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16.06.2016

Das Courage-Metallschild am Schulgebäude – ein Muss?



Foto: Gretel-Bergmann-Schule

In den letzten Wochen teilten uns gleich drei Schulen aus drei verschiedenen Bundesländern mit, dass sie kein Schild mit dem Logo von Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage wollen und dies auch nicht an dem Schulgebäude anbringen werden. Als Begründung führten die Schulen an: Man nehme das Engagement für Menschenrechte ernst, wolle aber nicht, dass in der Öffentlichkeit der Eindruck entstehe, man sei ja nur oberflächlich daran interessiert, möglichst viele Schilder zu sammeln, um damit das Image der Schule aufzuwerten. Angefangen von der Plakette der erfolgreichen Teilnahme an Umweltprojekten über den Ausbau der gesundheitsbewussten Schulkantine und der gendergerechten Förderung von Mädchen in den MINT-Fächern bis hin zum gesellschaftlichen Engagement gegen Rassismus. Nachrangig werden zwar auch einige andere Argumente wie die Auflagen des Denkmalschutzes für ihr Schulgebäude angeführt, die jedoch erfahrungsgemäß zu klären sind.

Die Frage des Tages lautet also:

„Müssen Courage-Schulen das Metallschild „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ von außen sichtbar an das Schulgebäude anbringen?“


Die Antwort der Bundeskoordination lautet: „Ja, das gehört zur Titelverleihung verbindlich dazu. Eine Schule, die das Schild ausdrücklich ablehnt, hat den vorgegebenen Aufnahmeprozess nicht vollständig abgeschlossen, auch wenn sie alle anderen Voraussetzungen zur Aufnahme erfüllt hat. Sie kann deshalb nicht in das Courage-Netzwerk aufgenommen werden.

Das öffentlich zur Schau gestellte Metallschild erfüllt für das Courage-Netzwerk wichtige Funktionen und Ziele. Es steht für die Sichtbarkeit der gemeinsamen Willensbildung der Schulgemeinschaft; es signalisiert die Positionierung der Schule nach außen und erinnert die Schulmitglieder auch viele Schuljahre nach der Titelverleihung an die Selbstverpflichtung der Schule. Es ermuntert die Schüler*innen und Pädagog*innen, ihre laufenden Aktivitäten im Kontext des Courage-Zieles zu sehen und kann andere Schulen motivieren, ebenfalls dem Netzwerk beizutreten. Es macht im Schulalltag dauerhaft die Zielsetzung präsent und ermuntert, das Thema Rassismus offen anzusprechen. Es erinnert an den Kernpunkt des Selbstverständnisses und mahnt tagtäglich, nicht wegzuschauen, wenn an der Schule Diskriminierung und Gewalt vorkommen. Es erinnert daran, dass mindestens einmal im Jahr ein Projekt durchgeführt werden muss und zeigt die Zugehörigkeit der Schule zu einem Netzwerk mit über 2.000 anderen Schulen auf. Es ermuntert auch, mal bei der Suche nach geeigneten Referent*innen bei der Regional- oder Landeskoordination anzufragen und es fördert das Image der Schule positiv! Warum auch nicht, wenn dem Schild die entsprechenden Aktivitäten folgen?

Der Courage-Titel besagt keineswegs, dass es an dieser Schule ab dem Tage der Titelverleihung keinerlei Rassismus, Antisemitismus oder Homophobie mehr gibt. Er besagt nicht mehr, aber auch nicht weniger, als dass sich über zwei Drittel der Schulgemeinschaft freiwillig darauf geeinigt haben, sich für Menschenrechte aktiv einzusetzen und den Alltag an ihrer Schule über Jahre dauerhaft in geeigneter Form zu gestalten.

Um ein ganz anderes Thema handelt es sich übrigens, wenn befürchtet wird, das gut sichtbare Courage-Schild am Schulgebäude könne aus rassistischen, politischen Gründen angegriffen, verschmiert oder entwendet werden. In jedem Schuljahr und in allen Bundesländern kommt dies dutzendfach vor. In diesen Fällen handelt es sich um eine vollkommen andere Problemlage, die wir in einem der kommenden Rundbriefe gesondert aufgreifen werden.