30 Jahre Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage
Im größten Schulnetzwerk Deutschlands engagieren sich mehr als 2,5 Millionen Kinder und Pädagog*innen für eine diskriminierungssensible und respektvolle Schulkultur.
Vor dreißig Jahren, am 25. August 1995, stellte der Vorsitzende von Aktion Courage e. V. Cem Özdemir der Öffentlichkeit ein Projekt vor, das inzwischen das größte Schulnetzwerk Deutschlands ist: „Schule ohne Rassismus“. Es wurde gemeinsam mit dem Vorsitzenden des Zentralrats der Juden in Deutschland Ignatz Bubis, der inzwischen verstorben ist, und mit dem Rapper Smudo in der Bundespressekonferenz präsentiert. Was auf dem Höhepunkt der Baseballschlägerjahre als mutige Antwort auf eine Welle von rassistischer Gewalt begann, ist heute eine lebendige Bewegung, die rund 2,5 Millionen Schüler*innen und Lehrkräfte vereint.
2000 erhielt das Projekt unter der Leitung der Pädagogin Sanem Kleff ein neues Konzept, ein neues Logo und den Namen, der zum Programm wurde: Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage. Dieser Schritt markierte einen entscheidenden Wendepunkt – denn es geht von nun an nicht mehr nur darum, gegen Rassismus zu sein, sondern auch aktiv für Demokratie, Gleichwertigkeit, Respekt und Zivilcourage einzutreten.
Heute gehören deutschlandweit 4.854 Schulen zum Netzwerk. Jede einzelne steht für ein Versprechen: Diskriminierung nicht hinzunehmen, Vielfalt zu schützen und dafür Verantwortung zu übernehmen. Ob durch Theaterprojekte, Ausstellungen, Begegnungen mit Zeitzeug*innen, Diskussionen mit Politiker*innen oder kreative Aktionen im Schulalltag – die Ideen entstehen vor Ort, entwickelt von den Kindern, Jugendlichen und Lehrkräften. Um die Nachhaltigkeit des Engagements abzusichern, werden die Schulen in allen Bundesländern bei ihren Aktivitäten standortnah von hunderten Mitarbeitenden der 127 Koordinierungsstellen unterstützt.
„Das Schild Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage am Schulgebäude steht für eine Haltung, ein Versprechen aneinander: Wir wollen eine Schule, in der alle sicher sind, in der jede Stimme zählt und in der Respekt nicht verhandelbar ist“, sagt Sanem Kleff, Direktorin der Bundeskoordination von Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage und Vorstandsvorsitzende von Aktion Courage e. V. Die Pädagogin leitet das Projekt seit 25 Jahren und hat es zum größten und effektivsten schulischen Präventionsnetzwerk in Europa weiterentwickelt.
Gerade heute, in Zeiten von Hass, Hetze und Angriffen auf unsere Demokratie, wird die Bedeutung des Projekts besonders deutlich. „Dieses Netzwerk zeigt, dass junge Menschen bereit sind, Verantwortung zu übernehmen. Sie geben unserer Demokratie ein Gesicht – mutig, vielfältig, solidarisch“, betont der Publizist Eberhard Seidel, seit 2002 Geschäftsführer der Bundeskoordination von Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage.
Das Jubiläum ist Anlass zum Feiern – aber auch zum Weitermachen. Denn die kommenden Jahre werden darüber entscheiden, wie stark Demokratie und Menschenrechte in unserer Gesellschaft bleiben.
Für Interviews stehen die Direktorin Sanem Kleff und der Geschäftsführer Eberhard Seidel gern zur Verfügung.