Die Frage des Tages

Esther Bejarano, Überlebende des Vernichtungslagers Auschwitz mit US-General Konsulin Nancy Corbett und dem SPD-Politiker Julien Barlen (MdL) auf dem Landestreffen 2014 in Mecklenburg-Vorpommern.
Applaus für Esther Bejarano.
Courage-SchülerInnen der Marcel-Breuer-Schule in Berlin mit Ihrem Paten Van Bo Le-Metzel. Foto: Aris Papadopoulos

Was bedeutet der Titel Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage?

Sanem Kleff: Immer wieder lesen wir in Zeitungsartikeln, dass eine Schule auf Grund ihres Engagements als Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage ausgezeichnet wurde. Das ist falsch.

Der Titel ist kein Preis, keine Belohnung und keine Auszeichnung für bereits geleistete Arbeit. Eine Schule bekommt den Titel, wenn mindestens 70 Prozent der SchülerInnen, der LehrerInnen und des sonstigen Personals einer Schule die drei Punkt der Selbstverpflichtung unterschrieben haben, sich künftig aktiv gegen jede Form der Diskriminierung einzusetzen und regelmäßig Projekttage durchzuführen.

Der Titel bedeutet in erster Linie, dass die Schule von nun an Teil des Courage-Netzwerkes ist und die große Mehrheit einer Schule das Versprechen abgelegt hat, künftig alles zu tun, damit Diskriminierung keinen Platz mehr an der Schule hat. Damit die Schulen ihr Versprechen einhalten können, bekommen sie bei ihren Aktivitäten Unterstützung von der Bundes- und den Landeskoordinationen, von Regionalkoordinationen sowie von unseren Kooperationspartnern.

Der Titel ist übrigens auch kein Zertifikat oder Gütesiegel, die bescheinigen, dass es an einer Schule keine Konflikte, keinen Rassismus gibt. Schulen ohne Rassismus sind ein Ideal, das es lohnt anzustreben, aber sie sind keine  Wirklichkeit im Alltag. Der Titel bedeutet ja nicht, dass an einer Schule kein Mobbing, Rassismus oder andere Formen der Diskriminierung vorkommen können. Uns ist bewusst, dass dies an Courage-Schulen trotz bester Absichten immer wieder der Fall sein kann.

Allerdings, und darauf kommt es uns an, hat sich eine Courage-Schule dazu verpflichtet, im Sinne der Selbstverpflichtung tätig zu werden, wenn es zu Diskriminierungen kommt. Sollte es an einer Schule zu Diskriminierungen kommen und weder die SchülerInnen noch die LehrerInnen reagieren darauf, empfehlen wir, dass sich diejenigen, die sich nicht damit abfinden wollen, zusammentun und die Schulgemeinschaft an das Selbstverständnis erinnern: in Konfliktfällen nicht wegzuschauen, sondern einzugreifen und alles dafür tun, diese Konflikte gewaltfrei und in wechselseitiger Achtung zu lösen.