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„Rechtsextremismus & Schule” in Weimar vorgestellt

3. Mai 2024

Vor 80 Interessierten stellte die Bundeskoordination am 25. April ihr Themenheft Rechtsextremismus & Schule vor. Mit dabei: Schüler*innen, Lehrer*innen und Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow.

Sanem Kleff, Bodo Ramelow, Kiara Hertel, Maja Zaubitzer und Eberhard Seidel in Weimar am 25. April 2024. © C. Jungeblodt

Weimar? Der Ort sei nicht zufällig gewählt, erklärte Sanem Kleff. „Geschichte wiederholt sich nicht: Doch es gibt durchaus Entwicklungen, die an das Ende der Weimarer Republik erinnern – und eine politische Strömung, deren Werte sich mit Menschenrechten nicht vereinbaren lassen.“ Die Schüler*innen im Raum forderte die Direktorin der Bundeskoordination Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage ganz besonders auf, sich für eine Welt zu engagieren, in der Gleichwertigkeit zählt. Ihnen helfen soll das aktuelle Themenheft „Rechtsextremismus & Schule“. Rechtsextreme Strömungen sind darin ebenso Thema wie konkrete Tipps, „etwa wenn eine rechtsextreme Partei meint, sie habe das Recht, in Schulen zu gehen?“.

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Thüringens Ministerpräsidendent Bodo Ramelow spricht über seinen Besuch an einer Courage-Schule. © Christian Jungeblodt

„Sie haben sich bekannt”

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Die Linke) stellte sich klar auf die Seite des Projekts: „Sie haben sich bekannt. Schule mit Courage – das ist für Sie alltägliche Aufgabe.“ Er sagte auch, was das bedeutet: nicht wegzuschauen, weil dumme Witze gemacht werden, abfällig über andere geredet wird – kurz daran mitzuwirken, „welcher Geist an der Schule herrscht und gepflegt wird“. Ramelow, der auch Pate einer Courage-Schule ist (s. Video), wehrte sich auch gegen jeden Versuch der AfD, die Verbrechen der NS-Zeit abzumildern: Wenn ein Geschichtslehrer wie Björn Höcke, Thüringens AfD-Spitzenkandidat, eine „erinnerungspolitische Wende von 180 Grad“ fordere, „dann soll entsorgt werden, was Teil unserer Verantwortung ist.“

Wie groß die Aufgabe der Schule in diesen Zeiten ist, machten dann auf dem Podium Schülerinnen wie Lehrerinnen klar. „Wir bekommen viel mit“, sagte die Vize-Vorsitzende der Landesschülervertretung Thüringen, Kiara Hertel, „und wir können ja die Zahlen nicht abstreiten“ – just zur Veranstaltung hatte eine Studie der jüngeren Generation 22 Prozent potenzielle AfD-Wählerinnen bescheinigt. Wichtig sei, Schüler*innen zu befähigen sich eine eigene Meinung zu bilden: „Mit einer Stunde Politik geht das nicht.“ Maja Zaubitzer, Mitglied der Landesschülervertretung, berichtete aus ihrer Courage-Schule, in der es – auch dank dem besonderen Jenaplan-Konzept – gut laufe. Sie riet zu Schul-Projektwochen, oder zu Workshops in Klassen, in denen es Probleme gibt. Wie so etwas mit externen Kooperationspartner*innen aussehen kann, steht übrigens auch im Heft „Rechtsextremismus & Schule“.

Politische Bildung braucht Kompetenz

Denn: Auch Demokratiebildung braucht Kompetenz. Die stellvertretende GEW-Thüringen-Vorsitzende Steffi Kalupke erzählte von „haarsträubend“ schlecht vorbereiteten Jugend- und Schülerinnengruppen, die sich zu einem Besuch des bei Weimar gelegenen ehemaligen Konzentrationslagers Buchenwald aufmachen. Dabei hält die Deutsch- und Geschichtslehrerin, die seit 1981 viele Schüler*innengenerationen gesehen hat, die Lage heute für ernster als je zuvor in ihrer Laufbahn: „Was früher hinter vorgehaltener Hand gesagt wurde, kommt jetzt offen heraus.“ Sie hatte auch eine Idee, was Jugendliche in rechtsextreme Gruppen treibt: Dort gäbe es auch eine „Gemeinschaft“. Für Menschen, die sich in die Ecke gedrängt fühlen, sei das attraktiv.

Umso wichtiger: Orte des Gesprächs, in denen pädagogisch wie politisch gearbeitet wird: „Politische Bildung ist auch ein Ort der Begegnung. Und aus Begegnungen lernt man“, konstatierte Eric Wrasse, pädagogischer Leiter der Europäischen Jugendbildungs- und Jugendbegegnungsstätte Weimar, zugleich Trägerin der Landeskoordination von Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage in Thüringen. Als zweiten wichtigen Punkt nannte er, kritische Medienbildung stärker zu fördern. Als erste Unterstützung dabei hilft übrigens ein weiterer Text aus dem Themenheft „Rechtsextremismus & Schule“.