Schwerpunkt - Klassismus

Klassismus verständlich erklärt

Von Rico Grimm, Journalist bei den Krautreportern


In unserer Gesellschaft werden viele Menschen immer wieder benachteiligt. Es ist fast so, als gebe es unsichtbare Gesetze, die besagen: Du bist schwarz, du darfst nicht Bundeskanzler werden. Du bist eine Frau, du darfst kein großes Unternehmen führen. Oder eben auch: Du bist arm, du darfst nicht mitreden, wie unsere Gesellschaft sein soll.
Das Ding ist, dass Schwarze benachteiligt werden oder Frauen, das wird dank der Arbeit vieler engagierter Aktivisten immer mehr Deutschen bewusst, aber dass Menschen auch aufgrund ihrer sozialen Herkunft benachteiligt werden, wissen viele nicht (mehr). Dahinter steckt nicht unbedingt böser Wille. Wir sprechen einfach nicht genug über diesen so genannten Klassismus.

Hört sich ja an wie Rassismus. Hat das was miteinander zu tun?

Absolut. Bei beiden Dingen geht es darum, dass Menschen, die zu einer Minderheit gehören, ungerecht behandelt werden. Von den Mitmenschen, dem Staat oder auch generell von den Strukturen, die wir aufgebaut haben in unserer Gesellschaft. Der Unterschied ist, dass beim Rassismus Menschen aufgrund ihres Aussehens oder ihrer Herkunft benachteiligt werden, beim Klassismus ist eben wichtig, aus welchem Teil der Gesellschaft du kommst.

Foto: Samuel Zeller


Was bedeutet das: soziale Herkunft?


Grob gesagt richtet sich die soziale Herkunft nach zwei Dingen: dem Einkommen und dem Bildungsgrad der Eltern. Wenn die also viel Geld verdienen oder an einer Universität ihren Abschluss gemacht haben, dann wirkt sich das natürlich auch auf ihre Kinder aus. Ein gutes Beispiel sind Sprachreisen: Wenn die Eltern mehr Geld haben, können ihre Kinder die Ferien oder manchmal sogar ein ganzes Jahr im Ausland verbringen, zum Beispiel in den USA. Dort können sie viele Freundschaften schließen und Englisch lernen. Kinder von Eltern, die nicht ganz so viel Geld haben, können das eher nicht. Sie sprechen dann auch später nicht so gut Englisch, wodurch es ihnen schwerer fallen kann, an der Universität zurechtzukommen oder beruflich aufzusteigen.

Aber Arme werden in Deutschland doch nicht benachteiligt.

Wenn das so ist, warum ist dann die Wahrscheinlichkeit viel höher, später viel Geld zu verdienen, wenn auch die eigenen Eltern schon viel Geld verdient haben? Warum bekommen Menschen ohne festen Wohnsitz dann fast nie einen Beruf? Warum sterben Arme bis zu zwölf Jahre früher als der Schnitt der Bevölkerung? Und überhaupt, wenn soziale Herkunft keinen Einfluss hätte, warum sitzen dann in unserem Bundestag 90 Prozent Studierte und nur zehn Prozent Abgeordnete ohne Hochschulabschluss? Warum gibt es dann in Deutschland eine Bildungsdiskriminierung, über die zwar immer wieder gesprochen wird, die aber scheinbar niemand so richtig ändern will?

Was soll das sein, „Bildungsdiskriminierung”?

Eigentlich sollten ja alle die gleichen Chancen in der Schule haben, praktisch ist das nicht so. Kinder aus ärmeren Verhältnissen gehen nicht so oft aufs Gymnasium.

Na ja, vielleicht haben sie schlechte Noten und da gehören sie eben auch nicht aufs Gymnasium!


Das ist ja das Schlimme: Selbst wenn diese Kinder Noten haben, die eigentlich ausreichen würden, lassen ihre Eltern sie manchmal nicht aufs Gymnasium, weil sie es vielleicht nicht besser wissen. Gleichzeitig neigen Lehrer bei Kindern aus den unteren Schichten eher dazu, eine Empfehlung für die Realschule oder die Hauptschule abzugeben, auch wenn die Schüler eigentlich aufs Gymnasium könnten. Eltern, die selbst auf dem Gymnasium waren und vielleicht sogar an einer Universität, tun sehr viel dafür, dass ihre Kinder diesen Weg auch gehen, denn sie haben ja selbst erlebt, wie wichtig das Abitur in Deutschland ist.

