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Fünf Jahre „Demokratiebildung im Jugendalter“

25. November 2024
Auftaktveranstaltung von “Demokratie leben!” in Berlin am 23.01.2020. (c) Florian Gaertner/ photothek.net

Mit dem Jahr 2024 endet die fünfjährige Förderphase von „Demokratie leben!“ und damit des Kompetenznetzwerks „Demokratiebildung im Jugendalter“ (KNW). Auf der Abschlussveranstaltung am 19. November waren sich die rund 80 Teilnehmenden einig: Von den Netzwerkstrukturen und den Ergebnissen wird die Demokratiebildung noch Jahre profitieren.

Neben Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage/Aktion Courage e. V. gehören die Dialog macht Schule gGmbH, das Netzwerk für Demokratie und Courage e. V., die Deutsche Gesellschaft für Demokratiepädagogik e. V. und die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung zum KNW. Zu Beginn stellten die fünf Partnerorganisationen je einen Themenfokus vor. Den Auftakt machte Elke Fiege von der Bundeskoordination mit einer Einführung in die Rolle von Präventionsnetzwerken in der Demokratiebildung. Sie erläuterte, wie Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage seine Strukturen ausgebaut und Ansätze entwickelt hat, um die schulische wie außerschulische Demokratiebildung durch Kooperation und Austausch voranzubringen. Dabei betonte sie, es gehe nicht darum, Schulen „mal zu bespielen“ – sondern um die Förderung nachhaltiger Synergieeffekte und langfristiger Kooperationen. Ziel sei es, Räume zu schaffen, in denen Kinder und Jugendliche sich als gesellschaftlich und politisch Handelnde erleben, aktiv für Gleichwertigkeit eintreten und das Klima an ihrer Schule und in ihrer Kommune mitgestalten können. Mit Verweis auf die Studie „Kooperationen und Synergien zwischen Partnerschaften für Demokratie und Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage zeigte sie, wie sich Kooperationen sowohl strukturell als auch auf Projektebene erfolgreich und nachhaltig entwickelt haben. Den Input beendete sie mit den Worten: „Netzwerke stärken Demokratie. Sie fördern Engagement, Synergien und Partizipation und machen deutlich: Gemeinsam sind wir stärker.“

Dialog macht Schule (DmS) widmete sich dem Thema „Identität und Zugehörigkeit in der Migrationsgesellschaft“. Migration beeinflusse alle gesellschaftlichen Bereiche und insbesondere den Bildungsbereich. Ärgerlich sei, dass Migration per se häufig als problematisch wahrgenommen werde. Die beiden Referent*innen erklärten, ein Zugehörigkeitsgefühl sei die Voraussetzung für Demokratiebildung, zugleich hätten Menschen oft multiple Zugehörigkeiten zu verschiedenen Gruppen. Und: Demokratiebildung benötige selbstkritische Reflexion; Kontroversen gehörten zur DNA der Demokratie.

Anschließend berichtete das Netzwerk Demokratie und Courage (NDC) von dem Prozess, „Forderungen für eine nachhaltige Bearbeitung von Diskriminierung in Schule“ zu erarbeiten. Die fünf Forderungen  umfassen: eine Ausweitung und Anpassung der Landesantidiskriminierungsgesetze, die Einbeziehung und Verpflichtung von Schulleitungen bei der Umsetzung einer diskriminierungskritischen Schule, die Lehrkräfteausbildung, konkrete Maßnahmen für Schulen sowie finanzielle Mittel und Unterstützungsstrukturen. Einige KNW-Partner haben die Forderungen mitunterzeichnet.

Die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung (DKJS) stellte unter dem Titel „Was braucht gute Demokratiebildung? Reflexion von Qualitätsentwicklung in der Bildungsarbeit“ ein Reflexionstool vor, das Akteur*innen politischer Bildung online zur Verfügung steht. Aus Interviews mit jungen Menschen, Fachkräften und Verwaltungen wurden acht Qualitätskriterien entwickelt, deren Umsetzung Organisationen bei sich selbst überprüfen können: Werte und Demokratiekompetenzen, Demokratieverständnis, Haltung und Rolle, Diversität und Lebensweltorientierung, Beteiligungsverständnis, Lernkultur, Projekt- und Kooperationsmanagement. Abschließend stellte die Deutsche Gesellschaft für Demokratiepädagogik (DeGeDe) demokratiepädagogische und diskriminierungskritische Methoden in den Schulen, vor allem den Diskriminierungskritischen Klassenrat,vor.Angekündigt wurde eine Toolbox zu den Methoden.

Dann tauschten sich die Teilnehmenden in fünf Workshops  aus. In der von der Bundeskoordination moderierten Runde zu Präventionsnetzwerken wurde deutlich: Es braucht ein engmaschiges Netz sowie eine gute Kennntnis der Kooperationspartner, um eine standortnahe Betreuung der Courage-Schulen sicherzustellen. Als Methoden wurde auf die Vernetzungstreffen auf Landes- und Regionalebene, Workshops für Schüler*innen und Lehrkräfte sowie Fachpublikationen, Gutachten und Handreichungen hingewiesen. Zwei Koordinator*innen aus NRW zeigten anhand konkreter Beispiele, wie unterschiedlich die Bedarfe an den Schulen sind. Und ein oft übersehener Mehrwert der Netzwerkarbeit wurde betont: der wertvolle Austausch und die kollegiale Beratung unter Koordinator*innen und politischen Bildner*innen, die das Netzwerk ermöglicht.

Abschließend lobten Dr. Jan Brezger, Referent für Demokratieförderung im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, und Dr. Franziska Heinze vom Deutschen Jugendinstitut, das „Demokratie leben!“ wissenschaftlich begleitet, die Themensetzung sowie die gelungene Vernetzung innerhalb des KNW. Sie wiesen auf die Broschüre „Gemeinsam für Demokratie und gegen Extremismus“ hin, welche die Strategie der Bundesregierung im Bereich Demokratiestärkung und -bildung vorstellt. Peggy Eckert von der DKJS bekräftigte den fruchtbaren Austausch der Partnerorganisationen im KNW. In den Präsentationen und Workshops sei deutlich geworden, dass in den fünf Jahren zahlreiche hilfreiche Produkte entstanden seien und die Organosationen auch weiterhin von den Netzwerkstrukturen profitieren könnten.