Viel Unterstützung im Bundestag
Mehr als 20 Bundestagsabgeordnete und ihre Mitarbeiter*innen kamen bei einem Parlamentarischen Frühstück mit der Leitung der Bundeskoordination und Mitgliedern des Vorstands von Aktion Courage e. V. zusammen.
Es sind besondere Zeiten. „Wir müssen über Demokratie sprechen. Nach den Wahlergebnissen in Thüringen und Sachsen fühlen sich viele Menschen mit Migrationsgeschichte nicht mehr sicher in ihrem eigenen Land.“ Als die SPD-Bundestagsabgeordnete Nadine Ruf die Anwesenden am 12. September zum Parlamentarischen Frühstück begrüßte, wurde es erst einmal ernst. Auch Sanem Kleff erklärte, sie beobachte eine Zunahme von Hass und Gewalt, Rassismus, Antisemitismus und anderen Ideologien der Menschenfeindlichkeit. Aber die Direktorin der Bundeskoordination Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage versicherte auch: An 4.500 Schulen hat sich eine Schulgemeinschaft mit mindestens 70 Prozent dazu verpflichtet, sich gegen Diskriminierung und Gewalt zu engagieren. „Mit welchen Methoden sie diese Ziele erreichen, ist ihnen überlassen“, erklärte Sanem Kleff, „doch unsere 125 Koordinierungsstellen überlassen sie nicht sich selbst.“
Viele Pat*innen im Bundestag
Rund 20 Abgeordnete und Mitarbeiter*innen des Bundestages folgten der Einladung zu einem Parlamentarischen Frühstück mit der Leitung der Bundeskoordination und Vorstandsmitgliedern des Trägervereins Aktion Courage e. V. Eingeladen hatte der SPD-Abgeordnete Andreas Schwarz, der vor Ort durch Nadine Ruf vertreten wurde.




Die Arbeit von Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage war vielen Mitgliedern des Deutschen Bundestags vertraut, weil sie Patinnen und Paten von Schulen im Netzwerk sind. Fragen hatten sie dennoch, und zwar ganz konkrete: „Haben Sie etwas im Blick, was man konkret in Solingen tun könnte, um das Trauma des islamistischen Anschlags vom 23. August zu überwinden?“, wollte Jürgen Hardt (CDU) wissen, der Pate zweier Schulen in der Region ist.
Auch Freude und Fröhlichkeit erhalten
Renate Künast berichtete, sie sei „neulich zum zweiten Mal Patin“ geworden. Sie wünschte sich Anregungen, was sie für ihre Schulen tun könne. „Als Parlamentarierin habe ich den Kopf voll mit anderen Themen. Aber für regelmäßige Tipps, was ich an Schulen machen könnte, wäre ich denkbar.“ Die Grünen-Abgeordnete blickte auch – wie vor ihr bereits Nadine Ruf – kritisch auf den politischen Diskurs. „Wenn es heißt, dem Bundeskanzler sei sein Land entglitten: Welch schlechte Art der Auseinandersetzung wird da vorgelebt?“ Bernd Westphal (SPD), ebenfalls Doppelpate, mahnte, sich als Parlamentarier auch bei der Beschreibung zu mäßigen, wie ernst die Lage sei. „Es geht auch darum, die Freude und Fröhlichkeit zu erhalten, die Kinder und Jugendliche kennen und brauchen.“
Drohende Kürzungen
Ebenfalls erhalten werden sollte: die Förderung des Netzwerks Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage. „Ausgerechnet jetzt, wo die Demokratie stärker unter Druck ist als je zuvor seit 1949, stehen viele zivilgesellschaftliche Organisationen vor einer für viele existenzbedrohenden Kürzung der Fördermittel“, erklärte Sanem Kleff. Auch das Courage-Netzwerk könne seine Arbeit bald womöglich nur eingeschränkt anbieten. Die Förderung im Rahmen des Bundesprogramms Demokratie leben! werde ab 2025 „in jedem Fall um 25 Prozent niedriger ausfallen, und das bei gestiegenen Lohn- und sonstigen Kosten.“




An die Anwesenden appellierte Kleff: „Ich kenne das Ringen um den Haushalt. Doch wir halten das für Kürzen am falschen Ort.“ Denn zugleich sei auch in den Ländern die Finanzierung des größten Präventionsnetzwerks gegen Ungleichwertigkeitsdenken in Deutschland keineswegs dauerhaft sicher. Das gelte nicht zuletzt für jene, in denen jüngst gewählt wurde. Als positives Zeichen wertete Kleff, dass zunehmend Unternehmen, Prominente, Privatpersonen und Organisationen aus ganz verschiedenen Bereichen einen (Spenden-)Beitrag dazu leisten, unsere Demokratie zu verteidigen.
Von der Courage-Schule in die Politik
Alexander Freier-Winterwerb wies darauf hin, dass Berlin die Förderung der Landeskoordination Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage jüngst deutlich erhöht habe. Wie die beim Parlamentarischen Frühstück neben ihm sitzende Ana-Maria Trăsnea ist er ein leuchtendes Beispiel dafür, welch nachhaltigen Eindruck Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage hinterlassen kann. Freier-Winterwerb ist Mitglied des Abgeordnetenhauses Berlin; Trăsnea war bis März Mitglied des Bundestages (beide SPD), und gehört dem Aktion-Courage-Vorstand an. Beide engagierten sich als Jugendliche in Courage-Aktivengruppen. „Wenn ich mich in der Politik so umschaue“, konstatierte Freier-Winterwerb, „kommen eine ganze Reihe Politiker*innen aus dem Netzwerk – von konservativ bis ganz links.“