In Deutschland kann nicht jeder alles werden. Es reicht eben nicht, einfach nur hart zu arbeiten. Auch wenn das gerade die Politiker immer wieder beschwören. Die so genannte soziale Mobilität geht seit Jahren in Deutschland zurück, das heißt, dass es immer weniger Menschen schaffen, ihre eigene Schicht zu verlassen und aufzusteigen.

So zusammengestellt ist das ziemlich erschreckend. Aber warum sprichst du denn von Klassismus? Es gibt doch keine Klassen mehr.

Tatsächlich ist das die vorherrschende Theorie bei den politischen und intellektuellen Eliten: Nach dem Zweiten Weltkrieg wuchs der Wohlstand in allen westlichen Gesellschaften so stark, dass die Klassen, wenn es sie denn jemals gab, aufgelöst wurden. Wir können jetzt nur noch von „Schichten” reden. Aber nicht alle haben sich dieser Theorie angeschlossen. Nehmen wir mal den französischen Vordenker Pierre Bourdieu. Bourdieu hat gesagt: Doch doch, es gibt natürlich noch Klassen, aber sie sehen nicht mehr so aus wie im 19. Jahrhundert, als es immer nur darum ging, ob jemand Unternehmer ist oder Arbeiter. Heute zeichnen sich Klassen nicht nur dadurch aus. Vielmehr spielt auch das kulturelle und soziale Kapital eine Rolle.

Foto: Roman Kraft


Kulturelles Kapital? Soziales Kapital?

Also, Bourdieu meint das mit dem kulturellen und sozialen Kapital wortwörtlich. Wir häufen in diesen Feldern Vermögen an, das wir einsetzen können, um unsere Wünsche zu erfüllen. So kann man nämlich Armut auch definieren: Dass jemand nicht Herr seines eigenen Schicksals und seiner Zeit ist und ständig nur für andere schleppen, schuften, schaffen muss. Mit kulturellem Kapital meint Bourdieu Dinge wie Bücher, Gemälde, Schulabschlüsse, aber viel wichtiger noch: die Bildung, die ein Mensch erringen kann. Als soziales Kapital wiederum bezeichnet er die Beziehungen, die ein Mensch im Laufe seines Lebens eingeht. Neudeutsch nennt man so etwas: das Netzwerk eines Menschens.

Wenn ich also auf Facebook viele Freunde habe, habe ich dann ein hohes soziales Kapital?


Ja. Auch wenn man natürlich unterscheiden muss: Nicht jeder dieser Freunde ist mit dir gleich eng verbunden. Aber noch wichtiger: Wer sind die Leute, die man kennt? Das ist von Person zu Person sehr unterschiedlich. Der eine ist in Berlin aufgewachsen, auf einer internationalen Schule und kennt deswegen vielleicht die Töchter und Söhne vieler Diplomaten und Manager. Die andere wurde in Pforzheim geboren und geht auf eine „normale” Schule, auf der es nicht so viele Kinder mit einflussreichen Eltern gibt. Das macht vielleicht in der Schule noch keinen Unterschied. Aber sobald es um die Karriere geht, ist es oft sehr sehr wichtig, wen man so kennt. Der eine kann einfach den Vater seines besten Freundes fragen, ob er in dessen Firma ein Praktikum machen kann. Die andere muss sich normal bewerben und gegen viele andere durchsetzen.

Haben denn verschiedene Klassen auch verschieden viel soziales, kulturelles und ökonomisches Kapital?

Genau. Oder anders formuliert: Die einen kennen viele Reiche und Mächtige, sind selbst gut gebildet und wohlhabend. Die anderen haben vielleicht auch viele gute Freunde, die sind aber nicht ganz so reich und mächtig und selbst sind sie auch nicht ganz so gut ausgebildet und wohlhabend. So entstehen Unterschiede in der Gesellschaft, über die wir vielleicht nicht genug reden, die aber eine große Rolle spielen können.


