die Aktiven bei ihrem Einsatz gegen antidemokratische und diskriminierende Tendenzen.

Am 1. und 2. Oktober lud die Landeskoordination Mecklenburg-Vorpommern Schüler*innen, Lehrpersonen und Schulsozialarbeiter*innen zum Landestreffen in die VHS Schwerin. Am Eröffnungsabend stimmte der Slam-Poet Henrik Szántó die rund 40 Gäste mit Texten über Vielfalt, Mehrsprachigkeit und Herkunft ein. Danach nutzten die Aktiven den Abend für Austausch über Erfolge, Herausforderungen und Stolpersteine in der SOR-SMC-Arbeit vor Ort. Diskutiert wurde auch, wie es ihnen mit den aktuellen gesellschaftspolitischen Entwicklungen in Deutschland geht und welche Sorgen und Befürchtungen sie haben.

Am zweiten Tag trafen die Netzwerk-Aktiven auf die Enquete-Kommission „Jung sein in MV“ im Schweriner Landtag. Sie beschäftigt sich mit den Bedürfnissen junger Menschen in Mecklenburg-Vorpommern und mit politischen Maßnahmen zur Verbesserung der Attraktivität des Bundeslandes für Kinder und Jugendliche. In den Workshops wurde anschließend Fragen nachgegangen wie: Wie kann Kommunikation zu einer demokratischen Schulkultur beitragen (oder diese auch behindern), wie kann Hass im Netz begegnet und wie durch Zivilcourage Gewalt vorgebeugt werden? Zum Abschluss des Landestreffens, das die Landeskoordination Mecklenburg-Vorpommern zusammen mit der Konrad-Adenauer-Stiftung veranstaltete, waren sich alle Beteiligten einig: Vernetzung wird immer wichtiger.

120 Teilnehmende kamen zum diesjährigen Regionaltreffen im Regierungsbezirk Detmold in die VHS Bielefeld. „Insbesondere angesichts der jüngeren Entwicklungen ist es motivierend zu sehen, wie wir hier alle uns einsetzen. Zu sehen, was andere Schulen machen und über die Workshops Inspiration für die eigene Arbeit mitzunehmen, ist super“, fasste eine Lehrkraft ihre Eindrücke von dem Netzwerktreffen zusammen, das die Landeskoordination NRW organisierte. Das Workshopangebot reichte von Improtheater zum Thema Mut über die Auseinandersetzung mit aktuellen Formen von Antisemitismus bis zu Friedensaktivismus.

Zu letzterem Thema gab es vor Ort eine Ausstellung unter dem Titel „Gesichter des Friedens“ zu sehen. „Jeder Mensch kann Frieden stiften! Jeden Tag hast du die Wahl, zu einer friedlicheren Gesellschaft beizutragen“, sagte Friedensaktivistin Ada Hakobyans, die in der Ausstellung vorgestellt wird. Sie wuchs in Armenien auf und war sechs Jahre alt, als der Krieg zwischen Armenien und Aserbaidschan um die Region Bergkarabach ausbrach – ein Konflikt, der erst jüngst wieder Schlagzeilen machte.

In Niedersachsen fand in Hildesheim am 26. September zum ersten Mal seit der Corona-Pandemie wieder ein Landestreffen in Präsenz statt. Fast 200 Schüler*innen und Lehrkräfte hatten sich bei der Landeskoordination angemeldet, um in der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK) über ihre Projekte in den Schulen, über Empowerment, das große Ganze und die Arbeit im Kleinen zu sprechen und neue Inspiration mit nach Hause zu nehmen. Im Rahmen des Eröffnungsprogramms nutzte Resa Memarnia, der neue Geschäftsführer der Bundeskoordination von Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage, die Gelegenheit, seine Wünsche und Visionen für das Netzwerk mit den Teilnehmenden zu teilen. Für ihn spiele die Partizipation von Schüler*innen, die schließlich die Basis Netzwerks bildeten, eine ganz zentrale Rolle, erklärte er.

Zehn unterschiedliche Workshops konnten am Nachmittag von den Teilnehmenden besucht werden. Es ging unter anderem um Empowerment, das durch Schreiben ebenso wie durch Boxen gestärkt werden kann; um Freiräume in der Schule und wie man sie nutzen kann; und darum, wie Lehrkräfte antidemokratischen Einstellungen in der Schule begegnen können. Nach zwei Stunden versammelten sich alle wieder in der Aula. Leuchtende Gesichter und angeregte Gespräche zeugten von den bereichernden Workshop-Erfahrungen. Im abschließenden Austausch wurden Pläne für die Zukunft geschmiedet.

Zum Thüringer Landestreffen trafen sich mehr als 250 engagierte Schüler*innen und Pädagog*innen am 12. November in Weimar. Das Veranstaltungsmotto lautete: #wirsindnichtneutral. So stand die Frage im Mittelpunkt, wie an Schulen aktiv und bewusst ein solidarisches, demokratisches und offenes Miteinander geschaffen werden kann und wie sich Hass und Ausgrenzung im Schulalltag erkennen, reflektieren und bekämpfen lassen. In zahlreichen Workshops wurde der Umgang mit Rassismus und Rechtsextremismus in Schulen diskutiert. Ein Highlight war in diesem Jahr ein eigener Grundschulbereich mit drei Workshops speziell für Schüler*innen ab der 1. oder 3. Klasse zu Themen wie Diversität beziehungsweise Gaming sowie ein Angebot für Grundschulpädagog*innen zum Thema Adultismus. 

Aus Aachen sowieden Kreisen Düren, Euskirchen, Heinsberg und dem Rhein-Erft-Kreis versammelten sich am 2. Oktober rund 130 Schüler*innen und Pädagog*innen am Gedenkort Vogelsang zum Courage-Tag, der von den betreffenden Regionalkoordinationen und der Landeskoordination NRW veranstaltet wurde. Unter dem Veranstaltungsthema „Alte Rechte – Neue Rechte“ setzten sie sich intensiv mit der Geschichte und Kontinuität rechter Gewalt in Deutschland auseinander. Im Mittelpunkt standen wichtige Gedenk- und Tatorte wie Solingen, Köln und Hanau, die verdeutlichen, wie gefährlich und weitreichend die Folgen rechter Ideologien sind. Ziel des Tages war es, die gesellschaftlichen und politischen Strukturen zu erkennen, die Ausgrenzung und Gewalt begünstigen, und gemeinsam Strategien für eine friedlichere und gerechtere Zukunft zu entwickeln.