Woher weiß ich, in welcher Klasse ich bin?

Ganz genau kann das niemand sagen. Aber ein paar Fragen helfen dabei, sich zu orientieren:

  • Welche Bildung haben deine Eltern?
  • Wie viel Geld haben sie?
  • Haben sie geerbt?
  • Wohnt ihr zur Miete oder habt ihr ein Haus?
  • Fahrt ihr oft in den Urlaub?
  • Hat deine Familie ein hohes Ansehen?

Das sind nur ein paar Fragen. Aber so ganz helfen sie noch nicht weiter. Dazu musst du dich überwinden.

Foto: Andreas Gücklhorn


Wieso?


Nun ja, einen wirklich guten Eindruck von der eigenen Position bekommst du erst, wenn du mal mit anderen Leuten über diese Fragen redest. Und das kann unangenehm sein. Denn über Geld und die eigenen Privilegien redet niemand gern. Vielleicht solltest du es deswegen nur mit Menschen machen, denen du wirklich vertraust. Wichtig ist auch: Die eigene Position kann sich natürlich ändern und damit auch die Klasse, der man angehört.

Wissen das denn alle Leute? Also was ihre Klasse ist?


Vielleicht nicht direkt, sie haben kein Klassenbewusstsein oder so etwas Ähnliches, das gab es früher mal, ist heute aber ausgestorben.

Klassenbewusstsein?


Na ja, dass man sich mit seiner Klasse identifiziert. Man also sagt: „Ich komme aus der Arbeiterklasse.” Aber das sagt ja heute so gut wie niemand mehr, weil aber auch niemand mehr darüber spricht. Obwohl, die Menschen denken natürlich schon darüber nach, welche soziale Position sie haben. Das Kuriose dabei ist: Alle wollen zur Mitte der Gesellschaft gehören. Reiche Menschen behaupten, dass sie mit ihrem monatlichen Nettoeinkommen von 4.000 Euro zur Mittelschicht gehören würden und arme Menschen, die vielleicht nach Steuern und Abgaben 13.000 Euro im Jahr verdienen, ebenso.

Warum ist das so?

Vermutlich weil viele Deutsche das, was in der Mitte zwischen zwei Polen ist, ganz gut finden. Aber natürlich auch, weil es die Menschen freispricht: die Armen von der Scham, so arm zu sein, und die Reichen davon, reich zu sein und sich die Frage stellen lassen zu müssen, was sie denn eigentlich für die Gesellschaft mit ihrem Vermögen tun oder warum ihre Arbeit so viel mehr wert ist als die von anderen.

Und wie viele Menschen gelten in Deutschland als arm?

Gute Frage, schwere Frage. Eines vorweg: In Deutschland gibt es nur wenige Menschen, die so arm sind wie zum Beispiel manche Menschen in dem afrikanischen Land Tschad. Theoretisch müsste niemand in Deutschland hungern. Wenn wir über Armut in Deutschland sprechen, sprechen wir deswegen über so genannte „relative Armut”. Das heißt, es wird gemessen, wie arm jemand im Vergleich mit seinen Mitmenschen ist, und da gilt ein Einkommen von 917 Euro nach Steuern und Abgaben für einen Einzelnen als zu wenig. Legt man diesen Maßstab in Deutschland an, sind 13 Millionen Menschen von Armut gefährdet.

Und die werden alle benachteiligt?!

Es gibt natürlich Ausnahmen. Als arm gelten hier auch Studenten, die aber in wenigen Jahren einen gut bezahlten Job haben werden und sich selbst sicher auch nicht als benachteiligt sehen würden. Aber der Rest? Mmh, schon. Vielleicht würden sie das niemals von sich selbst sagen, aber ja. In unserer Gesellschaft sind es so gut wie nie die Armen, die profitieren. Im Gegenteil, auf dem deutschen Arbeitsmarkt sind gerade sie es, die – es ist ein krasses Wort, aber es stimmt schon – ausgebeutet werden. Denn sie kann man ausbeuten. Ein Beweis dafür ist, dass Deutschland zwar so viele Waren ins Ausland verkauft wie fast kein anderes Land auf der Welt und immer mehr Jobs schafft, diese Jobs aber nicht immer gut bezahlt sind. Daten der Bundesagentur für Arbeit zeigen, dass 180.000 Deutsche Vollzeit arbeiten und trotzdem nicht davon leben können. Knapp eine Million Menschen hat seit mehr als einem Jahr keinen Job mehr und diese Zahl wird kaum kleiner. Und die Zeit, die die deutschen „Langzeitarbeitslosen” ohne festen Beruf verbringen, wird immer länger. Das ist aber noch nicht einmal das Schlimmste.

Was dann?

Frag dich mal, was das mit einem macht, wenn man sich anstrengt und macht und tut und am Ende nie etwas Richtiges bei rauskommt. Jahrelang. Und du dann den Fernseher anmachst und Politiker auch noch auf dir herumhacken und so tun, als seiest du nur faul und wolltest dich auf der Arbeit deiner Mitbürger ausruhen. Es ist schwierig, sich wirklich in so eine Lage hineinzuversetzen, aber nimm den letzten Moment des Scheiterns, nimm den Frust dieses Moments und denke dir, dass er sich nicht verzieht, sondern immer weitergeht und größer wird.

Foto: Derek Thomson


Ich sage es mal so: Eigentlich grenzt es doch an ein Wunder, dass diese Menschen nicht den Aufstand proben!

Nun, dafür haben sie keine Zeit. Lass uns noch mal diesem Warren Buffet vom Anfang zuhören. Er ist zwar sehr reich, aber er ist sich dessen sehr bewusst und denkt viel darüber nach. Er hat gesagt: „Die Reichen investieren ihr Geld und die Armen ihre Zeit.” Wir kennen das aus unserem Alltag. Familien mit mehr Geld haben Putzfrauen, die Armen putzen selbst. Wenn eine Reise ansteht, nehmen die einen schnelle Flugzeuge und ICEs und die anderen Reisebusse, wenn sie sich überhaupt eine Reise leisten können. Da ihre Jobs schlechter bezahlt sind, müssen sie mehr arbeiten, um sich die gleichen Lebensmittel kaufen zu können wie ein stinknormaler deutscher Durchschnittsverdiener. Um einen Einkauf von 50 Euro stemmen zu können, geht ein Mensch mit Mindestlohn mindestens acht Stunden arbeiten, der Durchschnittsverdiener etwas mehr als drei Stunden. Hochgerechnet macht das einen gewaltigen Unterschied. Aber das sind nur die offensichtlichen Dinge. Es gibt etwas, das die Forschung gerade erst entdeckt hat.

Was denn?

Arme treffen schlechtere Entscheidungen.

Ja, sonst würden sie wohl auch nicht arm bleiben ...


Auch das ist Klassismus in Reinform: Die Annahme, dass die Armen alle selbst schuld seien an ihrer Armut.

So hatte ich das gar nicht gemeint.

Aber so kommt es halt an. Viele, die nicht die „richtigen” Schulabschlüsse haben oder die „richtigen” Leute kennen oder nicht über genug Geld verfügen, hören so etwas ja ständig. Das macht ihre Situation umso schlimmer. Von ihnen wird verlangt, sich „hochzuarbeiten”, aber gleichzeitig wird ihnen das Wichtigste genommen, das man dafür braucht: Selbstbewusstsein. Das meine ich im besten Sinne. Das Vertrauen auf die eigenen Fähigkeiten, aber auch das Wissen um die eigene Position. Wer in einer schwierigen Situation steckt und sich nun also vornimmt, sich richtig anzustrengen, um es zu etwas zu bringen, muss erst mal das Vorurteil überwinden, dass er sich nie richtig anstrengen würde. Blöder gehts ja eigentlich nicht. Zumal diese Menschen ihre Energie wirklich für andere Dinge brauchen. Denn wie gesagt: Arme Menschen treffen schlechtere Entscheidungen. Und es ist noch nicht mal ihre Schuld. Ein paar spektakuläre Forschungen haben das gezeigt.

Da gibt es zum Beispiel zwei indische Forscher, die sich mit dem Alltag indischer Zuckerrohrbauern beschäftigt haben. Sie haben die Bauern gebeten, bestimmte Aufgaben zu erledigen und was sie da feststellten, machte erstmal keinen Sinn: Vor der Ernte waren die Bauern viel schlechter in diesen Tests als danach.

Vielleicht waren die Bauern ja vor der Ernte hungrig und konnten sich nicht konzentrieren.


Fast! Sie konnten sich tatsächlich nicht konzentrieren auf die Tests, aber nicht, weil sie hungrig waren. Sondern weil sie sich so viele Sorgen ums Geld machen mussten: Werde ich genügend Helfer für die Ernte finden? Wie wird sie ausfallen? Zu welchem Preis kann ich meinen Zuckerrohr verkaufen? Wird das Geld aus der Ernte reichen, um meinen Kindern die Schule nächstes Jahr zu zahlen? Brauche ich dieses Fahrrad wirklich noch? Vielleicht kann ich es verkaufen? Aber wer könnte es kaufen? Was soll ich dafür nehmen?
Solche Fragen stellten sie sich den ganzen Tag. Sie hatten keine Energie übrig, sich den Tests zu widmen. Die Forscher suchten nach einem Vergleich, um zu beschreiben, was da mit den armen Menschen passierte. Sie sagten, dass sich die Bauern vor der Ernte verhielten wie jemand, der eine ganze Nacht lang nicht geschlafen hat. Das ist doch Wahnsinn! Bei den Tests nach der Ernte waren die Bauern übrigens genauso gut wie Menschen mit einem höheren Einkommen.
Diese Forschungen zeigen, dass Armut eine echte Belastung für den menschlichen Geist ist, die so groß werden kann, dass sie genau das verhindert, was häufig von ihnen gefordert wird: Dass diese Menschen mehr dafür tun, aus ihrer Armut herauszukommen. Wer überlegen muss, womit er die Waschmaschine, die kaputtgegangen ist, wieder reparieren kann, kann in dieser Zeit nicht darüber nachdenken, wie er seine finanzielle Situation grundlegend verbessern kann, etwa durch Weiterbildung.
Denn wenn sich heute jemand entschließen würde, wieder für Menschen zu kämpfen, die nicht so eine „hohe” Bildung oder so ein „hohes” Einkommen haben wie andere, dann müsste er sich erstmal eine neue Selbstbeschreibung suchen.

Gibt wohl Schlimmeres.

Da widerspreche ich dir. Ohne Selbstbeschreibung kein Ich. Ohne Ich keine Antwort auf die Frage „Wer bist du?”. Ohne diese Frage nicht die Frage „Wer sind wir?”. Und ohne die kann sich keine Gruppe formen. Aber die bräuchten wir, um etwas an der Situation der Armen zu ändern. Sie müssten in der Öffentlichkeit mehr Gehör finden. Ideal wäre, wenn sich wieder Vereine und Gruppen bildeten, die mit den Journalisten, Politikern und anderen Entscheidungsträgern sprechen, um den Klassismus in unserer Gesellschaft zu bekämpfen. Das hat bei anderen Bewegungen auch gut funktioniert: Die Homosexuellen etwa haben ihre eigenen Verbände gebildet und ihre eigenen Hochschulgruppen und irgendwann, nach einem zugegeben sehr langen Kampf, haben sie dann Fortschritte wie die Ehe für alle erzielt. Gibt es denn wirklich niemanden, der in Deutschland dafür eintritt?

Na ja, indirekt schon. Zum Beispiel leistet der Paritätische Wohlfahrtsverband wichtige Arbeit. Auch die Initiative Arbeiterkind.de versucht, soziale Herkunft stärker zu thematisieren. Was es aber nicht gibt: Eine eigene politische Kraft, die den Klassismus abschaffen will.

Was kann ich denn tun?

Da habe ich etwas Wunderbares gelesen. Damit will ich enden. Es steht in einem Blog, der den grundsympathischen Namen Vorspeisenplatte trägt: „Arbeiterkinder fördert man (an der Uni), indem man ihre tatsächlichen Leistungen anerkennt, unabhängig von persönlichem Auftreten inklusive Dialekt, Akzent, Aussehen”. Damit können wir also gleich selbst anfangen.

Den ganzen Text könnt Ihr im Themenheft Klassismus lesen.